Buchempfehlungen für den Sommer: Zwölf Bücher zum Weglesen

Autor*innen
Amna Franzke, Martin Hogger, Laura Sophia Jung, Martina Kix, Katharina Meyer zu Eppendorf, Friederike Oertel, Celina Plag, Alisa Schellenberg, Fiona Weber-Steinhaus, Paul Weinheimer, Tim Winter und Cora Wucherer
Aufgeschlagenes Buch aus dem Blumen wachsen

Der Sommer ist zu kurz, um sich durch harte Lektüre zu quälen. Wir empfehlen Bücher, die Spaß machen und was über das Leben erzählen. Die besten Easy Reads für heiße Tage.

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Zugegeben, es gibt diese Menschen, die sich am Strand von Sizilien selbst bei 40 Grad Bücher über Bürgerkriege reinknallen würden. Oder Ulysses von James Joyce, weil wann ist denn sonst endlich mal Zeit für diesen Klassiker der Weltliteratur! Wir finden: Intellektuelle Kost ist schön und gut, und manche Klassiker sind das sicher auch ganz zurecht. Wir finden aber auch: Vor allem im Sommer kann man es sich doch etwas leichter machen. Zum Beispiel mit den nachfolgenden zwölf Büchern, die von ehrlichen Gedanken einer Therapeutin über Roadtrips in die Schweiz bis zu hitzigen Coming-of-Age-Geschichten aus Tirol oder Maine erzählen. Bücher zum Weglesen eben, wie für den Sommer gemacht.

"Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden" von Lori Gottlieb

Darum geht's: Lori Gottlieb tut zwei Dinge, die Therapeut:innen sonst nicht tun: Sie schreibt, was sie über die Menschen denkt, die sie therapiert. Über die krebskranke Julie, die sich mit Mitte 30 auf den Tod vorbereitet – was Gottlieb oft kaum aushalten kann. Über Charlotte, 21, die immer weint, wenn sie ihrer Therapeutin gegenübersitzt. Über die depressive Rita, Anfang 70, die bei ihren Kindern alles falsch gemacht hat, und über John, der um die 40 und ein Arschloch ist. Außerdem erzählt Gottlieb von ihrer eigenen Therapie. Sich einzugestehen, warum sie die braucht, fällt ihr nicht leicht.

Darum geht's wirklich: Wie man es wirklich schaffen kann, etwas netter mit sich selbst zu sein.

Eine tolle Stelle (aus dem Original):
"I try to wrap my mind around this paradox: self-sabotage as a form of control. If I screw up my life, I can engineer my own death rather than have it happen to me. If I stay in a doomed relationship, if I mess up my career, if I hide in fear instead of facing what’s wrong with my body, I can create a living death – but one where I call the shots."

Länge, Preis, Verlag: 592 Seiten, 16 Euro, Goldmann.

Für Fans von:
Der französischen Serie In Therapie, Brianna Wiest und deep talk.

Liest man am besten hier:
Nach dem kleinen Schläfchen, das man zwischen dem Badestrand auf Rhodos und gegrilltem Halloumi zum Abendessen gemacht hat.

Von Alisa Schellenberg

"Happy Place – Urlaub mit dem Ex" von Emily Henry

Darum geht's: Jedes Jahr fährt Harriet, Anfang 30, mit ihrer Freundesclique nach Maine, zu ihrem Happy Place. Darunter Wyn, mit dem sie seit dem College die perfekte Beziehung führt. Denken zumindest ihre Freund:innen, die Scheidungsanwältin Sabrina, deren Verlobter Parth, die Farmbesitzerin Cleo und ihre Freundin Kimmy. Tatsächlich hat Wyn sich vor einem halben Jahr von Harriet getrennt. Aus Angst, dass der Freundeskreis auseinanderbricht, haben die beiden aber niemandem davon erzählt. Jetzt müssen Harriet und Wyn eine Woche lang so tun, als wären sie immer noch verliebt.

Darum geht's wirklich: Zugegeben, Urlaub mit dem Ex klingt nach einer schlechten Romcom, der Roman ist aber mehr als das. Henry wirft die großen Fragen auf, die sich wahrscheinlich alle Menschen Anfang 30 stellen: Bin ich noch die, die ich war, und will ich sie noch sein? Wie können Beziehungen halten, wenn man erwachsen wird und sich verändert? Dabei geht es nicht nur um romantische Beziehungen, sondern vor allem um Freundschaften. Happy Place erzählt davon, wie schmerzhaft es ist, sich auseinanderzuleben und was zu Hause tatsächlich bedeutet.

