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Resilienz – gescheiter scheitern

Resilienz: Auch an Krisen kann man wachsen [Quelle: flickr.com, Autor: vboeckli]

Quelle: flickr.com, vboeckli

An Krisen wachsen statt in Selbstmitleid und Ohnmacht zu versinken: Wer würde das nicht gern können? Coach Brigitta Ernst verrät, wie du aus deinen Misserfolgen lernst und Schritt für Schritt Resilienz aufbaust, um Krisen gut zu überstehen.

Im Studium rasselst du trotz gründlicher Vorbereitung durch eine Klausur, als Absolvent klappt es bei der Jobsuche nicht auf Anhieb, im Berufsleben scheiterst du an der Work-Life-Balance. Oder es kommt noch schlimmer, du wirst krank oder verlierst einen Menschen, der dir nahestand. Größere oder kleinere Krisen und Schicksalsschläge wie diese tun sich im Leben immer wieder auf. Doch während manche Menschen an ihnen verzweifeln, gar zerbrechen, scheinen andere aus jedem Negativereignis neue Kraft zu schöpfen. Wie funktioniert das? Und vor allem: Kannst du das lernen?

Resilienz: Vorbild Hochseilartist

Stell dir einen Hochseilartisten vor, der über einer tiefen Schlucht auf einem dünnen Seil balanciert. Er macht seinen Job gut, und dennoch passiert etwas Unvorhergesehenes. Er tritt ungeschickt auf, rutscht leicht ab, kann aber glücklicherweise die Balance wiederfinden.

Instinktiv hat dieser Hochseilartist vier Dinge richtiggemacht, anstatt sich von seinem Fehler "aus der Bahn" werfen zu lassen. Er hat den Fehler wahrgenommen, ausgeglichen, aus ihm gelernt, und ist einfach weitergelaufen. Diese Reaktion des Hochseilartisten hilft prinzipiell bei jeglicher Art von Rückschlägen – und auch du kannst lernen, so zu reagieren. Wenn du dich also fragst, wie es kommt, dass manche Menschen echte Lebenskrisen oder schwere persönliche Rückschläge besser meistern als andere, dann lautet die Antwort: Weil sie Resilienz entwickelt haben.

Was ist Resilienz?

Resilienz bezeichnet die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen; die Fähigkeit, sich in noch so widrigen Situationen wie ein Stehaufmännchen immer wieder aufzurappeln; die mächtige Kompetenz, aus Fehlern und Krisen zu lernen, statt sich von ihnen unterkriegen zu lassen. Das Gegenteil davon wird oft als "Vulnerabilität", Verletzlichkeit oder auch manchmal als Hochsensibilität bezeichnet. Der Begriff Resilienz und die dazugehörige Resilienzforschung entwickelten sich in den 1970er Jahren. Zu dieser Zeit wurden zunehmend die Risikoeinflüsse auf die Entwicklung von Kindern untersucht.

Eine resiliente Reaktion lässt sich in vier Momente unterteilen:

  • Akzeptanz der veränderten Realität 
  • Ausbalancieren, also das Sich-Anpassen an die neuen Umstände
  • Lernen aus Vergangenem
  • Weitermachen

Was beeinflusst die Resilienz?

Es gibt einige Faktoren, die beeinflussen, wie resilient ein Mensch ist. Diese Faktoren lassen sich in drei Teilbereiche einordnen: persönliche Faktoren, Umwelteinflüsse sowie Prozessfaktoren.

Persönliche Faktoren sind zum Beispiel:

  • Erziehung
  • Intelligenz
  • Religion
  • Emotionalität
  • Toleranz
  • Überzeugungen

Umwelteinflüsse sind zum Beispiel:

  • Familienzusammenhalt
  • Soziales Netzwerk, Freundschaften
  • Berufliches/schulisches Umfeld

Prozessfaktoren sind zum Beispiel:

  • Perspektiven(-wechsel)
  • Akzeptanz
  • Problemlösungsorientierung
  • Ausgeglichenheit

Was sind Resilienzfaktoren?

In der Psychologie ist oft von den "Sieben Säulen der Resilienz" die Rede. Diese sieben Resilienzfaktoren beeinflussen, wie widerstandsfähig ein Mensch ist und wie gut er mit Krisen umgehen kann. Je ausgeprägter die Resilienzfaktoren, desto größer ist die Widerstandskraft, wenn es einmal nicht rund läuft.

Diese grundlegenden Verhaltensweisen und Einstellungen können helfen, mehr Resilienz zu entwickeln:

  • Optimismus: Glaub an dich und deine Fähigkeiten.
  • Akzeptanz: Akzeptiere, dass es gerade nicht so gut läuft.
  • Lösungsorientierung: Such eine Lösung für deine Krise.
  • Opferrolle verlassen: Setz dich aktiv mit deiner Situation auseinander und gib nicht anderen Menschen oder Umständen die Schuld.
  • Verantwortungsbewusstsein: Übernimm Verantwortung für dich und deine Taten.
  • Soziales Netzwerk: Bau ein soziales Netzwerk auf und erweitere es.
  • Zukunftsorientierung: Definiere für dich realistische Ziele.

Welche Bedeutung hat Resilienz im beruflichen Umfeld und bei Projekten?

Nicht nur im Privatleben bietet ein gesundes Level an Resilienz zahlreiche Vorteile. Auch während des Studiums und im Berufsalltag kommt es immer wieder zu Krisen, mit denen es umzugehen gilt. Resilienz kann beispielsweise hilfreich sein, wenn es gilt, sich an neue Gegebenheiten anzupassen und/oder mit einem schnelllebigen Berufsleben und steigenden Stresspegeln umzugehen. Resiliente Menschen sind im Beruf gelassener und können flexibel auf persönliche Krisen reagieren, zum Beispiel auf eine Kündigung oder Mobbing. Oft gehen diese Menschen gestärkt aus einer Krise hervor. Wer an seiner Resilienz arbeitet, fühlt sich zudem nicht nur zufriedener und weniger angreifbar, er profitiert auch von positiven Auswirkungen auf seine Gesundheit. Resiliente Menschen beugen zum Beispiel einem eventuellen Burn-out vor und sind weniger gestresst, wovon wiederum Blutdruck, Blutfettwerte etc. profitieren.

Was stärkt die Resilienz: Zehn Tipps für mehr Resilienz

Die Fähigkeit, in Krisensituationen ein solches Reaktionsmuster abzurufen, ist nicht jedem in die Wiege gelegt. Oft stehen tief verankerte Denkmuster, Glaubenssätze oder Ansprüche an sich selbst einer resilienten Antwort im Weg. Diese gilt es zu überwinden. Denn auch wenn Resilienz schon in der Kindheit oder frühen Jugend erlernt wird: Im Erwachsenenalter ist es noch nicht zu spät, daran zu arbeiten, zum Beispiel durch gezieltes Resilienz-Training. Wenn es alleine nicht klappt, kann auch ein Psychologe weiterhelfen. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn es aufgrund eines früheren Traumas an Resilienz mangelt.

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