Networking im Studium: Wie Kontakte den Berufseinstieg erleichtern können
- Carlos Arad
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Gute Noten sind wichtig – doch oft öffnen Kontakte die entscheidenden Türen, etwa zu Projekten oder Jobs. Wer schon im Studium anfängt zu netzwerken, bekommt früh Einblicke in die Berufswelt und wird schneller sichtbar. Gastautor Carlos berichtet, wie ihm Gespräche bei Uni-Events, im Werkstudentenjob und auf LinkedIn später konkrete berufliche Chancen eröffnet haben.
Über den Autor
Carlos Arad hat seine Karriere im Investment Banking gestartet und anschließend mehrere Fintechs aufgebaut. Heute arbeitet er als selbstständiger Growth- und SEO-Experte für Unternehmen aus der Finanzbranche.
Ein Gespräch nach einem Uni-Event, ein Kontakt aus dem Coworking Space, eine Nachricht auf LinkedIn – aus einigen dieser Kontakte sind später konkrete Projekte und Kunden entstanden.
Ich habe in Frankfurt Wirtschaftswissenschaften und Mathematik studiert und schon früh gemerkt, wie wertvoll gute Kontakte sein können. Ob im Praktikum, Werkstudierendenjob oder bei Events: Wer sich vernetzt, ist besser informiert und wird schneller wahrgenommen.
Heute bin ich selbstständig und profitiere noch immer von dem Netzwerk, das ich mir im Studium aufgebaut habe.
Warum Netzwerken im Studium wichtig für deine Karriere ist
Networking im Studium bringt dir mehr als nur den nächsten Praktikumsplatz. Du bekommst Einblicke in die Berufswelt und lernst früh, welche Wege es neben dem klassischen Lebenslauf gibt.
Gleichzeitig hilft es dir auch bei Bewerbungen: Wer früh Kontakte knüpft, ist nicht mehr nur ein Lebenslauf auf einem Stapel, sondern jemand, den man kennt und dem man etwas zutraut.
Ich habe das selbst erlebt: Im fünften Semester arbeitete ich als Werkstudent in einer Digitalisierungsberatung in Frankfurt. Das Büro lag in einem großen Coworking Space, in dem regelmäßig Events stattfanden. Ich bin nach der Arbeit häufig noch geblieben, habe Gespräche geführt, Fragen gestellt und zugehört. So habe ich Menschen aus Start-ups, Konzernen und anderen Beratungen kennengelernt. Mit einem von ihnen habe ich mich separat nochmal auf einen Kaffee getroffen. Ein Jahr später, kurz vor meinem Abschluss, meldete er sich wieder bei mir. Sein Start-up suchte gerade jemanden für ein Projekt im Bereich Prozessautomatisierung. Ich musste keine Bewerbung schreiben und kein Bewerbungsgespräch führen. Wir haben telefoniert – und ein paar Tage später habe ich angefangen. Zwei weitere Kontakte aus dieser Zeit sind heute Kund:innen von mir.
Was ich daraus gelernt habe: Networking funktioniert nicht wie eine Bewerbung. Es geht nicht darum, möglichst schnell etwas zu bekommen, sondern Beziehungen aufzubauen und sichtbar zu werden.
Wenn du schon im Studium mit Netzwerken beginnst, hast du einen großen Vorteil: Du baust dir ein Netzwerk auf, bevor du es wirklich brauchst. Und genau dann, wenn du es brauchst, ist es schon da.
Networking im Studium: So knüpfst du wertvolle Kontakte
Als Student:in bist du ständig von potenziellen Kontakten umgeben – du musst sie nur ansprechen.
Dozierende
Viele Professor:innen haben spannende berufliche Stationen hinter sich. Sie sitzen in Beiräten, beraten Unternehmen oder haben selbst gegründet. Wenn dich ein Thema interessiert, stell nach der Veranstaltung eine Frage. Geh in die Sprechstunde – nicht wegen einer Note, sondern aus Interesse. Solche Gespräche öffnen mehr Türen als jedes Bewerbungscoaching.
Ich habe mich das lange nicht getraut. Erst im sechsten Semester bin ich in die Sprechstunde gegangen und habe nach dem Berufsweg meiner Professorin gefragt. Drei Wochen später stellte sie den Kontakt zu einem FinTech-Gründer her – heute ist er Kunde von mir.
