Partner von:

Spaß und Stress im Hexenkessel

Die

Die "tube" in London

London ist eine faszinierendsten Städte der Welt. Eine echte Weltmetropole, ein übervölkerter, überteuerter Hexenkessel voller Menschen aus allen Winkeln der Erde. In London schlägt der Puls der Zeit. Hier findet man indische Gangsta-Rapper im Duett mit jamaikanischen Rastas, mehr Somalis als in ganz Mogadischu, blasshäutige Engländer mit dem unvermeidlichen England-Trikot und kann jeden Tag eine kulinarische Weltreise machen. London ist die ganze Welt in einer Stadt, mit allem Schönen und allem Hässlichen wie Armut, Kriminalität und Gewalt.
 

Hammermäßige Powerpoint-Präsentationen
 Die London Business School (LBS) ist Teil der University of London und eine der renommiertesten Business Schools der Welt. Insgesamt studieren an der LBS etwa 300 bis 400 Studenten, die sich in drei Kategorien einteilen lassen: Vollzeit-MBAs, Executive-MBAs, die neben dem happigen Pensum auch noch arbeiten, und Austauschstudenten von anderen renommierten Business Schools, unter anderem aus Harvard, Berkeley oder Chicago. Sie stellen mit etwa 80 bis 95 Studenten eine recht große Gruppe. Am Anfang fühlte ich mich natürlich ein wenig komisch inmitten dieser klangvollen Namen. Ich dachte, von lauter zukünftigen Nobelpreisträgern umgeben zu sein. Aber Entwarnung: Sie sind so normal wie du und ich und keine Übermenschen. In Sachen fachlicher Qualifikation konnte ich sehr gut mithalten, in Sachen "Hammerpräsentationen mit Powerpoint XP" leider eher nicht. Die unterschiedliche Zielsetzung der deutschen Universität samt ihren Vorteilen (solides theoretisches Wissen) und Nachteilen (Praxisferne) wurden mir deutlich bewusst. So mies wie oft vermutet scheinen die deutschen Unis angesichts meiner ermutigenden Erfahrung aber wohl nicht zu sein.
 

Lernen für die Praxis
 Der Stoff wird anders vermittelt als zum Beispiel in Köln. In London musste ich immer mehrere Fallstudien oder spezielle Aufgaben bearbeiten. Das geschah sowohl individuell als auch in Gruppen und ergab dann einen erheblichen Teil der Note. Das Lernkonzept ähnelt mehr dem einer Schule als dem einer Uni. Es geht darum, fit für den Job zu werden, und nicht alles bis in die letzten Feinheiten zu verstehen. Anders als in Köln stand in London am Ende des Semesters keine monströse Abschlussprüfung, für die man kräftig lernen muss. Die Arbeitsbelastung ist recht gleichmäßig über den "term" verteilt und trotz allem nicht gerade gering. Ich musste Kurse im Wert von vier Kreditpunkten belegen, also im Normalfall vier Kurse wählen. Da pro Kurs nur eine begrenzte Anzahl Plätze zur Verfügung stehen, muss man sich sehr genau überlegen, welche Kurse man belegen will. Die Vorlesungen umfassen dann aber auch nicht mehr als 50 Leute. Insgesamt sind daher die Veranstaltungen persönlicher, da man den Professor jederzeit fragen und erreichen kann. Es werden auch viel mehr Fragen gestellt und Themen diskutiert.
 

Wohnungssuche mit Gefühl
 Sobald man erst mal einige Jahre in Köln wohnt, neigt man mitunter dazu, den Horror der ersten Wohnungssuche zu verdrängen. In London kommen zu den bekannten Widrigkeiten noch einige Faktoren hinzu: Man braucht ein Hotelzimmer oder Bed&Breakfast als Ausgangsbasis, hat seinen ganzen Kram dabei, kein Internet und eigentlich keine Ahnung, wo man überhaupt suchen soll. Angesichts der horrenden Mieten bleibt realistischerweise nur die Möglichkeit des "flat- oder housesharing". Generell kann man sagen, dass neben der Nachfrage auch das Angebot riesig ist, so dass die Wohnungssuche relativ schnell geht. Ich habe nur zwei Tage suchen müssen, bis ich zufällig etwas in North Kensington fand. Ich hatte das Glück, im Haus einer Architektin für 130 Pfund pro Woche (etwa 190 Euro) unterkriechen zu können und bekam dafür sogar ein geräumiges, sauberes Zimmer. Am besten ist es, sich ohne große Gedanken in Gegenden Zimmer anzusehen, von denen aus man sein Ziel gut erreichen kann -und dann seinem Gefühl zu vertrauen. Natürlich gibt es in London viele verlauste Löcher und miese Buden, aber ihr könnt darauf vertrauen, etwas zu finden.
 

