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Erwartungen an die eigene Auszeit formulieren

Apropos Kollegen: Wer dem Vorgesetzten bereits Ideen liefert, wer aus dem Betrieb bei Bedarf während der Abwesenheit einspringen könnte oder Kandidaten für eine externe Vertretung präsentieren kann, erhöht seine Chancen auf das Sabbatical ebenfalls. "Man kann die angedachten Kollegen sogar vorab fragen, ob sie sich die Vertretung vorstellen könnten", rät Oder, "allerdings nur, wenn ein großes Vertrauensverhältnis besteht."

Für 18 Monate in Vollzeit

Bei einer Vertretung, die noch eingearbeitet werden muss, ist es zudem geschickt, anzubieten, eine Übergangsphase zu organisieren und die Einarbeitung selbst zu übernehmen. Auch was die Eckpunkte der Auszeit betrifft, ist eine gewisse Flexibilität angeraten. "Natürlich möchte man nach Möglichkeit all seine Vorstellungen durchsetzen. Bevor das Sabbatical aber daran scheitert, dass man nur vier anstatt der gewünschten sechs Monate freigestellt wird, oder daran, dass man nicht bereit ist, einen Monat früher oder später in die Auszeit zu starten, sollte man sich gut überlegen, ob man nicht doch einen gewissen persönlichen Spielraum hat."

Auch der finanzielle Spielraum sollte vor Antritt der Auszeit sorgfältig ausgelotet werden. In der Regel gibt es zwei Varianten: Ein Teilzeitmodell oder eine unbezahlte Freistellung. "Letztere sollte man sich wirklich genau überlegen. Denn nach vier Wochen ohne Gehalt müssen die Kosten für die Kranken-, Pflege-, Sozial- oder Arbeitslosenversicherung privat bezahlt werden. Dafür werden Rücklagen gebraucht, das muss man vorab genau durchrechnen, ob man sich das leisten kann", sagt Oder. "Für Menschen mit einem gewissen Sicherheitsbedürfnis kann es zudem belastend sein, einen längeren Zeitraum ohne regelmäßiges Einkommen auszukommen." Dann bietet sich ein Teilzeitmodell an, wie es auch oft ältere Arbeitnehmer in Anspruch nehmen, die früher aufhören möchten zu arbeiten, dafür auf einen Teil ihres Gehalts verzichten, gleichzeitig aber noch bis zum ursprünglich anvisierten Renten- oder Pensionseintritt Gehalt beziehen wollen.

Ingenieur Schröder beispielsweise arbeitet seit April dieses Jahres für die kommenden 18 Monate in Vollzeit, bezieht aber nur 75 Prozent seines regulären Gehalts. Dafür werden ihm aber auch während seines sechs Monate langen Sabbaticals drei Viertel seiner Bezüge überwiesen. Um diese gewünschte Freistellungsphase zu erreichen, musste er zuvor in der sogenannten Ansparphase 18 Monate in Vollzeit gearbeitet haben und 100 Prozent seines Gehalts beziehen. "Ein Teilzeitmodell mit Lohnfortzahlung braucht immer eine gewisse Vorlaufzeit, man muss sich seine Auszeit und die Fortzahlung des Gehalts ja erst einmal im wahrsten Sinne des Wortes erarbeiten", sagt Sabbatical-Coach Oder. Bei Teilzeitmodellen sind etliche Varianten möglich, sie müssen aber natürlich genau abgesprochen werden. Wie genau eine Teilzeit gestaltet wird, lässt sich laut Oder in der Regel mit dem Arbeitgeber individuell klären.

Erwartungen an die eigene Auszeit formulieren

Neben den grundlegenden Überlegungen zu Sabbaticals gibt es auch andere Aspekte zu beachten. Die Frage, warum man sich die Auszeit wünscht und welchen Zweck man damit verfolgt: "Eine Weiterbildung oder eine neue Sprache zu lernen sind beispielsweise sehr gute Ansinnen, da sie ja in der Regel auch dem Unternehmen später einen Mehrwert bieten", nennt Oder als Beispiele. Mit Blick auf steigende Burnout-Zahlen in der Arbeitswelt können die Ansinnen, sich in der Auszeit viel Ruhe zu gönnen und sich um seine Gesundheit zu kümmern, ebenfalls stichhaltige Argumente für ein Sabbatical sein. Aber auch der Wunsch, neue Erfahrungen zu sammeln und den persönlichen Horizont zu erweitern, etwa mit einer Reise durch ein noch unbekanntes Land und dem Kennenlernen neuer Kulturen oder einem sozialen Engagement sind nachvollziehbare Gründe.

"Je genauer man sich Gedanken darüber macht, was eigentlich das Ziel der Auszeit sein soll, desto emotionaler, begeisterter und somit überzeugender wirkt man meiner Erfahrung nach auch auf sein Gegenüber", lautet der Rat der Expertin. Und die Chance, dass der Wunsch auf die Auszeit in Erfüllung geht, erhöht sich deutlich. "Wenn ein passionierter Radfahrer mit einem Leuchten in den Augen von seinen Plänen einer Südamerika-Tour erzählt und das auch noch seine Hochzeitsreise werden soll, dann wirkt das natürlich authentischer als ein Kollege, der einfach mal freihaben möchte und gar nicht genau weiß, was er in dieser Zeit eigentlich machen wird", sagt Oder.

Bei allen organisatorischen Überlegungen zählt für sie bei der Planung einer beruflichen Auszeit als wichtigster Punkt: Was erhoffe ich mir ganz persönlich von meiner Auszeit? Sie stellt ihren Klienten deshalb immer die Frage: Als welcher Mensch möchten Sie nach dem Sabbatical wieder zurückkommen? Aus ihrer Sicht kann das durchaus eine berufliche Neuorientierung sein, wenn man im vorherigen Arbeitsverhältnis unzufrieden oder unglücklich war. Sie erinnert sich aber auch an Klienten, die ohne ein klares Ziel in ihre Auszeit gestartet sind und dann vor allem viel Zeit mit der Familie und Freunden verbracht haben. "Das kann ein ganz wichtiges Anliegen eines Sabbaticals sein", betont Oder. Damit nicht genug. Manchmal habe sie gehört, dass die freiwillige Auszeit sehr schön, aber sehr anstrengend war. Also nicht das, was man sich vorgestellt hat. Flops bleiben einem auch hier nicht erspart.

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