Alumni-Events
Viele Universitäten veranstalten regelmäßig Treffen mit ehemaligen Studierenden. Dort berichten Alumni von ihrem Berufsweg und geben Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Geh hin, hör zu und sprich danach gezielt Menschen an, die dich interessieren. Frag nicht direkt nach Jobs, sondern nach Erfahrungen. Wer kluge Fragen stellt, bleibt im Kopf.
Karriere-Events
Auch Karrieremessen oder Unternehmensveranstaltungen an der Uni bieten gute Möglichkeiten für Gespräche. Personalverantwortliche führen dort viele Gespräche. Wenn du Interesse zeigst,
Wenn du schon als Studi Interesse zeigst, dich informierst und vielleicht ein konkretes Projekt aus deinem Studium erwähnst, bleibst du eher in Erinnerung – und hast eine gute Grundlage, um später wieder anzuknüpfen
Unser Tipp
Bei vielen Veranstaltungen von e-fellows.net kannst du dich für Einzelgespräche mit Unternehmen anmelden. Im Gespräch bekommst du Einblick in den Werdegang deines Gegenübers, kannst Fragen zum Arbeitsalltag stellen und dir Feedback zu deinem eigenen Profil holen.
Praktika und Werkstudierendenjobs
Praktika sind nicht nur dafür da, Aufgaben abzuarbeiten. Sprich mit Kolleg:innen – auch in der Mittagspause – oder frag, ob du bei Meetings dabei sein kannst.
Nutz auch Gelegenheiten außerhalb deiner eigentlichen Aufgaben, etwa bei Events im Arbeitsumfeld.
Auch online entstehen viele Kontakte. Entscheidend ist, LinkedIn nicht nur als digitalen Lebenslauf zu nutzen. Vernetz dich mit Menschen aus Bereichen, die dich interessieren. Schreib persönliche Nachrichten und bezieh dich auf konkrete Projekte oder Beiträge. Viele antworten gern, wenn sie merken, dass echtes Interesse dahintersteckt.
Ich habe lange einfach nur mitgelesen. Bis ich mich irgendwann getraut habe, jemanden aus einer Beratung anzuschreiben, bei der ich gerne arbeiten wollte. Ich schrieb: "Ich habe gesehen, dass Sie an Projekt XY mitgearbeitet haben. Ich beschäftige mich gerade im Rahmen eines Uni-Projekts mit einem ähnlichen Thema. Hätten Sie zehn Minuten Zeit für einen kurzen Austausch?" Zwei Stunden später kam die Antwort. Am Ende leitete er mich an jemanden aus einem anderen Team weiter – und ein halbes Jahr später habe ich dort als Werkstudent angefangen.
Networking-Events im Studium: So bereitest du dich richtig vor
Im zweiten Semester bin ich zu einem Event einfach hingegangen, ohne zu wissen, wer dort sein würde oder was mich erwartet. Das Ergebnis: Ich stand eine Stunde herum, hörte mir ein paar Vorträge an – und ging wieder nach Hause. Ich wusste weder, wen ich ansprechen sollte, noch worüber ich sprechen könnte.
Ein Jahr später habe ich es anderes gemacht. Ich habe vorher geschaut, wer als Speaker vor Ort ist, und mir konkrete Fragen überlegt. Nach dem Vortrag bin ich gezielt auf einen Speaker zugegangen. Wir haben uns lange unterhalten – und zwei Wochen später saß ich bei ihm im Büro und arbeitete an einem Projekt mit.
Heute komme ich früh zu solchen Events, bleibe offen und gehe gezielt auf Menschen zu – auch wenn es manchmal Überwindung kostet.
Viele Kontakte wirken im Moment unscheinbar. Rückblickend sind bei mir genau daraus einige der spannendsten beruflichen Chancen entstanden.
5 Tipps für Networking-Events im Studium
Schau dir vorher an, wer kommt
Wenn es eine Teilnehmerliste gibt, nutze sie. Zwei oder drei interessante Gesprächspartner reichen völlig aus.
Überleg dir eine konkrete Frage
Offene Fragen funktionieren am besten, zum Beispiel: "Wie sind Sie in diesen Bereich gekommen?"
Wirf vorher einen Blick auf LinkedIn
So findest du schnell gemeinsame Themen oder Projekte.
Komm etwas früher
Viele Gespräche entstehen schon vor Beginn der Veranstaltung.
Verlass kurz deine Komfortzone
Wenn du mit Freund:innen kommst, löse dich zwischendurch von der Gruppe. Wer allein steht, kommt leichter ins Gespräch.