Die Karrierefrage: Wie mache ich mich unentbehrlich im Beruf?

Autor*innen
Silvia Kücken
Ein Mann hält einen großen Stift auf den Schultern, mit dem er eine Checkliste abhackt. Am Ende ist das Ziel gegenzeichnet.

Wenn Unternehmen Stellen streichen, entscheidet oft weniger die Arbeitsleistung darüber, wer bleibt, sondern wie unverzichtbar jemand in den Augen der Chefs ist. Was Mitarbeiter tun können, um im Fokus zu bleiben.

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Umstrukturierung, Sparmaßnahme, Verschlankung – wenn Unternehmen solche Maßnahmen ankündigen, ahnen viele Mitarbeiter nichts Gutes. Oft bedeuten solche Neuigkeiten Kündigungen, im kleinen oder größeren Stil. Sobald die ersten Kollegen ihren Arbeitsplatz verlieren, fragen sich viele: Bin ich der Nächste? Unsicherheit breitet sich aus.

Welche Arbeitnehmer aus betrieblichen Gründen gehen müssen, entscheidet zunächst der gesetzlich vorgeschriebene Sozialauswahlplan. Häufig trifft es diejenigen, die zuletzt eingestellt wurden, die jüngeren Mitarbeitenden oder solche ohne Familie und damit ohne Unterhaltspflichten. Kommen zwei Personen mit vergleichbaren Voraussetzungen infrage und nur einer von ihnen erhält die Kündigung, bleibt für Außenstehende oft unverständlich, warum die Wahl auf den einen fällt und nicht auf den anderen.

Vielleicht stimmte die Arbeitsqualität nicht immer? Oder der Kollege passt nicht zu 100 Prozent ins Team? Oft spielen auch andere, schwer quantifizierbare Faktoren eine Rolle. Etwa: Wer fällt dem Chef überhaupt auf? Wessen Abgang würde fachlich eine spürbare Lücke hinterlassen? Wer auch bei weichen Kriterien punkten möchte, sollte an seiner Performance arbeiten.

Probleme sehen, Lösungen beisteuern

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die ihre eigene Position im Team stärken wollen, dürfen sich zum Beispiel nicht nur auf ihren eigenen Aufgabenbereich beschränken. Sie sollten auch die großen Herausforderungen des Unternehmens im Blick haben. Egal ob es darum geht, Kosten zu senken, neue Arbeitsmittel einzuführen oder ein neues Geschäftsfeld aufzubauen – Aufmerksamkeit bekommt derjenige, der möglichst konkrete Lösungen anbietet und sich einbringt.

"Versuche, die Probleme deines Chefs zu lösen", lautet der Tipp von Tim Oldiges, Headhunter und Geschäftsführer des Recruitingunternehmens Headgate aus Altenstadt. Die Bereitschaft, Probleme zu sehen und aktiv Lösungen beizusteuern, beschert Mitarbeitern die größte Sichtbarkeit, davon ist Oldiges überzeugt.

Was aber, wenn die Chefin nicht offen herausrückt, wo es Herausforderungen gibt oder was ihre nächsten Pläne sind? Mitarbeiter können das beiläufig durch Gespräche mit ihren Vorgesetzten herausfinden, beispielsweise während eines gemeinsamen Mittagessens, rät Oldiges. Dadurch könne man ein besseres Verständnis entwickeln, wie sich der Markt entwickelt, wie das Geschäftsmodell des eigenen Unternehmens aussieht, es sich vor dem Hintergrund von Technologie, Methoden und Prozessen optimal positionieren kann.

Das hat auch einen weiteren Vorteil: "Je besser ich verstehe, wie meine Firma insgesamt funktioniert, desto gezielter kann ich meine eigene Arbeit ausrichten", sagt Oldiges. Am Ende geht es schließlich immer darum, mit Inhalten zu überzeugen und dem Unternehmen einen echten Mehrwert zu bieten.

