von Nikolaus Raab

e-fellow gründet Forschungsnetzwerk

Gemeinsam sind wir klüger

Als Daniel das passende Werkzeug für seine Doktorarbeit fehlte, baute er es sich einfach selbst. In einer Forschungsinitiative der Uni Würzburg schuf er mit Kommilitonen die Internetplattform "scholarz.net". Heute ist er Chef seiner eigenen Firma und will mit seinem Netzwerk für Akademiker das wissenschaftliche Arbeiten revolutionieren.

Die Rubrik "e-fellows als Gründer" ist umgezogen

Akutelle Gründer-Porträts findest du im e-fellows.net blog in der Kategorie "Gründer".

Daniel, scholarz.net, Gründer, Netzwerk (Quelle: e-fellows.net)

e-fellow Daniel Koch (28) promoviert an der Uni Würzburg. 2007 gründete er die Internetplattform "scholarz.net" - eine neue Form der wissenschaftlichen Arbeit und Kooperation. Inzwischen beschäftigt er neun Mitarbeiter und will sein "Werkzeug für Wissensarbeiter" an die Weltspitze bringen.


Wenn Daniel heute sein Projekt vorstellt, dann blickt er in gespannte Gesichter. Nach der Präsentation kommen Menschen auf ihn zu und danken ihm für seine Arbeit. Am Beifall des Publikums erkennt er, dass er auf dem richtigen Weg ist. Doch so einfach war es nicht immer: Niemand klatschte in die Hände, als er vor ein paar Jahren sein Promotionsstipendium aufgab, um sich voll und ganz "scholarz.net" zu widmen - weder sein Doktorvater, noch seine Frau, die im siebten Monat schwanger war. Aber für Daniel war klar: Ganz oder gar nicht!

Unter Büchern begraben

Man muss von der eigenen Idee sehr überzeugt sein, um diesen Schritt zu wagen - oder sehr unzufrieden: Als Daniel mit seiner Doktorarbeit begann, versank er bald in Bergen von Büchern und Dokumenten. Schnell verlor er den Überblick. Die klassische Wissenschaft behilft sich dafür mit Zettelkästen. Doch Daniel wollte nicht wahrhaben, dass es in den Zeiten des Internets keine bessere Lösung gab, als Tausende von Karteikarten in einem großen Schrank zu sammeln. Außerdem wollte er nicht einsam vor sich hinarbeiten, sondern sich mit anderen Forschern auf seinem Gebiet austauschen.

Zettelkasten sucht Freunde

So wurde die Idee geboren: Der Zettelkasten musste digital werden. Und mehr als das - er sollte sich Freunde suchen. In Daniels Institut kontaktieren sich er und seine Kollegen schon länger über Chat-Programme und E-Mail. Entgegen den Vorurteilen sind Wissenschaftler sehr kommunikativ. Forschung ist zum großen Teil Gemeinschaftsarbeit. Wichtige Ergebnisse werden in Zeitschriften veröffentlicht, Spezialisten finden sich in Projektgruppen zusammen, und jede neue These muss sich der Kritik der Fachwelt stellen. Nur das wissenschaftliche Arbeiten selbst war noch immer eine einsame Angelegenheit. Jeder Forscher hortet mit der Zeit seinen eigenen Schatz an Testergebnissen, Tabellen, Exerpten, Zitaten und Aufsätzen. Wäre es nicht produktiver, wenn man bestimmte Daten auch austauschen könnte?

Facebook für Forscher

Daniel nennt sein Projekt "scholarz.net" - ein Netzwerk für Wissenschaftler. Es soll eine Mischung aus Quellendatenbank, Recherchewerkzeug und Facebook für Forscher werden. Schon als er mit Freunden an der Uni Würzburg die ersten Workflows erstellt, wird ihm klar, wie umfangreich "scholarz.net" werden kann. "Da war es wichtig, den Fokus zu behalten. Eins sollte sich logisch aus dem anderen entwickeln. Am Anfang stand eine solide Literaturverwaltung", betont Daniel.

