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Wenn das Studium zur Geldfrage wird

Ein Bündel Dollarscheine in einer Mausefalle [Quelle: freeimages.com, Autor: nusrin]

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In den USA sind Darlehen für Studenten ein wachsendes Problem. Aber nicht alle Hochschulen verlangen horrende Gebühren.

Mark ist ein junger Sänger. Wie viele Musiker in den USA hat er keine feste Anstellung, sondern er jagt von einem Tag auf den anderen mit seiner Tenorstimme jedem Dollar hinterher. "Ich habe meinen Bachelor an einem Konservatorium in New York gemacht", erzählt er. "Und jetzt habe ich mehr als 150.000 Dollar Schulden - und ziemliche Mühe, genug Geld zu verdienen, um das alles zurückzubezahlen."

Mark ist eher die Regel als die Ausnahme. In den USA lässt sich derzeit beobachten, wohin es führt, wenn zu große Teile des Bildungssystems sich über Gebühren finanzieren, ohne durch Stipendien begleitet zu werden.

Studieren ist in den USA teuer. Selbst gut verdienende Familien planen schon, wenn die Kinder noch klein sind, für deren spätere Ausbildung. Denn die Studiengebühren sind langfristig stärker gestiegen als die allgemeinen Lebenshaltungskosten. Und niemand kann sicher sein, dass er ein Stipendium bekommt - und selbst wenn, ob das Geld reicht und ob er diese Vergünstigung das ganze Studium hindurch behalten kann.

Das Volumen aller Studentenkredite in den USA hat 1,2 Billionen Dollar erreicht - damit hat dieser Bereich die Autodarlehen und die Kreditkartenschulden überholt. Davon sind 150 Milliarden Dollar private Darlehen, die meist besonders teuer sind - und deren Anteil wächst noch. Für die staatlich unterstützten Kredite hat US-Präsident Barack Obama im Juni wenigstens die Rückzahlung etwas erleichtert.

Der bekannte Ökonom Mohamed El-Erian hat im Gespräch mit dem Handelsblatt die Studienkredite als Beleg dafür genannt, dass die USA ihre Verschuldungskrise noch nicht gemeistert haben. Denn während die Unternehmen ihre Bilanzen weitgehend saniert, viele private Haushalte Schulden zurückgezahlt und der Staat seine Finanzen wenigstens unter Kontrolle gebracht hat, wächst der Berg an Studentenkrediten weiter. Der Grund dafür ist sehr einfach: Ein Studium halbiert im Durchschnitt das Risiko, arbeitslos zu werden. Deswegen mag niemand darauf verzichten.

Nach den Zahlen des College Board erreichen Studiengebühren einschließlich Unterbringung bei privaten, nichtkommerziellen Universitäten im Schnitt inzwischen gut 40.000 Dollar im Jahr - das sind die typischen Stiftungshochschulen. Öffentliche Unis dagegen verlangen nur rund 18.000 Dollar.

Der Soziologe Paul Attewell von der City University New York weist auch darauf hin, dass es große Unterschiede gibt. "Die meisten Studenten, die bis zum Bachelor eine öffentliche Universität besuchen, sammeln keine hohen Schulden an", sagt er. Bei privaten Hochschulen, die kommerziell arbeiten, sind die Gebühren aber häufig zwei bis dreimal so hoch - und aus diesem Bereich kommen auch viele Beispiele von Studenten mit hohen Kreditsummen. Teuer ist laut Attewell häufig auch das Studium an privaten nichtkommerziellen Hochschulen, die wenig finanzielle Hilfen anbieten. "Wenn die Karrierepläne dieser Studenten nicht aufgehen, haben sie Mühe mit der Rückzahlung der Kredite", sagt er. Ein Grund für die Probleme ist nach Darstellung des Soziologen, dass die Regierungen der US-Bundesstaaten im vergangenen Jahrzehnt ihre Ausgaben pro Kopf für die Universitäten zurückgefahren haben.

Donald Heller von der Michigan University weist in der "Washington Post" darauf hin, dass drei Viertel aller Studenten bis zum Bachelor tragbare Summen an Krediten aufhäufen, er nennt einen Durchschnitt von 29.000 Dollar. In der Finanzkrise seien die Ausfallraten gestiegen, räumt er ein und nennt für diejenigen, die ab 2010 zurückzahlten, eine Rate von knapp 15 Prozent. "Das heißt aber, dass 85 Prozent nicht im Zahlungsverzug sind", setzt er optimistisch hinzu. Nach seiner Auffassung lohnt sich ein Studium: Mit Bachelor liegt die Arbeitslosigkeit bei vier Prozent, mit höherem Abschluss sogar noch niedriger. Dagegen haben 7,5 Prozent der Amerikaner ohne Studium keinen Job. Bei Leuten zwischen 22 und 27 Jahren macht der Bachelor einen noch größeren Unterschied: Mit liegt die Arbeitslosenquote bei sechs Prozent, ohne bei 13 Prozent.

Studentenkredite spielten schon in der Bewegung "Occupy Wall Street" eine Rolle. Der Anthropologe David Graeber, einer der führenden Köpfe der Proteste, wies damals darauf hin, dass viele Studenten in der Finanzkrise ohne Job auf einem hohen Berg von Schulden sitzen geblieben sind. "Diese Leute spielen eine tragende Rolle bei den Protesten", sagte er. "Sie haben genau das gemacht, was man ihnen gesagt hat, waren fleißig und haben studiert - und es hat ihnen nichts eingebracht."

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