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Warum Studenten gute Start-up-Gründer sind

Start-Up, Rakete [Quelle: tempus corporate, Getty Images]

Quelle: tempus corporate, Getty Images

Deutsche Hochschulen unterstützen zunehmend junge Unternehmer. Wer eine gute Idee hat, sollte schon an der Uni ein Start-up aufbauen, raten Experten. Denn Studenten haben als Gründer einen Vorteil.

Immo Traupe hat schon immer gewusst, was er will: "Mein eigener Chef sein", sagt er. Heute ist er 25 Jahre alt, Masterstudent und genau das. Zusammen mit zwei Freunden hat er ein Unternehmen gegründet. Das Metamarket Projekt ist der Grund, warum Traupe aktuell vor allem über einen Termin bei der Bank nachdenkt. Und warum er jeden Samstag und Sonntag acht Stunden vor dem Computer verbringt. Das klingt nicht wie ein Studentenleben, aber seine Professoren freut es, denn Traupe ist an der Universität Lübeck im Studiengang Entrepreneurship in digitalen Technologien eingeschrieben. Er studiert, um Gründer zu sein.

"Mehr und mehr Universitäten entdecken das Thema Gründen für sich, aber bis zu einer durchgängigen Gründerkultur an den deutschen Hochschulen ist es noch ein weiter Weg", sagt Marc Evers, Leiter des Referats Mittelstand, Existenzgründung, Unternehmensnachfolge beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Aktuell gebe es mehr als 100 Gründerlehrstühle an den Hochschulen. Fast jede Universität bietet inzwischen Beratung oder wenigstens Seminare für junge Gründer an. Auch das Studienangebot weitet sich aus. Im Hochschulkompass, einer deutschlandweiten Übersicht der Hochschulrektorenkonferenz zu Studienangeboten, stehen aktuell zehn reguläre Masterstudiengänge mit Entrepreneurship im Titel.

Die Universität Lübeck gründete ihren Studiengang vor knapp zwei Jahren. Genau richtig für Student Traupe, der dort schon seinen Bachelor in Informatik gemacht hatte. Zusammen mit etwa 20 Kommilitonen lernt er nun, wie man einen Businessplan schreibt, Verhandlungen führt und vor allem, wie es andere gemacht haben. Regelmäßig werden erfolgreiche Gründer eingeladen, etwa Daniel Krauss von Flixbus. Damit soll auch der Unternehmergeist gefördert werden, denn gerade an dem fehlt es in Deutschland noch, sagen Beobachter der Start-Up-Szene. "Die Kultur der Sicherheit ist stärker ausgeprägt als die Kultur des Wagemuts", sagt DIHK-Mann Evers.

Unternehmer statt nur "Cocktail-Entrepreneur"

An der Universität Wuppertal, wo der Master Wirtschaftswissenschaft – Entrepreneurship und Innovation angeboten wird, versucht man, bei den Studenten auch die Persönlichkeitsmerkmale zu fördern, die Gründer brauchen: Risikobereitschaft, Unabhängigkeitsstreben, Zuversichtlichkeit und Leistungsorientierung. Dazu kommen Risikoanalysen, Marktforschung, Finanzierungsformate und Technologieentwicklung.

"Wir können nicht erwarten, dass alle Studierenden gründen", sagt Professor Peter Witt, der in diesem Studiengang lehrt. "Uns ist wichtig, dass das Studium auch hilft, einen normalen Job zu finden." Mit dem, was die Studenten gelernt haben, könnten sie anschließend zum Beispiel in der Innovationsabteilung von Unternehmen arbeiten. Sowohl in Wuppertal als auch in Lübeck muss man noch keine Geschäftsidee haben, um in den Studiengang aufgenommen zu werden.

Die hatte auch Immo Traupe nicht, als er mit seinem Master begann. Ein Freund brachte ihn auf die Idee. Gemeinsam wollen sie einen Marktplatz für die digitale Währung Bitcoins aufbauen. Bislang gibt es unterschiedliche Börsen dafür. Ein Handel zwischen ihnen ist schwierig und langwierig. Traupe und seine Freunde wollen das ändern. Das Projekt ist ambitioniert, denn wenn wirklich gehandelt werden soll, brauchen sie die Zustimmung der BaFin, der obersten Finanzaufsicht, und müssen für ihren Vorstand jemanden mit mehrjähriger Bankerfahrung finden. Keiner der studentischen Gründer bringt sie mit. Trotzdem sind sie wild entschlossen, keine "Cocktail-Entrepreneure" zu werden. Also Menschen, die auf Partys über ihre Gründungsideen reden, ohne sie je zu verwirklichen.

"Ich weiß nicht, wie viele Tausend Zeilen Code ich jetzt schon programmiert habe", sagt Traupe. Neben dem Studium muss er auch noch für seinen Lebensunterhalt arbeiten. Aber er sagt: "Ich arbeite gern. Auch nachts um zwölf oder Sonntagmittag. Wenn einem die Arbeit Spaß macht, kann das auch eine Form der Selbstverwirklichung sein." Aus seinem Elternhaus kennt er es nicht anders. Sein Vater ist selbstständiger Landschaftsgärtner, seine Mutter Bildhauerin.

Studenten sind risikobereiter

Es sind stets dieselben Vorteile, die Experten nennen, wenn es um Studenten als Gründer geht. Die Hürde, selbst etwas zu gründen, ist für Studenten niedriger als für Berufstätige, weil sie noch keine Stelle kündigen und kein festes Einkommen aufgeben müssen. Wenn sie scheitern, haben sie weniger zu verlieren: Sie haben kein Haus oder Eigenkapital. Zudem fällt ihnen die Startphase, in der man noch kein oder wenig Geld verdient, leichter, weil sie meist ohnehin noch keinen hohen Lebensstandard haben und keine Familie, die sie ernähren müssen.

"Sie sind risikobereiter. Während des Studiums kann man sich einfach mal ausprobieren", sagt Gunda Opitz, Leiterin des Entrepreneurial Network an der Unternehmer-TUM, dem Zentrum für Innovation und Gründung an der TU München. "Die Studierenden haben oft sehr nutzergetriebene Geschäftsideen. Sie entdecken ein Problem, das sie selber haben, und wollen es lösen", sagt sie. "Es gibt fast keine Gründungsidee, bei der Software und das Internet keine Rolle spielen."

Opitz kennt sich aus. Die TU München hat sich schon der Gründerförderung verschrieben, lange bevor das Thema hip wurde. Die Unternehmer-TUM gibt es bereits seit 2002. Gunda Opitz war von Anfang an dabei. Die Gründungsberatung von Unternehmer-TUM und TU München berät etwa 300 Menschen pro Jahr. Studenten hätten als Gründer einen Vorteil, findet Opitz. Sie können sich an der Hochschule ein Team zusammenstellen. "Ganz entscheidend für den Erfolg ist ein heterogenes Team, das unterschiedliche Kompetenzen abdeckt." Peter Witt von der Universität Wuppertal rät: "Wer eine wirklich gute Idee hat, sollte schon im Studium gründen."

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