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Handschellen, Gerechtigkeit, Fairness, Justiz [Quelle: unsplash.com, Autor: niu niu]

Quelle: unsplash.com, niu niu

Ein Selbstverteidigungskurs mit Expertentipps für alle, die sich gegen Ungerechtigkeit wehren wollen

Was hilft, wenn ich unfair benotet wurde?

"Auf jeden Fall solltest du zuerst mit dem Dozenten sprechen. Wenn du dich dabei unwohl fühlst, kannst du einen Studentenvertreter der Fachschaft oder vom Asta fragen, ob jemand mitkommen kann. Dann hast du auch gleich einen Zeugen für das Gespräch dabei. Zwei Dinge kann jeder von seinem Professor verlangen: Erstens Einsicht, wie er die Note berechnet hat. Zweitens müssen die Kriterien offenliegen, die für eine gute Note erfüllt sein müssen. Es kann helfen, kooperativ in das Gespräch einzusteigen. Besser sagen 'Ich habe das Gefühl, dass ...' als 'Sie haben mich ungerecht benotet'. Wenn der Professor abblockt, sollte der Vertrauensdozent mit ihm sprechen. Hilft das alles nicht, muss der Dekan den Fall prüfen und gegebenenfalls an einen Prüfungsausschuss übergeben. Ab diesem Zeitpunkt ist es dann kein lockeres Gespräch unter Kollegen mehr, sondern ein universitätsinternes rechtliches Verfahren, aus dem man nicht mehr so schnell rauskommt. Der Dekan entscheidet, ob ein zweiter Dozent die Arbeit gegenliest. Unterscheidet sich seine Beurteilung von der des Professors, wird die Arbeit neu benotet. Wenn ein Student recht bekommt, kann es sogar sein, dass alle im Seminar die Prüfung noch einmal schreiben müssen. Das passiert aber eher selten."

Christian Klager ist Vertrauensdozent an der Universität Rostock.

Kann ich gegen schlechte Noten klagen?

"Gibt auch der Prüfungsausschuss dem Prüfer recht, gibt es noch eine weitere Instanz: das Verwaltungsgericht. Diesen Schritt sollte man sich gut überlegen. In den seltensten Fällen sind Klagen erfolgreich. Warum? Es ist nicht rechtswidrig, dass ein Professor eine Arbeit nach subjektiven Maßstäben bewertet. Bei mündlichen Prüfungen ist es noch mal schwieriger, weil man im Nachhinein schwer seine Leistung nachweisen kann. Deshalb ist es wichtig, zeitnah Einspruch zu erheben und eine schriftliche Beurteilungsbegründung zu verlangen. Bei Verfahrensfragen ist das anders. Man muss die Prüfungsordnung lesen und schauen, ob sie mit dem Gesetz übereinstimmt. Hält sich ein Professor an die Prüfungsdauer? Hat er mündlich geprüft und nicht wie geplant schriftlich? Dabei kommt es auf Kleinigkeiten an. Die Konsequenz ist keine bessere Note, sondern die Wiederholung der Klausur. So ein Prozess kann bis zu 2.000 Euro kosten."

Christian Birnbaum ist Rechtsanwalt für Hochschul- und Prüfungsrecht in Köln.

Wo beginnt Sexismus, und wie wehre ich mich?

"Als 'zu viel' gilt jede Handlung an der Uni, bei der nicht deine wissenschaftliche Leistung bewertet, sondern du aufgrund bestimmter Merkmale wie Hautfarbe oder Geschlecht diskriminiert wirst. Bei sexistischen Sprüchen oder rassistischen Kommentaren kannst du dich an die Gleichstellungsbeauftragten oder die Antidiskriminierungsstelle wenden, um über ein gemeinsames Vorgehen nachzudenken. Sexuelle Übergriffe können sogar strafrechtliche Konsequenzen haben. Vorfälle können anonym gemeldet werden."

Jana Pasch ist Gleichstellungsbeauftragte an der Georg-August-Universität Göttingen.

Wie finde ich Verbündete, denen es geht wie mir?

"Wer aus einer nicht akademischen Familie kommt und studieren will, weiß nicht, wem er Fragen stellen kann. Ich kenne das selbst: Am Anfang habe ich in Kursen gesessen und wusste nicht, ob ich da wirklich hingehöre. Heute helfe ich Leuten dabei, Unterstützung zu finden. Das Studentenwerk oder die Studienberatung helfen bei der Organisation. Auch bei unserer Hotline kann man anrufen. Gruppen von Arbeiterkind.de treffen sich in rund 75 verschiedenen Städten. Da sitzen Erstsemester neben Uni-Absolventen. Sie tauschen sich darüber aus, wie es ist, nach Hause zu fahren und keine Anerkennung dafür zu bekommen, dass man eine gute Note geschrieben hat. Oft tut es gut, zu wissen, dass es Leute gibt, die ihr Studium trotzdem durchgezogen haben."

Katja Urbatsch, Gründerin von Arbeiterkind.de

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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