Eine tolle Stelle (aus dem Original): "… and I feel like I am finally there, that place I've always wanted to be, the other side of the lit kitchen windows I could see from my childhood street, where rooms are filled with love and noise and squabbling."

Länge, Preis, Verlag: 450 Seiten, 12,99 Euro, Knaur.

Für Fans von: Chick-Lit, also leicht zu lesender Literatur für junge Frauen. Oder von bittersüßem Aperol Spritz.

Liest man am besten hier: Irgendwo, wo man eine Sonnenbrille tragen kann, damit nicht auffällt, dass einem auf den letzten Seiten Tränen über die Wangen kullern.

Von Cora Wucherer

"Ein Sommer in Niendorf" von Heinz Strunk

Darum geht's: Der Held, wenn man ihn denn so nennen möchte, heißt Joseph Roth und ist ein Jurist, der in einem Ostseebad ein für ihn sehr wichtiges Buch schreiben will: Die Abrechnung mit seiner Familie. Leider fehlt es Roth dafür an jeglichem schreiberischem Talent. Seine Sätze, also die von Roth, sind beamten-hölzern und der Plot chaotisch. So dauert es nicht lang, bis Roth bald mehr Zeit mit dem örtlichen Strandkorbverleiher und Schnapsladenbesitzer, dessen Freundin und der gemeinsamen Lust für den Rausch verbringt.

Darum geht's wirklich: Abstürze in der Tristesse und die Erinnerung daran, wie krass ein neues Umfeld einen Menschen verändern können. Außerdem hat Heinz Strunk die womöglich unangenehmste und fremdschämigste Sexszene geschrieben, die ich seit Langem gelesen habe. Es stimmt: Strunks Sprache ist dabei teilweise roh und fies. Dafür knallt sie aber auch wie 40 Grad im Sommer.

Eine tolle Stelle: "Werner weiß, dass er nicht viel ist, aber immerhin ist er ein erwachsener Mann mit einer Brieftasche."

Länge, Preis, Verlag: 240 Seiten, 22 Euro, Rowohlt.

Für Fans von: Heinz Strunk, fiesen Witzen und Norddeutschland.

Liest man am besten hier: Irgendwo, wo man jemandem daraus vorlesen kann, wenn man mal wieder denkt: OMG, hat er nicht geschrieben?!

Von Katharina Meyer zu Eppendorf

"Die Clique" von Mary McCarthy

Darum geht's: Manhattan in den Dreißigerjahren. Acht Freundinnen beenden das College und stolpern in ihr Leben. Sie arbeiten, heiraten, werden Mütter und Geliebte und verzweifeln an sich selbst und den gesellschaftlichen Erwartungen an sie. Sie sind unfreier und unglücklicher, als sie es sich erhofft hatten. Das Buch ist aber leichter und ironischer, als es jetzt klingt.

Darum geht's wirklich: Sex, Abhängigkeit von Männern, regretting motherhood, Existenzängste, Psychotherapie, lesbische Liebe. Deshalb war das Buch in den Sechzigern, als es erschien, ein Skandal. Heute ist es ein Grund, es immer noch zu lesen.

Eine tolle Stelle (aus dem Original): "But the group would never believe, never in a million years, that Dottie Renfrew would come here, to this attic room that smelled of cooking fat, with a man she hardly knew, who made no secret of his intentions, who had been drinking heavily, and who was evidently not in love with her."

Länge, Preis, Verlag: 528 Seiten, 10 Euro, btb.

Für Fans von: Sally Rooney, Gilmore Girls und Nora Ephron.

Liest man am besten hier: Im Halbschatten auf einer Wiese liegend, die Haare noch nass, die Finger leicht klebrig von der Wassermelone.

Von Amna Franzke

"Prana Extrem" von Joshua Groß

Darum geht's: Als Joshua längere Zeit bei seiner Freundin Lisa in Innsbruck verbringt, trifft er in einem Restaurant zufällig den Nachwuchs-Skispringer Michael und seine Trainerin Johanna. Zu viert erkunden sie mit einem fetten, schwarzen SUV die Berglandschaft, rauchen Unmengen an Gras und philosophieren. Dann bekommt Joshua zum Geburtstag ein Geschenk: einen gestohlenen Kometen mit mystischen Eigenschaften.