Mit ein paar Pints ins Nachtleben starten
 Londons Partyszene ist natürlich ein echtes Erlebnis. Egal ob Clubbing, Konzerte oder Musicals: Ein derartiges Angebot findet man in Europa wohl schwer noch ein zweites Mal. Als zuverlässiger Navigator durch den Dschungel des Nachtlebens empfiehlt sich die Lektüre des Magazins "TimeOut", das für jeden Tag die besten Events auflistet und einem so ein gewisses Gefühl gibt. Ohne TimeOut irrt man mehr oder weniger planlos umher. In London gibt es zwar kein klassisches Studentenviertel, aber viele Universitäten und Studenten. Für genügend Auswahl und Publikum ist also gesorgt. Trotzdem ist es schwierig, inmitten des riesigen Angebotes das richtige zu finden. Der Einfachheit halber startet man den Abend typisch englisch im Pub mit ein paar Pints, um dann leicht angeschickert die unvermeidlichen Chips mit Essig als kleine Zwischenmahlzeit einzunehmen.
 

Tolle Parties für jeden Musikgeschmack
 Die Clubs sind extrem spezialisiert; man unterscheidet zum Beispiel nicht nur grob zwischen Techno und House, sondern in vielen Unterkategorien wie Italo, Electroclash oder Psychdelic Goa Trance. Die meisten Clubs sind sehr stolz darauf, in ihrer Kategorie dann auch wirklich eine tolle Party zu bieten. Bei unterschiedlichen Musikgeschmäckern kommt man da allerdings nicht so leicht auf einen gemeinsamen Nenner. Herumziehen durch ein paar Locations geht eher nicht, da die Eintrittsgebühren pro Club schnell mal zehn Pfund betragen. Wir haben uns den Spaß trotz der hohen Preise nicht vermiesen lassen und ganz ordentlich gefeiert, zumal wir nach einiger Zeit auch ein paar Tricks raus hatten, wie sich Geld sparen lässt.
 

Internationalität als Lebensalltag
 London ist international – die eine Hälfte der ausländischen Bevölkerung von Großbritannien lebt in London. Vergesst sämtliche Vorstellungen vom "merry old England": In Central London leben vielleicht 40 Prozent Briten, die Mehrheit sind Afrikaner, Asiaten, Jamaikaner oder Kontinentaleuropäer. Von dem entsprechender Qualität ist das Englisch, das dort gesprochen wird. Aber dafür man lernt man den besten Slang kostenlos. Die im normalen Straßenbild schon verwirrende und beeindruckende Internationalität war an der LBS auf die Spitze getrieben. 98 Prozent der Studierenden sind Nicht-Briten. Internationalität ist hier also nicht nur ein hohles Schlagwort, du hast ständig mit Leuten aus den verschiedensten Ecken der Welt zu tun. Das ist meistens schön, manchmal aber auch nervig, besonders wenn sich kulturelle Gräben zwischen dem asiatischem "Bloß nicht Nein sagen" und dem europäischem "Lass uns das mal offen diskutieren" auftun.
 

Anstrengend, aber phantastisch
 Die unglaubliche Überfüllung dieser Stadt kann man eigentlich gar nicht beschreiben. Zu jeder Tages- und Nachtzeit quälen sich unglaubliche Massen durch die Innenstadt, und selbst weiter draußen quillt die Stadt scheinbar immer über. Man gewöhnt sich an das Geschiebe und den Lärm, aber richtig entspannen kann man da eigentlich nie, da selbst der Spaziergang im Park zum Kampf um die Parkbank ausartet. Trotz aller Widrigkeiten: Ich habe die Zeit sehr genossen, viele tolle Erfahrungen gemacht und auch eine Menge gelernt. Es war zwischendrin ganz schön anstrengend, aber es war eine phantastische Zeit!

nach oben

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.