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Wie komme ich an ein Gutachten?

Füller Gold Edel[Quelle: pixabay.com, Autor: jacqueline macou]

Quelle: pixabay.com, jacqueline macou

Professor Christian Schmitz erklärt, wie das Empfehlungsschreiben gut wird.

ZEIT Campus: Herr Schmitz, wie viele Studenten wollen ein Gutachten von Ihnen?

Christian Schmitz: Ich bekomme fast jeden Tag Anfragen. In den Hoch-Zeiten schreibe ich etwa zehn pro Woche.

ZEIT Campus: Wozu brauchen Studenten es?

Schmitz: Häufig für einen Masterplatz, aber auch für Stipendien, für ein Praktikum oder für einen Auslandsaufenthalt. Es ist schon auffällig, dass immer mehr Studenten in immer mehr Situationen ein Gutachten benötigen.

ZEIT Campus: Warum ist das so?

Schmitz: Ein Gutachten zu bekommen stellt für die Studierenden einen Aufwand dar, es ist eine Hürde in einem Bewerbungsprozess. Es kann auch eine Möglichkeit sein, jene Kandidaten auszusortieren, die es nicht ernst meinen oder die sich nicht rechtzeitig über die Zulassungsvoraussetzungen informiert haben.

ZEIT Campus: Wie lange vor der Abgabefrist sollte man sich um ein Gutachten bemühen?

Schmitz: Bei mir sollte man sich mindestens zwei Wochen vorher melden.

ZEIT Campus: Da sind Sie aber in der absoluten Minderheit. Bei vielen Ihrer Kollegen dauert es gerne mal acht bis zehn Wochen.

Schmitz: Zwei Monate vorher gefällt mir natürlich noch besser, damit ist man auf der sicheren Seite. Aber grundsätzlich sind zwei Wochen machbar, wir Dozenten wollen ja helfen. Schwierig wird es nur, wenn jemand erst zwei Tage vorher anrückt. Leider passiert das auch ziemlich oft.

ZEIT Campus: Wie ist ein Gutachten normalerweise aufgebaut?

Schmitz: Meist sind sie ein bis zwei Seiten lang und folgen einer bestimmten Struktur. Aus der Einleitung geht hervor, seit wann und wie gut man den Bewerber kennt. Dann folgen die einzelnen Bewertungskriterien, zum Beispiel Noten in relevanten Fächern, soziales Engagement oder Einschätzungen zur Persönlichkeit. Das Gutachten endet mit einer abschließenden Beurteilung.

ZEIT Campus: Ein positives Gutachten ist für viele Bewerbungen wichtig. Wie kann man sicherstellen, dass es gut ausfällt?

Schmitz: Die Wahl des Gutachters ist dafür schon mal sehr wichtig. Man sollte jemanden auswählen, der einen einschätzen kann. Und das natürlich möglichst positiv. Also würde ich als Student einen Dozenten wählen, bei dem ich schon mehrere Seminare oder Vorlesungen besucht und gute Noten bekommen habe.

ZEIT Campus: Am besten wähle ich also einen Professor, der mich kennt. Wie gut kennen Sie die Studenten, die Sie begutachten?

Schmitz: Da sind wir beim Kernproblem angelangt. Ich arbeite in Bochum an einer sehr großen Uni, zudem ist auch die Nachfrage in meinem Bereich Sales and Marketing sehr hoch. Im ersten Semester sitzen bei großen Veranstaltungen rund 1.300 Studenten. In den höheren Semestern werden es etwas weniger, aber auch dann sind es nicht selten etwa 350 Studenten. Ich kann nicht jeden persönlich kennen, vielleicht kenne ich 20 oder 30 Studenten, aber danach wird es schon eng.

ZEIT Campus: Wie schafft man es, Ihnen im Gedächtnis zu bleiben?

Schmitz: Studentische Hilfskräfte haben Vorteile, weil ich mit ihnen täglich zusammenarbeite. Man kann aber auch durch engagiertes Auftreten und gute Leistungen in Vorlesungen auffallen, beispielsweise durch Wortmeldungen, kritische Fragen oder gute Präsentationen. Es geht ja nicht zwingend darum, dass ich mich an den Namen erinnere. Wenn ich jemanden zumindest vom Gesicht wiedererkenne, dann fällt mir das Schreiben eines Gutachtens gleich viel leichter.

ZEIT Campus: Und was machen Sie, wenn Sie eine Anfrage von jemandem bekommen, der Ihnen völlig unbekannt ist?

Schmitz: Wer ein Gutachten haben will, muss mindestens eine Veranstaltung bei mir besucht und diese mindestens mit einer durchschnittlichen Note bestanden haben. Wenn ich dann ein Gutachten schreibe, versuche ich vorher, mit dem jeweiligen Studenten einen Termin zu machen, um ihn besser kennenzulernen. Wir sprechen dann unter anderem über seinen Werdegang und seine Motivation.

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