Darum geht's wirklich: Das Entkommen von eigenen Unzulänglichkeiten und gesellschaftliche Prägungen, die in uns allen wirken. Also: die Schwerkraft, der Planet, generell die materiell erfassbare Welt. Dazu zählt auch Joshua Groß' unaufdringlich-lustige Sprache, eine Mischung aus Hip-Hop und Philosophie, die nach einem guten Leben sucht, auch während der Klimakrise.

Eine tolle Stelle: "Die kleinen Brotecken im Salat waren supercrispy, das war belebend irgendwie, also jeder einzelne Biss manifestierte mich ein Stück weit mit. Kannst du einfach kauen, dachte ich mir gegenüber, kannst du einfach nur weiterkauen bitte."

Länge, Preis, Verlag: 301 Seiten, 24 Euro, Matthes & Seitz.

Für Fans von: Lil Wayne, Weltraum und Chupa Chups.

Liest man am besten hier: Im Schatten, irgendwo hoch oben.

Von Martin Hogger

"Mein Jahr der Ruhe und Entspannung" von Ottessa Moshfegh

Darum geht's: Schlafen, einfach schlafen, am besten ein Jahr lang: Das will die namenlose, 26-jährige Protagonistin, die ihr glamouröses Leben als New Yorker Galeristin und hauptberufliche Erbin Anfang der 2000er-Jahre erst einmal hinter sich lassen will. Gelingen soll das, indem sie sich mit einer bunten Mischung an Pharmazeutika, vorrangig Benzodiazepinen, in den Schlaf katapultiert. Oder wie es die Ich-Erzählerin beschreibt: "Die Wachzeiten so weit wie möglich reduzieren."

Darum geht's wirklich: Man könnte denken: Wie langweilig, was soll da schon passieren? Schlafen kann allerdings auch politisch sein, wenn es so wie von der Ich-Erzählerin als Abrechnung mit einer oberflächlichen und konsumorientierten Leistungsgesellschaft begriffen wird. Oder auch: als eine Befreiung.

Eine tolle Stelle (aus dem Original): "Oh, sleep. Nothing else could ever bring me such pleasure, such freedom, the power to feel and move and think and imagine, safe from the miseries of my waking consciousness."

Länge, Preis, Verlag: 320 Seiten, ab 9,79 Euro, Penguin Press.

Für Fans von: Fröhlichem Eskapismus, Schlafen und Neuanfängen.

Liest man am besten hier: Irgendwo, wo man lange verweilen kann. Oder im Bett.

Von Paul Weinheimer

"Der Inselmann" von Dirk Gieselmann

Darum geht's: Ein Hund wird ins Weltall geschossen und Menschen überwinden eine Mauer. Mehr verrät Autor Dirk Gieselmann nicht über die Zeit, in der der Roman spielt. Das ist aber auch gar nicht so wichtig. Wichtiger ist der zehn Jahre alte Held Hans Roleder, der mit seinen Eltern auf eine einsame Insel inmitten eines großen Sees zieht. Der schüchterne, wortkarge Junge findet in der Abgeschiedenheit ein neues Zuhause: die Bäume, das Moos, die Steine auf der Insel, sie alle geben ihm Halt in einer ihm viel zu lauten Welt. Bis ihn plötzlich ein Bescheid der Schulbehörde erreicht.

Darum geht's wirklich: Einen Außenseiter, dessen Seele aus Ängsten und Überforderung besteht. Und das Gefühl, sich selbst nach absoluter Entschleunigung auf einer unbewohnten Insel zu sehnen.

Eine tolle Stelle: "Die Brise ging so sacht, wie eine Schwester auf den wunden Finger ihres kleinen Bruders pustet."

Länge, Preis, Verlag: 176 Seiten, 20 Euro, Kiepenheuer und Witsch.

Für Fans von: Haruki Murakami, der Progressive-Rock-Band Porcupine Tree und Waldeinsamkeit.

Liest man am besten hier: Im Windschatten der Dünen irgendwo am Meer.

