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Entspannung [Quelle: freeimages.com, Autor: lusi]

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Nach dem Berufseinstieg verändern sich die Jobwünsche und Vorstellungen aus der Uni-Zeit.

Als Student freut man sich darauf, endlich eigenes Geld zu verdienen und zu zeigen, was man in all den Jahren gelernt hat. Nach ein paar Monaten oder Jahren im Job aber hat sich so einiges verändert.

Was genau, zeigt eine Studie des Autozulieferers Continental, der rund 1.000 angehende Ingenieure, Natur- und Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland und ebenso viele Absolventen im eigenen Konzern nach ihren Prioritäten im Job, ihren Wünschen für die berufliche Zukunft und ihren Gehaltsvorstellungen gefragt hat. Das Ergebnis aus dem Vergleich, der am Mittwoch vorgestellt wird, zeigt in vielem deutliche Abweichungen.

"Einen solch tiefen Einblick gab es bisher nicht", sagt Ariane Reinhart, seit dem Frühjahr Continentals Personalvorständin. Für Unternehmen wird es immer wichtiger zu wissen, welche Wünsche die Studenten haben, da die Firmen in einigen Bereichen schon Mühe haben, Nachwuchs zu finden, und viel stärker als früher Zugeständnisse an die junge Generation machen müssen."Wir haben im Moment einen Personalmarkt, der eindeutig für die Studierenden spricht", sagt Jutta Rump, Professorin für Personalmanagement an der Fachhochschule Ludwigshafen.

Steht bei den Studenten beispielsweise eine Arbeit, die Spaß macht, an erster Stelle, so ist es bei denjenigen, die schon wenige Jahre im Job sind, die Balance zwischen Beruf und Privatleben. Zu Studienzeiten steht diese noch an zweiter Stelle.

Die gute Bezahlung, die vielen im Studium noch wichtig ist, taucht bei den Berufseinsteigern nicht mehr unter den Top 3 auf. Ihnen ist die inhaltliche Herausforderung im Job wichtiger. "Das Spiegelbild eines Unternehmens ist dessen gutes Produkt", nennt Jutta Rump einen wesentlichen Punkt, weshalb sich Berufseinsteiger für oder gegen ein Unternehmen entscheiden.

Dass ihnen Geld egal ist, wie viele Aussagen zur Generation Y – den zwischen 1980 und 1995 Geborenen – postulieren, stimmt so pauschal also nicht. Bei den Männern im Conti-Konzern steht die Frage nach dem Gehalt weiterhin an erster Stelle – im Vergleich zu den Studenten sagen sogar mehr Befragte, dass ein Arbeitgeber damit seine Wertschätzung ausdrückt. Bei den weiblichen Mitarbeitern dominieren hingegen die Förderung der Weiterentwicklung oder die Anerkennung ihrer beruflichen Leistung.

Auffällig ist zudem: Gerade die Herausforderung, Beruf und Privatleben zu vereinbaren, wissen viele erst dann einzuschätzen, wenn sie tatsächlich im Job sind. 78 Prozent wünschen sich dann flexible Arbeitszeitmodelle, deutlich mehr als die 61 Prozent der Studenten. Der Wunsch nach Unterstützung für die Familie und der Akzeptanz der Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben nimmt mit Einstieg ins Berufsleben deutlich zu.

Wobei dies im Extremfall in die Gewissensfrage mündet: Wären Sie bereit, für Ihre Familie berufliche Ziele zurückzustellen? Während dem schon zu Studienzeiten 55 Prozent der Befragten voll zustimmen, steigt der Anteil bei jenen im Job auf 61 Prozent.

Die Unterschiede in den Einstellungen der Studenten und Absolventen im Job verdeutlichen, wie wichtig Erfahrungen in der Wirtschaft schon während der Zeit an der Hochschule sind. "Es kommt darauf an, schon während des Studiums eine gesunde Vorstellung von der Praxis zu bekommen", sagt Larissa Schweppe, die Sozialwissenschaften in Hannover studiert und gerade ein Praktikum bei Continental macht. Ihr Kollege Dennis Gunst, mittlerweile seit vier Jahren im Job und damit ein "Young Professional", bestätigt das. "Es ist immer ratsam, praktische Erfahrungen in verschiedenen Branchen zu sammeln. So ist man auf die Anforderungen der Praxis gut vorbereitet", rät er.

Die Praxiserfahrung, womöglich gar verbunden mit Stationen im Ausland, erweitert bei vielen auch den Horizont. Immerhin gut ein Drittel der Young Professionals bei Conti kann sich vorstellen, im Ausland zu leben. Bei den Studenten sind es nur 18 Prozent.

Die Personalforscherin Jutta Rump hat dafür auch eine Erklärung: Viele Bindungen, Freundschaften oder Strukturen hätten sich seit dem Abschluss ohnehin aufgelöst, dafür hätten sich neue ergeben, häufig erst recht bei Auslandsaufenthalten. Ist doch der Neuling dort noch viel stärker gefordert, will er berufliche wie private Kontakte aufbauen.

Wer es sich dann doch vorstellen kann, der hat sich zumindest zum Teil von seinen Auslandsvorstellungen aus Studienzeiten verabschiedet. Steht bei den Studenten noch geschlechterübergreifend die überdurchschnittliche Bezahlung an erster Stelle, so spielt die zumindest für Frauen im Beruf nicht mehr die Hauptrolle. Ihnen ist neben dem interessanten Aufgabenbereich die zeitliche Befristung auf zwei Jahre wichtig.

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