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Hilfe für studentische Hilfskräfte

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Viele studentische Beschäftigte klagen über schlechte Arbeitsbedingungen. So manche Uni macht ihnen das Leben schwer. Aber sie stehen sich auch selbst im Weg.

Wieso bekommen wir für die Arbeit an der Uni weniger Geld als bei einem Callcenter?" – "Ich bin sehr zufrieden mit der Arbeitssituation als studentische Hilfskraft an der TU Berlin." – "Die Arbeitsbedingungen werden immer schlechter." Die Ergebnisse einer Befragung der Technischen Universität Berlin unter ihren studentischen Beschäftigten sind so eindeutig uneindeutig, wie es die Situation studentischer Hilfskräfte an deutschen Universitäten ist. Viele sind zufrieden, schätzen den exklusiven Einblick in die Forschungswelt. Andere fühlen sich ausgebeutet, beklagen Überstunden und zu niedrige Löhne. Was viele eint: Die Unis räumen ihnen durchaus gewöhnliche Arbeitnehmerrechte ein, aber nur wenige studentische Hilfskräfte kennen diese auch. Das beginnt sich allerdings zu ändern. Denn an vielen Unis fangen die Hilfskräfte an, sich zu organisieren.

In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel. Seit drei Jahren können Studenten hier einen Vertreter wählen, der ihre Belange nach außen trägt. An der Universität Duisburg-Essen ist die Stelle noch nicht besetzt, aber Felix Groell arbeitet daran, das zu ändern. Der 25 Jahre alte Politikstudent hat sich vor einem Jahr mit anderen studentischen Hilfskräften zu einer Initiative zusammengeschlossen: "Zuerst haben wir uns nur ausgetauscht und dabei gemerkt, dass selbst innerhalb einer Universität die Arbeitsbedingungen total verschieden sind", sagt er. Während studentische Hilfskräfte, die in Forschungsprojekten arbeiten, oft Überstunden leisten müssten, seien Studenten, die in Bibliotheken angestellt waren, meist sehr zufrieden. "Gleichzeitig haben wir uns angeschaut, wie wir im Vergleich mit anderen Universitäten dastehen, und gemerkt, dass unser Stundenlohn von 10 Euro für NRW recht niedrig ist", sagt Groell.

Studentische Hilfskräfte sind das Rückgrat der Universitäten. Allein in Nordrhein-Westfalen arbeiten fast 29.000 Studenten ihren Dozenten zu, bereiten Tutorien vor und suchen Aufsätze in Bibliotheken heraus. Bundesweit waren es laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2015 rund 85.000, wobei diese Zahl sogar noch höher sein dürfte, da einige Bundesländer studentische Hilfskräfte nicht zum Hochschulpersonal zählen. Auch der Begriff studentische Hilfskraft verwirrt: Einige Universitäten nennen alle studentischen Mitarbeiter studentische Hilfskräfte, andere unterscheiden – je nachdem, ob mit oder ohne Abschluss – zwischen studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräften. Wieder andere wie die TU Berlin bezeichnen alle studentischen Mitarbeiter als studentische Beschäftigte und unterscheiden nicht. Unabhängig von der Bezeichnung zeigen Umfragen unter studentischen Beschäftigten aber häufig, dass diese mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden sind. "Die Befragung an der TU Berlin hat gezeigt, dass die studentischen Beschäftigten ihre Arbeit mit gut oder sehr gut bewerten", sagt Christian Heine. Er sitzt seit 2014 im Personalrat der studentischen Beschäftigten an der TU Berlin.

Nicht in Berlin, sondern in Bielefeld studieren Sophia Dunkel und Christian Eidecker. Die 22-Jährigen sind Eltern einer fast zwei Jahre alten Tochter und beide studentische Hilfskräfte: Er arbeitet am Physik-Institut, sie in einem Forschungsprojekt in der Psychologie. Und beide gehören zu jenen, die mit ihren Stellen sehr zufrieden sind. "Ich kann mir meine Zeit selbst einteilen", sagt Eidecker, und seine Freundin ergänzt: "Die Uni ist sehr kinderfreundlich und flexibel." Beide haben nur kurzfristige Verträge, aber das stört sie nicht. "Ich finde das sogar gut", sagt Sophia Dunkel. "Man weiß ja selbst nicht unbedingt, wie sich das eigene Leben weiterentwickelt, und hat Flexibilität."

Für Alexander Herold hingegen sind kurze Vertragslaufzeiten von studentischen Hilfskräften ein Problem. Denn sie sind einer der Hauptgründe, dass er Studenten mitunter nur schwer erreicht. Er engagiert sich in der Hilfskraft-Initiative der Universität Frankfurt. Vergangenes Jahr verhandelte die Initiative über einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte mit der Universitätsleitung - ohne Erfolg, die Verhandlungen wurden abgebrochen. "Seitdem ist das Problembewusstsein unter den Studierenden gestiegen", sagt er. "Aber die Hilfskräfte zu gewinnen ist ein komplexes Problem. Viele haben nur sehr kurze Vertragslaufzeiten, und es ist daher so verlockend, die Situation einfach auszuhalten", sagt Herold.

Dabei räumen viele Universitäten Hilfskräften Rechte ein, die denen der Hochschulangestellten ähneln: Sie haben Urlaubsanspruch, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und können Elterngeld beziehen. Oft aber unterschreiben studentische Hilfskräfte Verträge, ohne genau zu wissen, was drinsteht. Das zeigt eine Befragung der Universität Kassel aus dem Jahr 2012. Fast 40 Prozent der Studenten gab an, eher nicht oder überhaupt nicht über die eigenen Rechte und Pflichten informiert zu sein. Auch bei einer Befragung an der TU Dresden 2014 wussten nur 19,4 Prozent der Befragten, dass sie einen Anspruch auf Urlaub haben. 33,6 Prozent, dachten, sie müssten den Urlaub nacharbeiten, rund 25 Prozent gingen davon aus, dass ihnen kein Urlaub zusteht.

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