Von Tim Winter

"Töchter" von Lucy Fricke

Darum geht's: Die Freundinnen Martha und Betty sind beide um die 40, meistens verkatert und auch ein bisschen lost. Dann machen sie sich in einem ramponierten Golf auf den Weg in die Schweiz, auf der Rückbank Marthas Vater Kurt. Der hat Lungenkrebs im Endstadium und möchte sterben. Das Ziel ist klar, das Ende nah. Bis Kurt irgendwo hinterm Bodensee sagt, er wolle doch lieber zum Lago Maggiore. Zu Francesca, seiner früheren Geliebten. Die drei biegen ab – und fahren mit überhöhter Geschwindigkeit ihrem eigenen Abgrund entgegen.

Darum geht's wirklich: Väter, die nie richtig da sind und trotzdem eine Leerstelle hinterlassen. Außerdem: Freundschaft, die Suche nach Halt und die Schönheit des Lebens, auch wenn es verkorkst ist.

Eine tolle Stelle: "Wie viele Jahre an Freundschaft braucht es, wie viele gemeinsam durchsoffene und durchliebte Nächte, wie viele durchstrittene und durchschwiegene Tage, um uns einzugestehen, dass wir beschädigt waren."

Länge, Preis, Verlag: 240 Seiten, 12 Euro, Rowohlt.

Für Fans von: Roadnovels zwischen Leichtigkeit und Tristesse, Tschick und Italien.

Liest man am besten hier: Mit Bier und Zigaretten am Tresen einer Bar oder auf der Rückbank eines Golfs.

Von Friederike Oertel

"Nordstadt" von Anika Büsing

Darum geht's: Nene ist Anfang 20 und Bademeisterin, weil sie schon immer gern Bahnen zog. Im Schwimmbad lernt sie Boris kennen und steckt ihm einen Zettel zu. So fängt alles an. Boris ist an Kinderlähmung erkrankt, hinkt und begegnet dem Leben vor allem mit Ablehnung. Nene wurde mit 17 vergewaltigt und möchte vor allem vergessen. Nene und Boris verhaken und verlieben sich ineinander.

Darum geht's wirklich: Schwierige Eltern, schwierige Dates und Cola-Kracher. Nicht jede Liebesgeschichte muss ein Happy End haben, um gut zu sein. Die Autorin Annika Büsing schreibt so tolle Sätze, man möchte sie sich tätowieren lassen.

Eine tolle Stelle: "Manchmal nehmen wir ein Gefühl und verwandeln es in ein anderes. Wir nehmen Trauer und verwandeln sie in Wut. Wir nehmen Angst und verwandeln sie in Wut. Wir nehmen Enttäuschung und verwandeln sie in Wut. Wir nehmen Liebe und verwandeln sie in Wut. Wut ist ein Allrounder. Man kann damit vieles kaputtmachen, auslöschen, wegbürsten, man kann sich regelrecht den Weg freisprengen."

Länge, Preis, Verlag: 123 Seiten, 20 Euro, Steidl.

Für Fans von: Freibad, Learning To Love You More von Miranda July und Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara.

Liest man am besten hier: Natürlich im Freibad! Oder zumindest neben einem Gewässer.

Von Martina Kix

"Der Zopf meiner Großmutter" von Alina Bronsky

Darum geht's: Max' russische Großmutter soll in ihrer Jugend eine gefeierte Tänzerin gewesen sein, für den jungen Max aber ist sie vor allem eine gouvernante Person, die ihm eintrichtert: Menschen sind schlecht. Deutsche Süßigkeiten sind schrecklich, deutsche Schulen sowieso. Die Welt ist gefährlich. Im Geflüchtetenheim in Deutschland errichtet sie erst ein hart-herzliches Terrorregime, später eine Tanzschule. Was die Großmutter nicht ahnt: Ihr eigener Mann verliebt sich in die Nachbarin, woraufhin ein weiteres Kapitel dieser wunderbar bösen und gleichzeitig warmherzigen Familiengeschichte beginnt.

Darum geht’s wirklich: Ums Überleben, den Versuch, sich Würde und Stolz im Leben zu erhalten und die ganz große Frage: Was macht Familie aus?

Eine tolle Stelle: "Warum wehrst du dich eigentlich nie? Gegen niemanden?" – "Ich käme dann zu nichts anderem mehr."

Länge, Preis, Verlag: 224 Seiten, 11 Euro, Kiepenheuer & Witsch.

Für Fans von: John Irving, dessen Bücher einem aber zu lang sind, und für Fans von Mariana Leky, die sich manchmal mehr Boshaftigkeit wünschen.