Mut zur Selbstvermarktung

Doch gute Leistung und Weitsicht sind nicht alles. Vorgesetzte müssen die Kompetenzen auch wahrnehmen. Vor allem introvertierten Kollegen und Kolleginnen fällt es jedoch nicht leicht, ihr Können innerhalb ihres Teams angemessen nach außen darzustellen. Geschweige denn, dass sie gegenüber ihren Chefs von sich aus potentielle Chancen oder Risiken benennen, die auf das Unternehmen zukommen könnten.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich im Joballtag nicht in den Vordergrund drängen wollen, empfiehlt die Karrierecoachin Nelly Simonov, sich der "eigenen Schatzkiste" bewusst zu werden. "Wenn ich weiß, für welche Erfolge ich stehe und welche Fähigkeiten dafür verantwortlich waren, nehme ich das zuerst für mich selbst an", sagt die Beraterin aus München. In der Folge hat die promovierte Psychologin beobachtet: "Je mehr ich selbst an meine Stärke glaube, umso einfacher wird es, meine Kompetenzen und Erfolge zu kommunizieren." Ihr Ratschlag: eine Liste mit den eigenen Stärken aufzustellen. Einmal schwarz auf weiß niedergeschrieben, lassen sich diese einfacher verinnerlichen – und so gestärkt klappt es auch mit der besseren Außendarstellung.

Lernbereitschaft zeigen

Auf den eigenen Stärken sollte man sich allerdings nicht ausruhen. Die Bereitschaft, sich immerfort in neue Themen einzuarbeiten und neue Fähigkeiten anzueignen, ist ebenfalls wichtig, um sich für das Unternehmen unentbehrlich zu machen. "Ziel sollte es sein, für die Kollegen Anlaufstelle zu sein, sagt Coachin Simonov. Wer als einziger Mitarbeiter im Unternehmen ein bestimmtes relevantes Thema besetzt, festigt seine Stellung als wichtiges Teammitglied.

Dabei können externe Schulungen und Weiterbildungen helfen, aber oftmals reicht es aus, sich online zu informieren: "Wir haben heute eine vollständige Demokratisierung von Wissen. Ich kann mir über Youtube, Podcasts oder offene Lernplattformen kostenlos Wissen aneignen", sagt Headhunter Oldiges. Er ist der Meinung: Die Hürde, sich weiterzubilden, ist oft weniger eine finanzielle als eine mentale. Entscheidend ist, ob man bereit ist, die Zeit zu investieren und die Initiative zu ergreifen.

Und dafür müsse man noch nicht mal einen großen Teil seiner Freizeit opfern, sondern einfach regelmäßig etwas dafür tun. Das mache laut Oldiges einen großen Unterschied: "Das ist wie das Prinzip des Zinseszinses: Wenn ich über viele Jahre hinweg nichts tue, ist das eine Katastrophe. Wenn ich aber jedes Jahr ein bisschen was mache, summiert sich das zu beträchtlichem Wissen."

Wichtig ist dabei die intrinsische Motivation. Beraterin Simonov empfiehlt, sich vor allem mit Inhalten zu beschäftigen, die persönlich interessieren und Spaß machen. Das Aneignen von Wissen fällt so viel leichter: "In diesen Fällen ist es viel einfacher, sich selbst zu motivieren."

KI geschickt nutzen

Doch aufgepasst: Manches technische Wissen kann schnell wieder als überholt gelten, "zum Beispiel, weil sich die zugrunde liegende Technologie verändert", gibt Oldiges zu bedenken.

Das kann gerade in Zeiten von Künstlicher Intelligenz, Automatisierung und rasanten Technologiesprüngen passieren. Großunternehmen wie Amazon und Lufthansa haben schon angekündigt, in den nächsten Jahren mehrere Tausend Stellen zu streichen, weil sie verstärkt auf KI setzen wollen. Die Angst, dass KI auch die eigene Stelle bedrohen könnte, ist nicht unberechtigt. Und dennoch: Für viele Arbeitnehmer steckt darin auch eine echte Chance. "Die gute Nachricht: KI und Roboter übernehmen viele langweilige, unbeliebte Arbeiten", sagt Nelly Simonov. Damit gewinnen Mitarbeiter mehr Zeit, um sich um Aufgaben zu kümmern, die ihnen besser gefallen und mit denen sie sich profilieren können.

Rekrutierungsfachmann Oldiges rät dazu, KI im eigenen Berufsalltag einfach auszuprobieren und mit ihr zu experimentieren: "Nur durch die Anwendung im Alltag, durch ständiges Ausprobieren, auch wenn etwas mal schiefgeht, lerne ich dazu", sagt der Headhunter. Er ist überzeugt: Wer sich ernsthaft damit beschäftigt, wie er mit dem Einsatz von KI besser im Beruf wird, macht sich für seinen Arbeitgeber wertvoller.

Welche KI-Skills du wirklich mitbringen solltest

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