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Den Rahmen abstecken

Bislang haben wir nur statusrelevante Aspekte von Körpersprache und Stimme betrachtet. Außen vor blieb der Inhalt: Wer sagt wann was zu wem – oder gerade eben nicht? Aus Platzgründen können wir hier nur ein grobes Bild zeichnen. Hochstatus-Sprache zeichnet sich unter Anderem durch folgende Merkmale aus: Sie enthält konkrete, positive Formulierungen und vermeidet Konjunktiv- und Passivkonstruktionen sowie sprachliche Weichmacher ("vielleicht", "eventuell"). Sie steckt – zum Beispiel durch Rückbezug auf Werte – den Rahmen dessen ab, was in einer Situation als gültig erachtet wird oder werden sollte.

Natürlich wird Status auch über Redeanteil und –position bestimmt. Wer ausschweifend eine Geschichte erzählen darf, hat Hochstatus. Wer das erste und – vor allem – das letzte Wort hat, umso mehr. Ein Gesprächspartner im Hochstatus geniert sich nicht, Fragen zu stellen. Wer fragt, der führt die Interaktion – wenn denn geantwortet wird. Ein Mensch im Hochstatus scheut sich deshalb auch nicht, die Antwort zu verweigern, zum Beispiel Angela Merkel: "Diese Frage stellt sich für mich nicht!" Generell gilt: Prozess vor Inhalt. Wer Zeit, Ort und Ablauf der Interaktion bestimmt, hat Oberwasser. Wer diese Rolle nicht innehat, kann, zum Beispiel durch gezieltes Zuspätkommen, versuchen, sie zu erobern.

Hans-Ulrich Schachtner bietet in seinem Buch eine anschauliche Typologie für klassische Hochstatus-Haltungen. Es sind die drei "B’s": Beweger, Bewerter, Bewilliger. Der Beweger gibt – ganz im Sinne des vorigen Absatzes – den Rahmen vor. Er setzt Impulse und lenkt das Geschehen in seinem Sinne. Ist diese Position nicht einnehmbar, so bietet sich die des Bewerters: Dieser definiert Kriterien und erlaubt sich, qualifizierende Äußerungen über die Beiträge anderer zu machen ("Schmidt, Ihr Vorschlag ist gut, weil ..."). Wenn eine derartige Deutung akzeptiert wird, so hat der Bewerter den situativen Hochstatus inne. Ist dies ebenfalls nicht möglich, so bleibt die Position des Bewilligers: Wer nicht bestimmen oder validieren kann, hat immer noch die Möglichkeit, Einverständnis zu signalisieren. Die Botschaft lautet dann: Auch wenn ich nicht bestimmt habe, so läuft doch alles in meinem Sinne.

Der Matthäus-Effekt

Die bewusste Steuerung eigener Statussignale ist ein lohnenswertes Stück Veränderungsarbeit, vor allem für Menschen, die von Natur aus eher im Tiefstatus-Bereich zuhause sind. Hochstatus ist ein typisches Beispiel für den so genannten Matthäus-Effekt. "Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, dass er Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch genommen, was er hat" – Mt 25,29. Hochstatus-Signale auszusenden setzt auf zwei Wegen einen sich selbst verstärkenden Prozess in Gang. Zum einen über die so genannte propriozeptive Rückmeldung. Das heißt, unsere Empfindungen wirken sich nicht nur auf unsere Körpersprache aus; auch der umgekehrte Weg funktioniert. Wir stehen aufrecht, weil wir uns sicher fühlen. Wir fühlen uns aber auch sicher, weil wir aufrecht stehen. Und zum anderen wird eine soziale Feedbackschleife initiiert: Wir senden Hochstatus-Signale, die uns helfen, ein gewünschtes Ziel zu erreichen, was dazu führt, dass wir selbstsicherer werden, was es in Zukunft erleichtert, Hochstatus einzunehmen.

Zum Schluss soll nochmals darauf hingewiesen werden, dass ein hoher situativer Status kein Selbstzweck per se ist. Wenn eine Person dauernd Signale des Hochstatus sendet, wird sie zwar den Respekt der Mitmenschen genießen und ihre Meinung durchsetzen können. Aber sie sollte sich nicht wundern, wenn sie am Ende allein auf weiter Flur steht; die Herzen werden ihr nicht zufliegen.

Als charismatisch empfunden werden jene Menschen, die in der Lage sind, leicht in verschiedene Statuspositionen zu schlüpfen. Tom Schmitt nennt sie "Status-Artisten". Sie passen sich geschickt der jeweiligen Situation an, um ihre Ziele zu erreichen. Mal hilft der große Auftritt (Hochstatus), mal ein wenig Selbstironie (Tiefstatus). Mal gehen sie in Führung (Hochstatus), woanders lassen sie sich führen (Tiefstatus; vorausgesetzt, es geht in die richtige Richtung). Mal hilft eine knackige Anweisung (Hochstatus), anderswo kommen sie mit einer Schmeichelei (Tiefstatus) weiter. In Reinkultur finden wir solche schnellen Statuswechsel zwischen zwei Menschen – einer Choreographie gleichend – bei der Anbahnung der schönsten Nebensache der Welt: einem gelungenen Flirt...

Dieser Artikel erschien zuerst in "ks magazin", Jahrgang 19, Ausgabe Dezember. Weiterführende Literatur: Frans de Waal: Der Affe in uns: warum wir sind, wie wir sind. Hanser, München 2006. Katja Dyckhoff, Thomas Westerhausen: Stimme: Instrument des Erfolgs mit Audio-CD. Walhalla, Regensburg 8 2007. Johannes M. Lehner, Walter O. Ötsch: Jenseits der Hierarchie – Status im beruflichen Alltag aktiv gestalten. Wiley, Weinheim 2006. Hans-Ulrich Schachtner: Frech, aber unwiderstehlich! Der Magische Kommunikations-Stil. Harmony Balance Edition, Agatharied 4 2009. Tom Schmitt, Michael Esser: Status-Spiele – Wie ich in jeder Situation die Oberhand behalte. Scherz, Frankfurt a.M. 2009

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