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Der Bachelor alleine reicht nicht

Wer allein nicht weiterweiß, kann sich im Forum austauschen oder mit Tutoren chatten oder telefonieren. Ein enormer Aufwand der Hochschulen, alles für das Ziel, dass mehr Studenten eine bewusste Entscheidung treffen und dann auch bei ihrem Studium bleiben. Alle deutschen Physikfakultäten unterstützen den Brücken-Kurs, der seit März dieses Jahres online ist. Schließlich handelt es sich um ein bundesweites Problem und die Physikbachelorstudiengänge sind unabhängig vom Standort inhaltlich weitgehend identisch. "Dass es nicht sinnvoll ist, Studiengänge an Trends aus der Wirtschaft auszurichten, hat man am Aufschwung und Absturz der Solarindustrie gesehen", sagt Georg Düchs von der DPG. Stattdessen sei eine möglichst breite Ausbildung wichtig. Ein weiterer Vorteil sei, dass die Physikbachelor für den Master an jede beliebige Uni wechseln können. Tatsächlich ist diese Mobilität wichtig, denn im forschungsintensiven Physikmaster setzen die Unis ganz verschiedene Schwerpunkte. Die Uni Duisburg-Essen zum Beispiel, die in den Kriterien, die im Ranking abgebildet sind, jeweils in der Spitzengruppe abschneidet, bietet etwa die Forschungsbereiche Oberflächenphysik und Nanostrukturen an. Die Uni Greifswald setzt eher auf Plasmaphysik.

Mit dem Bachelor allein wagt sich kaum jemand auf den Arbeitsmarkt. "Charakteristisch für das Fach ist es, direkt einen Master anzuhängen", sagt Düchs. Wer sich am Anfang durchbeißt, der bleibt auch dabei. "Die Erfolgsquoten im früheren Hauptstudium und im Master liegen bei rund 95 Prozent", sagt Düchs. Er sorgt sich, dass die hohen Abbrecherquoten interessierten Abiturienten ein falsches Bild vom Physikstudium vermitteln: "Die offiziellen Zahlen verzerren die Wirklichkeit."

Wie die DPG ermittelt hat, fangen viele der späteren Abbrecher gar nicht erst an zu studieren. Es sind Phantomstudenten, die ein Semesterticket und den Studentenstatus abgreifen, aber keine Gleichungen lösen wollen. In der DPG-Stichprobe von rund 4.700 neu eingeschriebenen Physikstudenten im Wintersemester 2013/14 erschienen nur 69 Prozent überhaupt zu einer Veranstaltung. Für die DPG ein Hinweis, dass das Studium nicht so schwer ist, wie es die Abbruchzahlen glauben machen.

Exakte Zahlen, wer warum das Physikstudium ohne Abschluss beendet, gibt es aber nicht. Es bleibt, ganz unwissenschaftlich, nur das diffuse Gefühl, dass es doch einige sind. KFP-Sprecher René Matzdorf, selbst Professor für Oberflächenphysik an der Uni Kassel, sagt: "Über den Daumen gepeilt, bricht wohl jeder Zweite das Physikstudium tatsächlich bewusst ab."

Ob der neue Kurs daran etwas ändert, kann wohl erst in ein paar Jahren ausgewertet werden. Was er aber ganz sicher vermag, ist das Mathe-Missverständnis zu beenden.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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