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Zwei Dekane im Interview

Wo sehen der Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der TUM, Gunther Friedl, und der Dekan der MBS, Stefan Baldi, die Vorteile eines Studiums an ihrer Hochschule? Wir baten sie, in fünf Stichworten zu antworten.

Stefan Baldi von der Munich Business School (Quelle: Munich Business School)

Stefan Baldi, MBS:

  1. Kleingruppenprinzip: maximal 30 Studenten pro Klasse
  2. Internationalität: alle Studienangebote auch in englischer Sprache, über 50 Partnerhochschulen weltweit
  3. Hohe Service-Orientierung: intensive Betreuung vor, während und nach dem Studium, internes Career Center, International Office, Coaching-Programm
  4. Starke Projekt-Orientierung im Unterricht und an der Hochschule allgemein: Case Studies, Workshops, Gruppenarbeiten, außercurriculare Veranstaltungen
  5. Nähe zur Wirtschaft: Dozenten aus der Wirtschaft, Unternehmensvorträge, Career Day
Gunther Friedl von der TU München (Quelle: TU München)

Gunther Friedl, TUM:

  1. Inhalt: Enge Verzahnung von Management und Technologie
  2. Breite des Angebots: Großes Spektrum an Lehrveranstaltungen, zum Beispiel auch in den Naturwissenschaften oder in der Architektur
  3. Flexible Studienorganisation: Die TUM setzt auf Eigeninitiative ihrer Studenten
  4. Qualität der Lehre: Wissenschaftlich fundierte Ausbildung bei hochkarätigen und international erfahrenen Dozenten
  5. Akademische Laufbahn: Möglichkeit zur Promotion

Was unterscheidet Ihre Hochschule vom jeweils anderen Studienmodell?

Friedl: Wir bieten technikorientierte Vorlesungen. Bei uns lernen die Betriebswirte die Sprache der Maschinenbauer oder Elektrotechniker. Diese Veranstaltungen können nur von einer technischen Universität angeboten werden. Wir haben einen stärkeren Schwerpunkt in der Wissenschaft, private Universitäten können sich renommierte Wissenschaftler oft nicht leisten.

Baldi: Wir haben keine vollen Hörsäle mit Hunderten von Studenten, sondern wir arbeiten von Anfang an mit Kleingruppen von maximal 30. Für viele Veranstaltungen splitten wir das auch nochmal. Das bedeutet, dass wir auch in den Lehrformen ganz anders agieren können als eine staatliche Hochschule.

Wie sorgt eine Massenuni wie die TUM für kleine Gruppen?

Friedl: Meist haben staatliche Unis mehr Studenten, auch mehr Studenten pro Veranstaltungen in den Pflichtfächern. Das machen wir aber wett, indem wir die großen Veranstaltungen ergänzen um Tutorien in Kleingruppen mit 20 bis 25 Studenten. So ist das Betreuungsverhältnis besser und der der Vorwurf der Massenuni trifft nicht mehr zu.

Die MBS hat zwar kleine Gruppen, dafür aber hohe Gebühren...

Baldi: Das stimmt, allerdings bietet die MBS auch einen Mehrwert: Studenten können sich spezialisieren, es gibt regen Kontakt in die Wirtschaft. Auch die internationale Ausrichtung des Studiums eröffnet unseren Studenten viele Zukunftsperspektiven.

Aber wenn man ehrlich ist, gibt es in bestimmten sozialen Schichten Berührungsängste mit privaten Hochschulen. Das heißt, viele bewerben sich möglicherweise gar nicht bei einer privaten Hochschule. Sie haben es gar nicht auf ihrem Radar, dass sie auch an der MBS studieren könnten.

Sind die Studenten an der TUM sich selbst überlassen?

Friedl: Private haben tatsächlich bessere Betreuungsrelationen, auch wenn wir versuchen, mit Tutorien gegenzusteuern. Wir wollen die Eigeninitiative und die Persönlichkeitsentwicklung stärker fördern, indem wir ein breites Angebot machen. Wir erwarten natürlich auch von unseren Studenten, dass sie dieses Angebot annehmen. Wir zwingen sie nicht dazu. Die Studenten, die davon Gebrauch machen, die sind in der Regel besser aufgestellt als das vielleicht beim dem ein oder anderen Absolventen einer Privatuni der Fall ist.

Wir haben außerdem eine relativ große Studienfachberatung. Es gibt Auslandsbeauftragte, die Fachberatungen machen. Studenten bekommen bei uns viel Hilfe, wenn sie sie in Anspruch nehmen wollen. Das Angebot ist da. Das ist etwas, was es an staatlichen Hochschulen vor 10, 15 Jahren in dieser Breite nicht gegeben hat.

Da könnte man fast glauben, dass private Hochschulen ihren Studenten zu viel in Sachen Eigeninitiative abnehmen...

Baldi: Unsere Studenten haben sicherlich eine weniger freie Zeiteinteilung als die an einer staatlichen Hochschule. Das liegt an den Stundenplänen, außercurricularen Veranstaltungen und Gruppenarbeiten. Man braucht dafür natürlich auch ein gutes Zeitmanagement. Das gefällt nicht jedem und vielleicht gibt es auch Leute, die sagen, das sei nicht Studieren im klassischen Sinne. Wir sehen das als einen Vorteil der MBS und sind davon überzeugt, dass die Studenten sehr viel lernen durch diese Art der Studienorganisation und so besser auf Projekte und Beruf vorbereitet werden.

