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"So überlebst du deine Quarterlife Crisis"

Ich kann Adams Erklärung verstehen und frage mich, ob das auch auf mich zutrifft. Während meine Kommilitonen für Praktika nach Mosambik gingen oder sich ins Standesamt trauten, verbrachte ich meine letzten Semester mit meiner Master-Arbeit. Ist das schon FOMO? Ich hatte zwar viele ETCS, aber kaum Zeit, mir über mein Leben nach dem Studium Gedanken zu machen. Die hatte ich erst, als ich mich durch die Stellenanzeigen klickte. Erst da wurde mir klar, welche Optionen sich mir boten – und welche Erwartungen ich eigentlich an meine Zukunft stellte.

Ich fragte mich damals, ob ich überhaupt das Richtige studiert hatte. Was ist mit Familiengründung? Finde ich meine Nische auf dem Arbeitsmarkt? Bekomme ich einen Job, der mich erfüllt? Studien der AOK belegen, dass der größte Stressfaktor von Studenten die Erwartungen sind, die sie an sich selbst stellen.

Zufriedenheit im Job, ein erfülltes Privatleben und finanzielle Sicherheit – wie soll man das als Mittzwanziger leisten, der gerade seinen ersten Kontakt mit der echten Arbeitswelt aufbaut? Die Quarterlife Crisis gilt zwar nicht als psychologisches Krankheitsbild. Aber ich denke, sie umschreibt die schwierige Übergangsphase der Hochschulabsolventen ins Berufsleben.

"So überlebst du deine Quarterlife Crisis"

Heute gibt es mehr Wohlfühl-Ratgeber gegen die Quarterlife Crisis als wissenschaftliche Studien. Ich finde auf Anhieb zehn Tipps, wie ich meine Quarterlife Crisis "überlebe": Ich soll mir zum Beispiel einen Kalender zulegen, um mein Leben im Griff zu behalten, zu mir selbst nicht so hart sein und mit meinen Freunden Eis essen gehen. Na danke. Ich suche weiter.

Zurück auf YouTube höre ich wieder Adams TED Talk zu: Er war ein klassischer High Potential, auf bestem Wege in die Führungsebene, als er mit 28 merkt, dass er unglücklich ist. "Jeder hasst seinen Job. Deal with it", rät ihm sein Mitbewohner. Damit fand sich Adam aber nicht ab. Stattdessen schmiss er alles hin. Er zog nach San Francisco und erfüllte sich seinen Traum, Autor zu werden. Adam hat sein Leben in die Hand genommen und wurde glücklich.

Wenn ich als Quarterlife-Crisis-Kandidat wieder glücklich werden will, muss ich also entweder mein Leben radikal umwerfen oder mit meinen Freunden Eis essen gehen? Ich finde mich in keinem dieser Extreme wieder.

"Eine Krise ist immer ein Wendepunkt", sagt mir Frank Hofmann am Telefon. Das klingt in meinen Ohren sehr positiv. "Es ist jetzt wichtig, dass du begreifst, was du im Leben erreichen willst. Erarbeite dir Lebensziele und überlege, was du konkret tun kannst, um diesen näher zu kommen. Vor allem: Tu etwas, und verliere dich nicht zu sehr in deinen Gedanken."

Laut der britischen Studie dauert eine Quarterlife Crisis in der Regel zwei Jahre. In dieser Zeit können wir Weichen neu stellen oder alte Muster hinterfragen. Vielleicht nehme ich mir diese Zeit auch nur, um für einen Sommer mal Grashüpfer zu sein.

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Kommentar (1)

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  1. Romina Hart

    Toller Bericht Max und schön, dass du dich auf dieser Plattform dem Thema Quarterlife Crisis zuwendest. Mir persönlich hat es in meiner Quarterlifekrise zuerst einmal geholfen, dass ich selbst akzeptiere, dass ich in einer bin und dass ich mir den Raum nehmen darf, um herauszufinden was ich wirklich will und ändern möchte. In meinem Fall hat mir eine berufliche Auszeit -Sabbatical- sehr viel gebracht. Ich bin sicher, dass je nach Intensität der Krise auch schon bewusste kleine Auszeiten und Zeit mit sich selbst für Reflektionen etwas bringen können. Als Coach für Quarterlifethemen entwickle ich gerade einen Leitfaden mit Reflektionsfragen und Tools, die betroffene im ersten Step unterstützen sollen. Wünsche dir weiterhin viel Erfolg für deinen Weg, Romina Hart

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