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"Wir leben zu sechst in einer Dreizimmerwohnung"

Mädchen erschöpft Erschöpfung [Quelle: unsplash.com Yaopey Yong]

Quelle: unsplash.com Yaopey Yong

Lara Mohamad kümmert sich um die Geschwister, den Haushalt und die Bürokratie der Familie. Für ihr Studium lernt sie nachts. Corona hat alles noch komplizierter gemacht.

Die Corona-Pandemie trifft Menschen, die schon vor der Krise benachteiligt waren, härter. Auch an den Hochschulen. Dort zeigt sich durch das Onlinestudium jetzt deutlich, was vorher schon Realität war – nicht alle haben die gleichen Rahmenbedingungen um zu studieren. Aber wie sieht es aus, wenn Chancen ungleich verteilt sind? Lara Mohamad ist 22 Jahre alt und studiert in Berlin Deutsch und Philosophie auf Lehramt. Sie erzählt, wie es ist, wenn man sich neben dem Studium noch um viele andere Dinge kümmern und sorgen muss.

"Über meinem Schreibtisch in meinem Zimmer hängt eine goldene Pinnwand. Wenn nicht gerade Ferien sind, hängen da neben meinen Uni-Aufgaben die Hausaufgaben meiner drei jüngeren Brüder zum Korrigieren. Gerade pinnt die ADAC-Mitgliedschaft meiner Eltern, die gekündigt werden muss, neben einem Brief von der Krankenversicherung, die eine Frage hat und der Antrag auf Arbeitslosengeld meines Vaters, der durch Corona seinen Job verloren hat.

Meine Eltern kommen aus dem Libanon und sprechen nicht so gut Deutsch. Für den Alltag reicht es, aber bei Arztbesuchen, Schulfragen oder eben Bürokratie – da brauchen sie meine Hilfe. 

Ich studiere derzeit im vierten Semester Deutsch und Philosophie auf Lehramt, dieses Semester habe ich sechs Seminare belegt. Weil durch Corona alles online stattfindet, bin ich viel zu Hause. Wir wohnen alle zusammen in einer kleinen Drei-Zimmer-Wohnung. Ich bin die Einzige in der Familie, die ein eigenes Zimmer hat. Meine Eltern schlafen im Wohnzimmer, meine drei Brüder teilen sich ein Zimmer. Wenn das Haus voll ist, und das ist es in letzter Zeit oft, dann fällt es mir nicht so leicht, mich auf die Uni zu konzentrieren.

Dass ich viel für meine Familie manage und erledige, war schon immer so, aber jetzt durch Corona fehlen mir meine eigenen Freiräume, Zeit nur für mich.

Früher ging ich zum Lernen immer in die Bibliothek, heute verlagere ich die meisten Uni-Aufgaben in die Nacht."

Lara Mohamad

Früher ging ich zum Lernen immer in die Bibliothek, heute verlagere ich die meisten Uni-Aufgaben in die Nacht. Wenn alle schlafen, dann kann ich mich am besten konzentrieren. Während des Ramadan saß ich manchmal bis drei Uhr morgens an meinen Aufgaben, gerade bin ich aber meistens um ein Uhr fertig.

Ich bin fleißig, das muss ich auch sein. Meine Eltern haben mir immer gesagt, wie wichtig Bildung ist. Sie sind beide in armen Verhältnissen aufgewachsen und konnten die Schule nicht abschließen. Ich weiß, was für ein Privileg ich habe – das will ich auch nutzen. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass ich mich mehr anstrengen muss als viele meiner Kommilitonen. 

Wenn jemand in diesen Zeiten davon spricht, dass das Onlinestudium sozial ungerecht ist, dann weiß ich oft nicht, was ich sagen soll. Ich denke, das Studium war auch schon vor Corona für manche leichter und andere schwerer.

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