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Wie finanziere ich meinen Master?

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BAföG, Jobben, Kredit: Was der Finanzexperte Bernhard Börsel bei Geldproblemen im Masterstudium rät.

Herr Börsel, Sie beschäftigen sich damit, wie Masterstudenten ihr Studium finanzieren. Lohnt sich die Investition in ein zweites Studium überhaupt?

Ob man ein Studium macht oder nicht, sollte man nicht aus rein ökonomischen Gründen erwägen.

Sondern?

Bei der Entscheidung für oder gegen den Master gebe ich den gleichen Tipp wie bei der Wahl des Studienfachs: Mach das, was dir Spaß macht, dann wirst du auch gut darin sein! Wer nur auf das Geld schaut, das er mit einem Abschluss vielleicht mal verdienen wird, der reagiert eher verunsichert, wenn es im Studium mal nicht vorwärtsgeht. Solche Leute könnten auch eher abbrechen. Wer sich hingegen für ein Masterstudium entscheidet, weil er ein konkretes Ziel verfolgt, einen Beruf, den er unbedingt ausüben will, und zwar nicht nur aus finanziellen Erwägungen, dem gelingt das Durchhalten besser. So ein Elan führt übrigens auch zu besseren Studienergebnissen. Erst dann zahlt sich der Master richtig aus.

Vielen Unternehmen reicht der Bachelorabschluss, liest man immer wieder.

Das stimmt. Es gilt zwar nicht für alle Fächer, aber viele Absolventen können sich schon mit einem Bachelorabschluss auf einen Arbeitsplatz bewerben, eigenes Geld verdienen und sich von der Unterstützung durch Eltern und Bafög unabhängig machen. Das kann sehr reizvoll sein. Dennoch schließen drei Viertel der Studenten ein Masterstudium an.

Ist das klug?

Das kommt auf die persönliche Motivation an. Natürlich kann man auch erst mal ein paar Jahre arbeiten und später an die Uni zurückkommen, um noch einen Master draufzusatteln. Vielen fällt es aber schwer, auf ihr Gehalt zu verzichten, wenn sie sich einmal daran gewöhnt haben. Noch schwieriger wird es für alle, die schon eine Familie gegründet haben und sehr genau aufs Geld achten müssen. Wer solche Zwickmühlen vermeiden will, sollte gleich den Master anschließen.

Für die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks haben Sie untersucht, wie viel ein Studium im Durchschnitt kostet. Ist ein Master teurer als ein Bachelor?

Ja, im Schnitt brauchen Masterstudenten für ihren Lebensunterhalt etwas mehr Geld als Bachelorstudenten. Wir haben gezeigt, dass Masterstudenten Einnahmen von 932 Euro im Monat haben. Bachelorstudenten kommen mit durchschnittlich 844 Euro aus.

Wie erklären Sie sich das?

Mit dem Lebensalter steigen die Ansprüche und damit auch die Ausgaben. Masterstudenten geben im Schnitt mehr Geld für Essen, Freizeit und Kultur aus. Dazu kommen Versicherungsbeiträge, die ältere Studenten häufig selbst tragen müssen. Was man aber nicht vergessen darf: Das sind Durchschnittswerte. Die Kosten, die ein einzelner Student hat, können erheblich davon abweichen.

Wie finanziert man das?

Eine Mischkalkulation ist die Regel. Idealerweise unterstützen einen die Eltern, und man verdient zusätzlich Geld in einem Nebenjob. Masterstudenten verdienen im Schnitt 380 Euro pro Monat, das sind 80 Euro mehr als im Bachelor. Sie haben ja auch schon einen Berufsabschluss. Manche bekommen auch noch Bafög oder haben ein Stipendium. Der Vorteil: Bricht unerwartet eine finanzielle Säule weg, bleibt man halbwegs abgesichert und gerät nicht auf einmal in Geldnot.

Was, wenn die Eltern sagen: Herzlichen Glückwunsch zum Bachelor, jetzt musst du dich selbst finanzieren?

Dazu gibt es inzwischen einige Gerichtsurteile. Eltern müssen weiter ihren Kindern Geld geben, wenn der Masterabschluss für den Beruf zwingend erforderlich ist.

Wann ist das der Fall?

Ein gutes Beispiel sind Lehramtsstudenten. Ohne ihren Master werden sie nicht für das Referendariat zugelassen und dürfen nicht an einer Schule unterrichten. Die Eltern von angehenden Lehrern müssen daher für das Masterstudium ihrer Kinder aufkommen.

Worauf sollte man bei der Wahl eines Nebenjobs achten?

Darauf, dass der Job auch wirklich Nebensache bleibt. Wer zu viel arbeitet, läuft Gefahr, die Uni zu vernachlässigen. Im schlimmsten Fall verlängert sich dadurch das Studium – und damit steigen auch die Kosten. Wer länger studiert, muss mehr ausgeben, bekommt im Nebenjob aber kein volles Gehalt.

Wie findet man das richtige Maß zwischen Studium und Job?

Ein 450-Euro-Job lenkt noch am geringsten vom Studium ab. Bei diesen Minijobs zahlt der Arbeitgeber Steuern und Sozialabgaben, gleichzeitig kann man bis zum 25. Lebensjahr in der Familienversicherung bleiben. Werkstudenten haben diesen Vorteil, wenn sie im Semester nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten – unabhängig vom Stundenlohn. Und in den Semesterferien darf man dann so viel arbeiten, wie man will.

Sollten Nebenjobs etwas mit dem Studium zu tun haben?

Idealerweise schon. Wer sein gesamtes Masterstudium lang Regale im Supermarkt einräumt, kann zwar sein Konto aufstocken, aber der eigenen Qualifikation hilft das wenig. So ein Job lohnt sich erst recht nicht, wenn man deswegen länger studieren muss. Wer hingegen einen fachnahen Job hat, verdient Geld und sammelt Arbeitserfahrungen, die ihm später beim Berufseinstieg helfen.

Das BAföG wurde vor einem halben Jahr erhöht. Das ist ja eine gute Nachricht für Studenten in Geldnot.

Einen BAföG-Antrag zu stellen ist attraktiver geworden, ja. Die Einkommensgrenzen der Eltern wurden um sieben Prozent angehoben. Aber: Das wurde bereits im Jahr 2014 beschlossen. Seitdem sind die Mieten deutlich gestiegen und damit auch die Lebenshaltungskosten für Studenten. Insofern wurden mit der letzten Erhöhung vor allem alte Lücken geschlossen.

Bleibt noch ein Studienkredit als Alternative, wenn es finanziell eng wird.

Von Krediten über das ganze Studium hinweg rate ich ab. Man sollte sich nicht zu früh hoch verschulden. Wenn das Geld von den Eltern, aus Jobs oder BAföG gar nicht reicht, kann man über ein Darlehen nachdenken – aber nur als Zusatzbaustein zur restlichen Finanzierung. Zum Beispiel kann es sich in der Abschlussphase lohnen, einen Kredit aufzunehmen. Dann muss man nicht in der stressigen Lernzeit arbeiten, sondern hat genügend Zeit für die letzten Prüfungen.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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