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Feiertags den Prof anrufen

Washington D.C - das Weiße Haus

Washington D.C - das Weiße Haus

Die letzten zwei Semester habe ich im Nordosten der USA, in der kleinen Stadt Amherst des Staates Massachusetts verbracht. Amherst mit seiner Uni ist eine relativ alte Stadt, die überschaubar geblieben ist. Sie bietet das übliche Angebot von Kinos und Bars für eine Stadt dieser Größe. Aber durch die hohe Studenten-Quote dreht sich in der Stadt viel um die Uni. Die University of Massachusetts, oder kurz "UMass", entspricht mit rund 25.000 Studenten so ungefähr der Größe meiner Heimatuniversität, der Uni Stuttgart.
 

How are you doing?
 Auch wenn die Studentenzahlen was anderes vermuten lassen, an der UMass fühlt man sich absolut nicht wie an einer Massenuni. Bisher war ich es gewohnt, mehr oder weniger anonym in den Vorlesungen zu sein. Aber hier waren es Vorlesungen, die vom Stil her dem bekannten Schulbetrieb des Gymnasiums ähneln. Die Kurse waren meist von etwa 25-40 Studenten besucht und der Professor registrierte durchaus die Anwesenheit der Studenten, nicht zuletzt dadurch, dass er mündliche Noten vergab. Bemerkenswert ist auch, dass die meisten Professoren schon nach den ersten Vorlesungen die Namen aller Studenten auswendig konnten und man sich auf den Gängen der Unigebäude mit dem in den Staaten üblichen "How are you doing?" gegrüßt hat. So kam in wenigen Wochen ein engeres Verhältnis von Studenten und Professoren zustande, als ich es von drei Jahren Studium in Deutschland gewohnt war.
 

Service großgeschrieben
 An der Uni in Amherst habe ich das Hauptfach "Konstruktionstechnik" mit Vorlesungen und einer Studienarbeit vertieft. An der zur Uni gehörenden Isenberg School of Management habe ich noch ein Nebenfach in Marketing gehört. Da die University of Massachusetts Mitglied im so genannten "Five College" Programm ist, lassen sich auch Kurse an den vier nahe gelegenen und teilweise recht noblen Colleges belegen. An der UMass selbst unternimmt man zurzeit zahlreiche Bemühungen, um die teilweise etwas älteren Unigebäude zu renovieren und ein gutes Klima für das Studieren zu ermöglichen. Die Bibliothek hat ein absolut bemerkenswertes Repertoire an Büchern und wissenschaftlichen Arbeiten. Service wird in allen Bereichen groß geschrieben, man fühlt sich teilweise eher wie ein zahlender Kunde als wie ein Student. Die Bibliothek hatte wie der Computerraum der Engineering School 24/7 geöffnet, also Tag und Nacht. Wenn Hilfe gefragt ist, lässt sich die in vielfältiger Form finden, selbst bei trivialen Problemen.
 

Direkter Draht zum Prof
 Auch die Betreuung der Professoren ist deutlich direkter und persönlicher als ich das aus Deutschland gewohnt war. So bekam ich zum Anfertigen der Studienarbeit einen eigenen Büroplatz an der Uni und war dort mit WLan und unbegrenztem Druckvolumen versorgt. Die Studienarbeit wurde direkt vom Professor betreut, der unter der Woche fast jeden Tag zu erreichen war. Beeindruckend und anspornend waren dann Erlebnisse wie zum Beispiel, dass ich die private Nummer vom Professor für Rückfragen über den Feiertag erhielt oder auch das Angebot sich an einem Samstagmorgen mit dem Professor an der Uni zu treffen, um Ergebnisse zu besprechen.
 

Offenheit und Oberflächlichkeit
 Wie viele andere deutsche Mitstudenten habe auch ich mich nach kurzer Zeit schon mit der amerikanischen Lebensweise vertraut gemacht und auch angefreundet. Einige Klischees über die Amerikaner haben natürliche einen wahren Kern. So ist das Umweltbewusstsein der meisten wirklich niedrig. Es wird viel Energie einfach verschwendet und es wird generell auch viel Müll produziert. Aber vieles ist auch positiv im Vergleich zu den Leuten hier in Deutschland. So sind die Amerikaner generell sehr offen und gesprächsbereit. Kontakte sind sehr schnell hergestellt, allerdings bedeutet das dann meist weniger Interesse am Gegenüber als das in Deutschland der Fall ist. Als erkennbarer Ausländer kommt man sehr schnell mit den unterschiedlichsten Leuten ins Gespräch, sei es an der Kasse, in einer Warteschlange oder and der Uni. Auf das Essen legen die Amis leider nicht besonders viel Wert. Ich hatte das Gefühl, es wird eher als eine Nebensächlichkeit gesehen. Dafür ist es auch sehr bequem, nie auf die Uhr achten zu müssen wenn man einkaufen geht, da die großen Supermärkte jederzeit offen haben.
 

Das unbegrenzte Land
 Von der geographische Lage her fand ich Massachusetts sehr angenehm. Es liegt inmitten der Neuenglandstaaten und hat zahlreiche reizvolle Städte in der näheren Entfernung, zumindest wenn man amerikanische Maßstäbe ansetzt. So lassen sich Boston, New York City, die Niagarafälle, Toronto, Philadelphia und Washington D.C. durchaus an einem Wochenende erreichen, auch wenn diese "Roadtrips" unter dem Semester mit Anstrengungen und müden Wochenanfängen verbunden sind. Auch Detroit und Chicago lassen sich noch mit dem Auto erreichen. Es bieten sich besonders die Semesterferien an, die Weite von Amerika zu erkunden. Es waren gerade diese Tripps, die die zwei Semester zu einem unvergleichlichen Erlebnis haben werden lassen. Und bei der Weite des Landes ist für jeden Geschmack die passende Region mit dabei.
 

Far away und doch heimisch
 Es war auf jeden Fall eine gute Erfahrung, mit so vielen internationalen Studenten zusammen zu kommen und festzustellen, dass man auch im Ausland ganz gut zu Recht kommt. Durch die Reise in die Ferne konnte ich auch meine Heimat aus einer anderen Perspektive sehen. Nach zwei Semestern habe ich mich auf jeden Fall heimisch gefühlt in den Staaten und ich denke gerne an die schöne Zeit zurück.

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