Wie fördern Sie Querdenker an der MBS trotz engem Stundenplan?

Baldi: Nur weil man einen strengen Zeitplan hat, heißt das nicht, dass man nur in eine Richtung denken kann. Vor allem durch unseren Mix verschiedener Lehr- und Lernformen regen wir zum Querdenken an. Hier lernt niemand nur stur auswendig, da das gerade in eigenständigen Projekten und Gruppenarbeiten keinen Erfolg bringt. Beim Thema Wirtschafts- und Kulturgeschichte geht es in Ergänzung zu den klassischen betriebswirtschaftlichen Inhalten beispielsweise auch um Philosophie. Das sind einfach Denkmodelle, mit denen man sich beschäftigt haben muss. Die nimmt man vielleicht nicht alle für sich an, aber man sollte sie gehört haben. Und die bringen die Studenten – und zwar jeden, nicht nur den, der Lust hat – dazu, über den Tellerrand zu schauen. Unsere Erfahrung ist, dass ein gewisser Zwang, sich mit Dingen zu beschäftigen, mit denen man sich freiwillig vielleicht nicht beschäftigt hätte, gerade auch in der Persönlichkeitsentwicklung einen wichtigen Schritt bedeutet.

Für die ganz großen eigenen Projekte bleibt neben dem Studium weniger Zeit. Trotzdem heißt ein straffer Plan nicht, dass jeder im Gleichschritt geht. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, sich selbst und seine Ideen zu verwirklichen: so ist zum Beispiel bei den sozialen Projektarbeiten die Themenwahl komplett frei und viele Studenten engagieren sich nebenbei bei einer unserer zahlreichen studentischen Initiativen.

Bei der Umsetzung der Bologna-Reformen war die MBS viel früher dran als die TUM, was hat das für Konsequenzen für die Studenten?

Friedl: Wir haben den großen Vorteil, dass wir relativ lange gewartet haben mit der Umstellung auf Bachelor und Master, sodass wir uns die Probleme, die an anderen Universitäten entstanden sind, relativ gelassen anschauen und daraus unsere Schlüsse ziehen konnten. Eines der Probleme war, dass Bachelor-Studenten keine Master-Studienplätze bekommen haben, obwohl sie weiterstudieren wollten. Wir haben nun dafür gesorgt, dass es für alle geeigneten Bachelor-Absolventen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auch einen Master-Platz gibt. Und auch diejenigen, die kein technologisches oder betriebswirtschaftliches Grundwissen haben, können bei uns in einen Master einsteigen.

Baldi: Wir haben so früh wie möglich umgestellt. Das heißt, wir haben schon viel Erfahrung, die Kinderkrankheiten sind raus. Wobei ich auch sagen muss: Bei uns gab es gar nicht so viele Probleme. Viele Ziele, die durch den Bologna-Prozess allen Hochschulen auferlegt wurden, sind Dinge, die wir auch vorher schon gemacht haben. Insofern war der Umstellungsschock nicht so groß. Der straffe Stundenplan, der von vielen jetzt beklagt wird, hat schon immer zum Studium an der MBS gehört.

In welchen Bereichen werden Sie dem jeweils anderen Hochschulmodell immer einen Schritt voraus sein?

Baldi: Es gibt einfach Dinge, die staatliche Hochschulen nicht machen können oder nicht machen wollen, zum Beispiel wird uns der Vorteil der Kleingruppen bleiben. Wir sind, was die Service-Orientierung angeht, bereits auf einem sehr guten Niveau, an dem wir auch kontinuierlich weiterarbeiten. Weiterhin sind die Prioritäten anders als bei staatlichen Hochschulen, was das Verhältnis von Lehre und Forschung angeht. Auf diese Wettbewerbsvorteile setzen wir weiterhin. Wir werden uns in Zukunft allerdings nicht maßgeblich verändern: Natürlich gibt es bestimmte Inhalte, auf die wir – weil wir kleiner und flexibler sind – schneller reagieren können, um sie ins Studium zu integrieren. In anderen Dingen sind wir aber auch teilweise durch Akkreditierungsprozesse gehindert. Den ganz großen Coup gibt es nicht, mit dem wir alle anderen Hochschulen, ob privat oder staatlich, abhängen. Wir müssen einfach in jedem Gebiet immer einen Schritt voraus und immer ein bisschen besser sein.

Friedl: Staatliche Universitäten tun sich meines Erachtens leichter, wissenschaftlich herausragende Professoren zu beschäftigen. Die arbeiten unserer Erfahrung nach lieber an staatlichen Universitäten als an privaten. Wir rekrutieren Dozenten und Professoren teilweise von privaten Hochschulen und haben keine Probleme, die geeigneten Personen für uns zu gewinnen. Wir müssen offensichtlich ein Umfeld bieten, das für Wissenschaftler attraktiver ist. Und wenn man hervorragende Wissenschaftlicher gewinnt, dann schlägt sich das natürlich auf die Qualität der Lehre und vor allem der Lehrinhalte nieder. Und dort haben Studenten dann einen klaren Vorteil. 

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