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Die meisten Sofortrentner werden mit einer dynamischen Rente gut beraten sein, weil sie vor bösen Überraschungen weitgehend geschützt sind. Nur eine Schieflage ihres Versicherers könnte die Ansprüche noch gefährden. Im Fall der Fälle würde die Sicherungseinrichtung der Lebensversicherer einspringen, Protektor. Theoretisch wäre im Krisenfall dann auch die Absenkung eigentlich garantierter Renten denkbar.

"Bei der Auswahl sollten Interessenten sich an den garantierten Werten orientieren", sagt Verbraucherschützer Beutler. Überschüsse können wegfallen. Die in Aussicht gestellten Überschussrenten sollten Versicherte nur als "Best-case-Szenario" betrachten.

Mit 200.000 Euro Einmalzahlung bekäme ein 65-Jähriger bei der Europa Versicherung garantiert 665,78 Euro Sofortrente – ohne Absicherung von Hinterbliebenen. So hätte er sein Geld nach 25 Jahren zurück. Nach Abzug von Steuern könnte es 26 Jahre dauern, also bis 91. Rein statistisch ist die weitere Lebenserwartung mit 65 geringer. Selbst bei einem vergleichsweise guten Rentenangebot bleibt die Sofortrente mit Blick auf die Rendite also eine Wette auf ein langes Leben. In den vergangenen Jahren haben sich die Konditionen immer weiter verschlechtert. 2008 bekamen neu startende Sofortrentner noch locker ein Viertel mehr Rente garantiert als heute.

Wie andere Versicherungen eignet sich eine Sofortrente vor allem, wenn sie als Absicherung nötig ist. Das trifft zu, wenn Ruheständler ihr Basisauskommen – etwa für Wohnen, Essen und Gesundheit – nicht anderweitig gesichert haben. Wer hingegen über eine ordentliche gesetzliche Rente, betriebliche Vorsorge und ausreichende Rücklagen verfügt, der braucht den Schutz nicht. Aus den Rücklagen sollte sich eine verbleibende Rentenlücke selbst bei sehr langem Leben füllen lassen. Die genaue Summe hängt vom Einzelfall ab: Bei 1.000 Euro monatlicher Lücke könnten mit 65 Jahren zum Beispiel 540.000 Euro frei verfügbare Rücklagen reichen – aus ihnen ließe sich die Lücke ohne Verzinsung bis zum Alter von 110 Jahren stopfen. Zinserträge müssten nur die Inflation ausgleichen.

Sicherheitspuffer sind gut. So weist etwa der Versichererverband GDV darauf hin, dass jede Generation fünf Jahre länger lebe als die vorherige. Im Schnitt unterschätzten die Deutschen ihre eigene Lebenserwartung. Selbst bei den 60- bis 69-Jährigen ergab sich in einer Befragung eine Abweichung von über vier Jahren zwischen der eigenen Schätzung und dem statistischen Wert.

In Eigenregie flexibel bleiben

Legen Rentner ihr Geld selbst an, sind sie viel flexibler. So können sie auch die Renditechancen von Aktien nutzen und im längerfristigen Schnitt durchaus fünf Prozent Jahresrendite vor Steuern erzielen. Breit streuende Fonds – zum Beispiel kostengünstige Indexfonds (ETFs) auf einen weltweiten Index wie den MSCI World – eignen sich dafür. Für solche Zwecke stellt die Wirtschafts-Woche regelmäßig eine krisenerprobte und chancenreiche Strategie vor, ein Mischdepot aus je 30 Prozent Aktien und Anleihen, 25 Prozent Gold und 15 Prozent Cash.

Je knapper die Rücklagen sind, desto konservativer muss das Kapital im Ruhestand investiert werden. Denn ein möglicher Kurssturz darf die Versorgung nicht gefährden. Ein Ruheständler mit mehr als dem Doppelten der nötigen Rücklagen, kann daher noch kräftig in Aktien investieren. Selbst bei theoretisch 100 Prozent Aktienquote würde ein 50-Prozent-Kurssturz sein Altersauskommen nicht gefährden. Wer hingegen nur gerade so die nötigen Rücklagen zusammenkratzt, der muss Kursrisiken meiden.

Auszahlpläne von Banken sind dann eine Alternative zur Sofortrente: Das Geld wird hier verzinst angelegt und monatlich ausgezahlt, praktisch ein Sparplan im Rückwärtsgang. Allerdings bieten nur wenige Banken so etwas an. Bei der IKB gibt es Entnahmepläne für bis zu zehn Jahre, zu dann 0,30 Prozent Zins. Bei der BKM Bausparkasse Mainz ist sogar der Abschluss eines Auszahlplans über 30 Jahre möglich, der 1,25 Prozent Zins pro Jahr abwirft.

Eine Einzahlung von 200.000 Euro würde dann reichen, um eine gleich hohe Auszahlung wie die Garantierente der Europa Lebensversicherung 30 Jahre zu finanzieren – also 665,78 Euro beispielsweise vom 65. bis zum 95. Lebensjahr. Nach Abzug von Abgeltungsteuer könnte der Sparer monatlich 635 Euro kassieren. Das wäre sogar etwas mehr als bei der Sofortrente, je nach Steuersatz. Der große Vorteil des Auszahlplans ist ein anderer: Verstirbt der Kunde vor Ablauf der 30 Jahre, bekämen die Erben – anders als bei der Sofortrente – das Restguthaben. Mit 85 wären es knapp 73.000 Euro, mit 90 noch rund 37.000 Euro. Sollte der Kunde allerdings älter als 95 werden, bliebe die Zusatzrente aus. Der Entnahmeplan wäre zu diesem Zeitpunkt beendet, das Guthaben verbraucht. Sowohl IKB als auch BKM Bausparkasse unterliegen der gesetzlichen Einlagensicherung, die bis 100.000 Euro pro Sparer abdeckt, und einer weiteren Absicherung für höhere Einlagen.

Mit Aktien lassen sich höhere Renten finanzieren – aber diese sind nicht vorab verlässlich kalkulierbar. Eine Simulation des Finanzdienstleisters Fairr mit historischen Daten zeigt, dass ein 64-Jähriger, der 200.000 Euro in Aktien weltweit investiert, von 65 bis 95 Jahre im Mittel 1.140 Euro Monatsrente kassieren kann, vor Steuern. Dabei wurde die Börsenentwicklung für alle 30-Jahres-Zeiträume seit dem Jahr 1900 ausgewertet. Im besten Fall wären 2.780 Euro Monatsrente drin gewesen, im schlechtesten Fall rund 600 Euro. Eine zweiprozentige Rentensteigerung zum Inflationsausgleich sowie anfallende Kosten sind einkalkuliert. Das Problem: Die historischen Werte können nicht einfach in die Zukunft übertragen werden. Und kein Ruheständler weiß anfangs, welche Rente er sich gönnen darf.

Sofortrenten bieten mehr Sicherheit. Die allerdings ist teuer erkauft.

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