Liest man am besten hier: Samstagmorgens mit dicken Kissen im Rücken und Croissants auf dem Teller. Oder an einem fläzigen Schwimmbadnachmittag unter einem Baum.

Von Fiona Weber-Steinhaus

"Toxic Man" von Frédéric Schwilden

Darum geht's: Um einen Mann, der herausfindet, was das eigentlich heißt: Mann sein – als Ehemann, Vater und überhaupt. Wie so viele merkt der Ich-Erzähler, dass die magische Schwelle zum Erwachsenwerden eher um den 30. als um den 18. Geburtstag liegt: Er wird heiraten und Vater, muss sich als Fotograf behaupten und als Künstler finden. Und das alles in der Hitze zweier aufeinanderfolgender Sommer. Er zieht Jobs an Land, streitet und versöhnt sich mit seiner Frau, versucht, seine eigene Erziehung zu überwinden und stellt sich Fragen: Warum sind Taxifahrer schlechter gelaunt als alle anderen Menschen? Ab wann hat man ein Drogenproblem? Und war seine erste Liebe eigentlich eine missbräuchliche Beziehung? So mäandert er durch sein Leben, mal mit an Manie grenzendem Enthusiasmus, mal melancholisch bis zur Verzweiflung, immer voller wilder Gedanken und Selbstzweifel.

Darum geht's wirklich: Ums Hadern mit sich selbst und der Welt, weil man doch so unbedingt geliebt werden möchte und sich dabei einfach nicht selbst lieben kann. Ein Gefühl, das einem so vertraut ist wie die Sommerabende, an denen der Protagonist die Hilflosigkeit am meisten spürt.

Eine tolle Stelle: "Was ich bei aller Sympathie für Revolutionen nicht verstehe, dass Deutsche, die eine neue Weltordnung wollen, immer spießiger werden als das System, das sie stürzen möchten."

Länge, Preis, Verlag: 287 Seiten, 22 Euro, Piper.

Für Fans von: The XX, Christian Kracht und Punchlines.

Liest man am besten hier: Leicht verkatert auf einem Sofa, um sich herum die Partyreste des Vorabends. Gerne mit Zigarette in der Hand. Alternativ in einem Liegestuhl, falls es eine Gartenparty war. Vorsicht ist geboten, wenn der Magen schon flau ist – es gibt ein, zwei Szenen, die einen buchstäblich aufwühlen können.

Von Laura Sophia Jung

"Weird Fucks" von Lynne Tillman

Darum geht’s: Willy in Bar Harbour, George im East Village oder Mao in Rom. In 13 lakonischen Kapiteln erzählt eine junge Frau von ihren Begegnungen mit Männern, die meistens sexuell sind, manchmal aber auch nicht. Mal beschreibt die Protagonistin, wie die griechisch-depressive Frau eines potenziellen Flings ihre Haare im Ofen trocknet, mal wie sie nach dem Sex gehen muss, weil ihr Lover ein Gedicht schreiben will. Sie beobachtet Männer, die aussehen wie Offiziere, aber Teller über dem Kopf zerbrechen (obwohl das gesetzlich verboten ist), mit derselben Gleichgültigkeit wie einen sexuellen Missbrauch oder einen Boyfriend, der ihr Blumen und Steaks kauft.

Darum geht’s wirklich: Weird Fucks. Aber: Wenn Tillman über Sex schreibt, dann hat das natürlich nichts von vor Feuchtigkeit triefenden Pimmelhymnen. Sondern von Erfahrungen, die entweder schön sind oder verletzend, meistens aber auch etwas egal sind und damit irgendwie echt.

Ein toller Satz (aus dem Original): "When I was fourteen I discovered that boys would fall in love with me if I listened to everything they said. A strong sense of integrity prohibited me from continuing this form of seduction. And, in addition to integrity, there was the problem of having to continue to listen to them."

Länge, Preis, Verlag: 108 Seiten, 11,99 Euro, Peninsula Press.

Für Fans von: Der Serie Fleabag oder der Autorin Kathy Acker. Vergesst jetzt mal Christian Kracht oder Leif Randt.

Liest man am besten hier: Zum ersten Kaffee am Morgen danach auf einer Terrasse irgendwo in Südeuropa. Oder am Strand, wo man alles, was blöd ist am Existieren, beim Lesen wegschwitzen kann.

Von Celina Plag

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