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Eine schiefe Nase lässt sich nicht geradewischen

Eine schiefe Nase kann bei Tinder daher schon zum fatalen Wisch nach links führen. Wer ernstere Intentionen hat, vertraut bei der Partnersuche im Internet anderen Plattformen wie ElitePartner. Online arbeiten sich dort viele Singles durch lange psychologische Fragebögen, die anschließend mit den Daten anderer Datingwilliger gematcht werden. Je höher die Übereinstimmung, desto größer die Liebe, so die Verheißung. ElitePartner verspricht "kultivierte und niveauvolle Singles", "Zugang nur mit ernsten Absichten" – dafür sollen Mitarbeiter sorgen, die entscheiden, wer zur Plattform passt. Sogar die Stiftung Warentest lobte die Passgenauigkeit der Partnervorschläge. So einfach ist das also – den perfekten Gefährten, einmal in den Warenkorb, bitte?

Verdammt, ich lieb dich – ich lieb dich nicht

Der Gründer der Plattform, Arne Kahlke, ist mittlerweile in einer anderen Branche unterwegs. Vielleicht erlaubt er sich deshalb – nach immerhin mehr als 14 Jahren in der Online-Partnervermittlung – inzwischen ein überraschendes Urteil: "Die Menschen werden nicht glücklicher, wenn sie sich alles selbst aussuchen können", sagte er in einem Interview. Maximale Freiheit und Optimierung führen also nicht zu maximalem Glück?

Psychologin Alexandra Hartmann findet: "Tatsächlich ist die Partnersuche, was den Optimierungswillen angeht, ein Kind unserer Zeit. Ich nehme bei meinen Klienten zwar nicht unbedingt einen steigenden Anspruch wahr – aber die Angst, etwas zu verpassen. Man tut sich heute schwer damit, zu sagen: 'Das ist der Weg, den ich jetzt gehe.' Stattdessen hat man oft im Hinterkopf: 'Aber wenn ich jetzt den anderen Weg nehmen würde, dann würde ich vielleicht etwas ganz anderes erleben ...' Einfach losgehen und sich auf etwas einlassen: Das möchte man nicht mehr. Man hadert sehr viel."

Ein Indiz für dieses Zögern, sich in Beziehungen festzulegen, ist auch das Heiratsalter, das sich seit Jahren immer weiter nach oben schraubt: Männer waren 2017 bereits durchschnittlich 38,3 Jahre alt und Frauen 35,4 Jahre alt, als sie sich das Jawort gaben.

Durchschnittliches Heiratsalter [Quelle: Statistisches Bundesamt]

Mit ihren Klienten bespricht Psychologin Hartmann oft, was denn ein perfekter Partner sei, und ob es ihn überhaupt geben könne. "Viele kommen selbst zu dem Schluss, dass diese Anspruchshaltung Quatsch ist. Umgekehrt gilt natürlich nicht, dass eingeschränkte Freiheit bei der Partnerwahl glücklicher macht. Wenn früher Partnerschaften vermittelt wurden oder man vielleicht einfach den Nachbarn geheiratet hat, wurden Beziehungen dadurch nicht zufriedenstellender. Aber am Sprichwort 'Wer die Wahl hat, hat die Qual' ist durchaus etwas dran. Zum Wählen gehört Mut! Wenn man sich einmal für einen Partner entschieden hat, denkt jeder in schwachen Momenten: Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn ich jemand anderen kennengelernt hätte? Wie würde es weitergehen, wenn ich mich trenne?"

"Philosophisch kann man sich mit dieser Frage auch auseinandersetzen", so Hartmann weiter. "Aber eine endgültige Antwort bekommt niemand. Und es ist auch nicht bewiesen, dass Personen, die viele Optionen ausprobiert haben, beständigere Beziehungen führen. Eher das Gegenteil ist der Fall: Je weniger Partnerschaften man hatte, desto wahrscheinlicher ist es, dass eine Beziehung hält. Denn das Partnerwechseln kann zur Gewohnheit werden – man neigt dann dazu, sich schneller zu trennen".

Lohnen sich also das 137. Date und die dritte Ehe am Ende ebenso wenig wie die vielen Euros für psychotestbasierte Matchings? Kann die durchoptimierte Partnersuche genauso frustrieren wie die Nachbars-Ehe anno 1900? "Die Möglichkeit besteht", bestätigt die Paartherapeutin. "Freiheit und (Liebes-)Glück haben wenig miteinander zu tun – weder in der einen noch in der anderen Richtung".

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