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Wenn Leistungsorientierung zum Problem wird

Arbeitsplatz Schreibtisch Motivation Do More [Quelle: Unsplash.com, Autor: Carl Heyerdahl]

Quelle: Unsplash.com, Carl Heyerdahl

Best never rest – dieses Motto schrieb sich die Nationalelf zur Fußball-WM auf die Fahnen. Ein guter Leitsatz für Erfolgshungrige? Unternehmensberaterin und Coach Karoline Klanner ist skeptisch. Im Interview mit e-fellows.net verrät sie, warum Erholung für den Erfolg mindestens genauso wichtig ist wie Leistungsbereitschaft.

Frau Klanner, wann wird Leistungsbezogenheit zum Problem?

Leistungsbezogenheit an und für sich ist kein Problem: Etwas erreichen zu wollen, treibt an und motiviert. Zum Problem beziehungsweise Thema wird Leistungsbezogenheit erst, wenn die eigenen Ansprüche sich verselbstständigen, also fortbestehen oder sich sogar steigern, obwohl der Körper eindeutige Signale schickt, dass es zu viel ist.

Woran erkenne ich, dass ich gerade an den Grenzen meiner Belastbarkeit angekommen bin?

Gerade Menschen mit sehr starker Leistungsorientierung neigen dazu, die Signale ihres Körpers lange zu ignorieren oder klein zu reden. Frühwarnzeichen wie Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, Lustlosigkeit, Schlafprobleme oder Grübeln schieben viele Hochleister beiseite. Aber es lohnt sich, sie als echtes Signal zu verstehen.

Kann man es sich heute noch leisten, einfach abzuschalten, ohne abgehängt zu werden?

Die Idee, abgehängt zu werden, nur weil man eine Pause einlegt, beruht selbst schon auf dem Prinzip einer übersteigerten Leistungsorientierung. Aus dem Sport ist bekannt, dass Hochleistung nur erbracht werden kann, wenn auch entsprechende Erholungsphasen eingelegt werden. Fallen diese aus, nimmt die Leistungsfähigkeit sogar ab. Das gleiche Prinzip lässt sich auf die Psyche und auf Arbeitsüberlastung anwenden: Auch unser Geist braucht immer wieder Erholungsphasen. Daher ist es vielmehr so, dass Entspannung Voraussetzung für Leistungsorientierung ist.

Aber funktioniert nicht die ganze Wirtschaft nach dem Prinzip "Höher, schneller, weiter"?

Ja und nein – wir erleben beides in Unternehmen. Das ewige Weiterrennen ist durch den Wachstumsdruck an vielen Stellen tatsächlich Teil unseres Systems geworden. Es gibt aber Bewegungen und Unternehmen, die den Wachstumsdruck in Frage stellen – was uns als Coaches sehr begeistert –, aber das hat noch nicht die breite Masse erreicht.

Trotz der Wachstumserwartungen finden wir aber auch in klassischen Unternehmen und Konzernen Führungskräfte und Teams, die extrem gute Leistung bringen und den Bogen dennoch nicht überspannen. Sie setzen Grenzen, priorisieren Themen und legen viel Wert auf Wirksamkeit und nicht nur Geschwindigkeit. Andererseits gibt es natürlich auch Führungskräfte und Teams, die aus Angst davor, abgehängt zu werden, im Hamsterrad gefangen sind. Häufig stehen dann Geschwindigkeit, Quantität oder Perfektionismus vor Wirksamkeit, was der Leistung schadet. Entscheidend ist also, wie ich mit den hohen Leistungserwartungen von außen umgehe.

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