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Lachen, Lügen und Leichtigkeit

Abidjan, Elfenbeinküste, Afrika (Quelle: Wikimedia Commons, Foto: Abdallahh)

Abidjan, Elfenbeinküste, Afrika (Quelle: Wikimedia Commons, Foto: Abdallahh)

Die Elfenbeinküste ist ein sehr spannendes Umfeld. Die UNO-Mission "United Nations Operation in Côte d'Ivoire" (UNOCI) hilft seit dem 27. Februar 2004 den Friedensvertrag an der Elfenbeinküste umzusetzen, der im Januar 2003 unterzeichnet wurde. Es handelt sich dabei um eine internationale Friedenstruppe von etwa 8.000 Soldaten. Sie werden durch eine französische Garnison von 4.000 Soldaten verstärkt werden.
 

Armut mit Skyline

 Abidjan, das wirtschaftliche Zentrum der Elfenbeinküste, ist eine Metropole mit drei Millionen Einwohnern, die sogar eine echte Skyline zu bieten hat. Die Stadt ist tropisch heiß, dreckig und voller Leben. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist unter 20 - bei einer Lebenserwartung von etwa 45 Jahren. Der Großteil der Menschen ist bettelarm. Die Arbeitslosenquote liegt bei ungefähr 40 bis 50 Prozent. Prostitution ist allgegenwärtig. Frauen erledigen den Großteil der Arbeit - daneben müssen sie natürlich kochen, putzen, waschen und die Kinder versorgen.
 

Mülltonnen und Mercedes

 Die Stadt stinkt und Abfälle liegen überall am Straßenrand, denn seit dem Bürgerkrieg ist die Müllentsorgung zusammengebrochen. Oft sieht man Kinder und alte Menschen im Abfall wühlen. Aber Abidjan ist nicht arm. Als Kontrast sieht man überall neue SUVs und blitzende Mercedessterne in den Straßen. Die Elite lebt, wie es scheint, in Saus und Braus. Die vielen Clubs sind voller junger Menschen, den es offensichtlich an nichts fehlt.
 

Uni durch den Erlass des Präsidenten

 Mein Arbeitsort, die International University of Grand Bassam (IUGB), ist aus einer Kooperation zwischen Georgia State University und der Regierung der Elfenbeinküste entstanden. Die IUGB hat ihre Tore im Jahr 2005 geöffnet und wurde am 16. Mai 2007 formell durch einen Erlass des Präsidenten als Universität akkreditiert. Seit kurzem verfügt sie auch über eine Business School, an der ich als Assistenzprofessor für Politische Ökonomie unterrichte. Aber viele Strukturen entstehen erst noch.
 

Wirtschaftskurse in der Armut

 Im Wintersemester 2008/09 habe ich den Kurs "Global Economy" gegeben, im nächsten Semester werde ich die Kurse "Business Ethics", "Globalization and Business Practices" und "Studies in International Entrepreneurship" unterrichten. Ich lehre auf Englisch, aber meine Studenten haben alle einen frankophonen Hintergrund. Außerdem baue ich ein African Entrepreneurship Program auf. Neben mir gibt es noch zwei weiße amerikanische Kolleginnen, die allerdings beide schon seit über 20 Jahre in der Elfenbeinküste leben. Daher war meine Ankunft nicht nur für mich ein Kulturschock, sondern auch für die IUGB. Inzwischen habe ich mich allerdings eingelebt und gehöre zum Inventar.
 

Strom und Internet sind Mangelware

 Die Arbeit hier ist sehr mühsam: Der Strom wird regelmäßig abgestellt - zum Beispiel wenn es regnet. Die Internet- verbindung ist oft sehr schwach oder gestört. Seiten wie youtube.com sind nicht erreichbar. Die Bücher, die für meinen Kurs bestellt wurden, kamen erst nach dessen Ende an und einen Arbeitscomputer musste ich mir erkämpfen, denn ich hatte ja meinen privaten PC mitgebracht - ein Fehler, das offen zu zeigen. Der Projektor funktioniert nicht mehr, Zeitangaben sind grundsätzlich falsch. Aber ich habe mir angewöhnt, das und vieles mehr zu ignorieren.
 

Mit Lebensfreude gegen Malaria und Misstrauen

 Die vielen Schwierigkeiten liegen nicht daran, dass kein Geld vorhanden wäre, sondern eher an mangelnder Organisation, schlechtem Management und dem teilweise fehlenden Verständnis dafür, wie eine gute Universität funktioniert. Trotzdem ist es sehr spannend, und ich habe einige Kollegen, mit denen ich mich hervorragend verstehe. Leben in der Elfenbeinküste ist mit Sicherheit eine großartige Erfahrung. Man lernt sehr viel über die afrikanische Mentalität und die täglichen Probleme, mit denen Menschen hier kämpfen. Malaria, AIDS, der tägliche Überlebenskampf, eine Kultur des Misstrauens und vieler kleiner Lügen werden durch viel Lebensfreude, Lachen, Feiern und Leichtigkeit ausgeglichen.
 

Veränderung braucht Willen

 Die Tatsache, dass vieles nicht funktioniert und die manchmal schockierende Rückständigkeit wird dadurch aufgewogen, dass sich hier oft die Gelegenheit bietet, sich darauf zu besinnen, was wesentlich ist. Das Leben hier stimmt nachdenklich über unsere heutigen Strukturen in der Weltwirtschaft, aber auch den scheinbar fehlenden Willen oder die Energie der politischen Eliten hier, die Situation zu verändern.

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