Mit einem Engel im Rücken

Zunächst beantragt er erfolgreich ein Gründerstipendium. Als "scholarz.net" wächst, greift ihm ein Business Angel unter die Arme: Tim Schumacher, der "Entrepreneur 2007" und Chef der Internetfirma Sedo GmbH. "Das Tolle an Tim ist, dass er gerade in den schwierigen Anfangszeiten zu uns hält, noch dazu, wo im Moment viele Startups eingehen", freut sich Daniel. Die Investition in "scholarz.net" soll sich rentieren. Zwar ist das Angebot in der Beta-Phase noch kostenlos. Doch für die Zukunft hat sein Erfinder bereits ein Geschäftsmodell entwickelt: "Wir werden mehrere Varianten anbieten: klassische Lizenzen, Key-Accounts für Universitäten und auch begrenzte Free-Accounts mit der Möglichkeit zur gebührenpflichtigen Freischaltung weiterer Optionen. Auf Werbung werden wir wohl verzichten. Wir setzen eher auf Kooperationen."

Team finden

Ein Projekt wie "scholarz.net" kann man natürlich nicht allein aufbauen. Daniels Mannschaft besteht aus fünf festen und fünf freien Mitarbeitern. "Ein gutes Team zu finden, war die größte Hürde bisher." Daniel spricht aus Erfahrung. Die Entwicklung wurde um ein Dreivierteljahr zurückgeworfen, als sein erstes Team auseinanderbrach: "Ich musste erst lernen, auf was es ankommt. Besonders wichtig ist, dass die Kenntnisse der Mitarbeiter alle grundlegenden Anforderungen an das Projekt abdecken. Für den Erfolg braucht man ein eingespieltes und schlagkräftiges Team. Harmonie und Engagement sind wichtig, sonst übersteht man die schweren Anfangszeiten nicht."

Ganz oder gar nicht

Jetzt, da das Unternehmen an Fahrt gewonnen hat, denkt Daniel über weitere Einstellungen nach. "scholarz.net" wächst: Nun soll eine Business-Variante als Datenbank für interne Firmennetzwerke entstehen. "Das Interesse daran ist groß. Wir haben anfangs nicht mit diesem zweiten Standbein gerechnet", freut sich der Gründer. Und für die Zukunft hat er große Ziele: In einem halben Jahrzehnt soll "scholarz.net" die weltweit führende Plattform für wissenschaftliche Forschung sein. Für Daniel ist klar: Ganz oder gar nicht!

Daniels Unternehmen

  • Unternehmensname: scholarz.net
  • Branche: Online-Netzwerk
  • Produkt: Plattform für wissenschaftliche Forschungen und Projekte
  • Gegründet: 2007
  • Beschäftigte: fünf feste und fünf freie Mitarbeiter
  • Website: scholarz.net

Daniel über sich und sein Unternehmen

Mein Unternehmen habe ich gegründet, weil...
ich eine solche Lösung für meine eigene Arbeit gesucht habe. Als es sie nicht gab, und ich gesehen habe, dass auch viele andere so eine Lösung brauchen, habe ich sie eben selber entwickelt.

Mein Unternehmen ist profitabel, weil...
(ist es noch nicht.) Wird es sein, weil wir Wissenschaftlern und Wissensarbeitern ein geniales Handwerkszeug geben, mit dem sie effizienter und einfacher arbeiten können.

Unternehmer sein liegt mir, denn...
ich liebe es, Dinge zu gestalten, neue Sachen aufzubauen und an Projekten zu arbeiten, die mich begeistern.

Startkapital erhielten wir...
zunächst von "Familiy, Friends and Fools", dann durch das "Exist"-Gründerstipendium und schließlich von unserem Business Angel.

Wenn ich nicht mein Unternehmen leite, dann...
ärgere ich Frau und Sohn (2), lese, engagiere mich im CVJM oder mache Sport (Hockey).

In fünf Jahren...
ist scholarz.net die weltweit führende Arbeits- und Netzwerk-Plattform für Studenten und Wissenschaftler.

Mein Tipp für andere Unternehmensgründer:
Macht es ganz oder gar nicht. Macht es nur, wenn ihr wirklich für eure Idee brennt. Macht es für eure Nutzer, nicht für den schnellen Exit.


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