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Forschung im Labor [© WavebreakMediaMicro - Fotolia.com]

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Naturwissenschaftler und Informatiker kommen kaum noch ohneeinander aus. Was bedeutet das für Ausbildung und Berufseinsteiger?

Brauchen Naturwissenschaftler gute Informatiker?

Ja, mehr denn je! Naturwissenschaftliche Forschung sammelt heute immer größere Datenmengen, die man ohne Algorithmen kaum auswerten kann. Müssen Naturwissenschaftler deshalb künftig Informatik studieren? Oder werden Informatiker die Naturwissenschaftler der Zukunft?

Die Antwort liegt zwischen beiden Extremen: "Informatiker und Naturwissenschaftler müssen lernen, die Sprache des jeweils anderen zu verstehen, und interdisziplinär zusammenarbeiten", sagt Wolfgang Nagel, Leiter des Competence Center for Scalable Data Services, an dem verschiedene Big-Data-Anwendungsbereiche erforscht werden.

Um sich auf die veränderte Forschungsrealität vorzubereiten, können Informatiker zum Beispiel naturwissenschaftliche Nebenfächer wählen. Naturwissenschaftler können an einigen Hochschulen Informatikkurse besuchen. Einige spezialisierte Studiengänge, wie etwa Bioinformatik, werden auch angeboten. "Besonders für die wissenschaftliche Karriere wird es wichtiger, über den Tellerrand des eigenen Fachs hinauszuschauen", sagt Nagel. In jedem Forschungsprojekt muss klar sein, wie man Daten erhebt, mit welchen Methoden man sie auswertet und wo mögliche Fehler auftreten können. "Kritisches Hinterfragen, von der Auswahl der Daten bis zum Forschungsergebnis, bleibt wichtig", betont Nagel, "das ist die Aufgabe der Naturwissenschaftler."

Lohnt es sich, einen Doktor zu machen?

Auf jeden Fall! In keinem Fachbereich schließen so viele eine Promotion an den Master an wie in den Naturwissenschaften. 8.936 bestandene Promotionen registrierte das Statistische Bundesamt im Jahr 2014. Dreimal so viele wie in den Ingenieurwissenschaften. Zwischen den naturwissenschaftlichen Disziplinen gibt es allerdings Unterschiede: Während mehr als 90 Prozent der Chemiker einen Doktortitel draufsetzen, sind es bei den Biologen etwa zwei Drittel. In der Physik liegt die Promotionsquote dazwischen. Das hat das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) bei einer Befragung von Absolventen fünf Jahre nach dem Master oder Diplom herausgefunden. Der Trend zur Promotion setzt sich laut DZHW fort. Die Promotionsquote unter den Informatikern liegt mit 40 Prozent noch deutlich niedriger. Der Trend geht jedoch in Richtung Promotion.

Für Biologen und Physiker ist entscheidend, wo sie arbeiten wollen. "Es gibt interessante Jobs ohne Promotion, zum Beispiel in der Produktion von Biotech- oder Pharmaunternehmen", sagt Carsten Roller, der das Ressort Ausbildung und Karriere beim Biologenverband Vbio leitet. "Man sollte nicht aus Verlegenheit promovieren. Besser ist es, Praxiserfahrung zu sammeln", sagt Roller. Bei den Physikern komme es auf das berufliche Umfeld an, meint Udo Weigelt, der im Vorstand der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) für Industrie, Wirtschaft und Berufsfragen zuständig ist. Arbeiteten Physiker in einer Branche mit vielen Ingenieuren, von denen vergleichsweise wenige promovieren, sei die Promotion kein Muss. In fachfremden Jobs, wie zum Beispiel bei Banken oder Unternehmensberatungen, hätten jedoch die meisten Physiker einen Doktortitel.

Für alle Naturwissenschaftler gilt: In Führungspositionen sind viele Promovierte anzutreffen. Auch beim Gehalt haben Promovierte einen Vorsprung: Gut 9.000 Euro mehr gibt es jährlich im Schnitt für Berufseinsteiger mit einem Doktor in Naturwissenschaften gegenüber den nicht promovierten Kollegen, zeigt eine Auswertung der Datenbank gehalt.de. Nach der Promotion entscheiden sich oft nur wenige dafür, an der Hochschule zu bleiben und in die Lehre oder Forschung zu gehen. Wer sich für die wissenschaftliche Karriere an der Uni entscheidet, muss sich darauf einstellen, dass die Arbeitsverträge meist befristet sind, die Gehälter im Vergleich zur Industrie niedriger sind und die Konkurrenz um Professuren und Fördergelder extrem groß ist.

Soll ich mich möglichst frühzeitig spezialisieren?

Für Naturwissenschaftler und Informatiker ist der Bachelor eine solide Basisausbildung. Vertreter von Berufs- und Fachverbänden raten davon ab, sich früh zu spezialisieren. "Im Master kann man Interessen vertiefen, aber das Studium soll allgemeine Kompetenzen vermitteln", sagt Karin Schmitz, Leiterin des Karriereservice der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Auch Physiker sind als Generalisten in Industrie und Wirtschaft gefragt, sagt Udo Weigelt. "Das Studium ist auf Methoden ausgerichtet, die man in vielen Bereichen einsetzen kann", sagt er. Carsten Roller von Vbio rät, im Bachelor auf eine breit angelegte Ausbildung zu achten. Im Master sieht es jedoch anders aus. Bei über 700 Masterstudiengängen sind nur wenige nicht spezialisiert. Nach dem Bachelor kann man entscheiden, ob man in der Biologie seinen Schwerpunkt auf Tiere oder Pflanzen, Mikroorganismen oder Biochemie legen möchte. Bei anderen Naturwissenschaften ist das deutlich seltener.

Wer sich für Informatik interessiert, kann an manchen Unis schon im Bachelor eine bestimmte Fachrichtung auswählen zum Beispiel als Wirtschafts-, Bio- oder Medizininformatiker. "Auch in diesen Fächern ist es wichtig, dass der Schwerpunkt auf den Kernkompetenzen der Informatik liegt", sagt Peter Liggesmeyer, Präsident der Gesellschaft für Informatik. Er empfiehlt Studenten, sich über Nebenfächer und Wahlbereiche zu spezialisieren, weil Informatiker in vielen verschiedenen Bereichen gebraucht werden.

Es sind auch andere Fähigkeiten gefragt: Englischkenntnisse zum Beispiel, denn fast alle Publikationen erscheinen in dieser Sprache. Für die wissenschaftliche Karriere ist ein Auslandsaufenthalt in den USA oder anderen Ländern üblich, während oder im Anschluss an die Promotion. Daneben sollte man lernen, wie man wissenschaftliche Ergebnisse präsentiert und Vorträge hält, sagt DPG-Experte Udo Weigelt. Carsten Roller von Vbio ist davon überzeugt, dass auch Aufgaben im Ehrenamt sich positiv auf die Berufschancen auswirken können: "Wer eine Sportmannschaft trainiert hat, dem wird eher zugetraut, auch ein Laborteam zu leiten."

© ZEIT Online (Zur Original-Version des Artikels)

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