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Wen suchst du, und wenn ja, wie viele?

Liebe Pärchen Beziehung [Quelle: Unsplash.com, Duri from Mocup]

Quelle: Unsplash.com, Duri from Mocup

Wisch und weg! (Potenzielle) Lebensgefährten gegen ein attraktiveres Exemplar auszutauschen, ist heute tinderleicht. Mein Abschluss, meine Karriere, mein perfekter Partner. Aber was macht dieses Anspruchsdenken mit uns? Sollten wir wirklich den Partner suchen – statt einen zu finden? Hat Amor in seiner Blindheit am Ende immer noch bessere Trefferquoten als die Algorithmen der Partnerbörsen? Eine persönliche Lovestory, eine Psychologin und jede Menge Zahlen zur Großen Liebe im Jahr 2020. Und dazu, wie man sie findet – dank (oder trotz) moderner Helfer. 

Meine Freundin Marie hat Jan mit 17 auf einem Festival kennengelernt. Als die Zelte abgebaut und die beiden wieder daheim waren, lagen einige hundert Kilometer zwischen ihnen. Eine Handynummer von Jan hatte Marie nicht – und auch die Mails, die sie nach dem Festival täglich austauschten, schrieb Jan an der Uni: Einen Computer gab es in seiner WG noch nicht. Einige Jahre später haben die beiden geheiratet: Marie hat zwischen Dixie-Klo und Wellenbrecher keinen Partner fürs Leben gesucht – und ihn vielleicht gerade deswegen gefunden. Amor hatte für sie nur einen Pfeil im Köcher – aber es war ein Volltreffer.

Arbeitet man sich durchs Netz und versucht zu verstehen, wie Partnersuche heute funktioniert, muss man feststellen: Marie und Jan sind Dating-Dinos – Exemplare wie sie wird es in Zukunft wohl nicht mehr geben. Liebeshungrige von heute finden sich nicht mehr zufällig auf dem Zeltplatz – sie suchen gezielt nacheinander. 

Manchmal suchen sie dabei jemanden, von dem sie nur hoffen können, dass es ihn auch wirklich gibt. Sie swipen, chatten und machen das Date spätestens seit Corona zur Businesskonferenz: Aus dem Homeoffice in den Jour fixe mit der potenziellen Liebeskandidatin oder dem Liebeskandidaten – selten war Dating so durchstrukturiert und scheinbar berechenbar wie heute.  

Vertrauen ist gut, Algorithmus ist besser

Zwar sind laut einer Umfrage von Parship und ElitePartner aus dem Jahr 2017 die meisten Beziehungen noch ganz klassisch entstanden: Den Matchmaker machen immer vor allem gemeinsame Freunde, Bekannte, die Famile oder Nachbarn. Auch beim Feiern funkt es noch häufig nachhaltig. Inzwischen schlägt das digitale Kennenlernen fast alle analogen Flirtalternativen. Damit stehen soziale Medien, Flirtportale und Online-Partnervermittlung höher im Kurs als der erste Kontakt über ein gemeinsames Hobby oder vor dem Kennenlernen im Studium oder am Arbeitsplatz.

Umfrage [Quelle: ElitePartner, Parship]

Mister "Alright for now"

Abgesehen von der Frage nach dem Wo stellt sich in der heutigen Datinglandschaft mehr denn je die Frage nach dem Wonach: Wonach suche ich – und wonach nicht? Auf der Suche nach dem passenden Lebensgefährten stehen Singles heute schließlich so viele Wege offen wie nie zuvor.

In einer maximal flexiblen Welt ist auch das Angebot der möglichen Partner scheinbar unendlich – niemand muss sich mehr mit dem netten Jungen aus der Nachbarschaft oder der sympathischen Trainingspartnerin zufriedengeben. Wenn man schon in Studium und Karriere das Maximum herausholt, warum sollte man ausgerechnet in der Liebe mit dem (vermeintlichen) Trostpreis glücklich werden? "Wisch und weg" hat in Zeiten von Tinder & Co. eine ganz neue Bedeutung gewonnen.

Vor einigen Jahren rief der Kolumnist und Schriftsteller Michael Nast deswegen die "Generation Beziehungsunfähig" aus. Mit Erkenntnissen aus dem eigenen Liebesleben und Anekdoten aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis traf er einen Nerv. Seine These von einer Generation, die für immer auf der Suche ist, wurde zum Bestseller: "Wir arbeiten an unserer Karriere, an unserer Figur und daran, unseren Traumpartner zu finden, als wäre unser Leben ein Katalogentwurf, dem wir gerecht werden wollen", schreibt Nast in seinem Werk. "Die Beziehungs- und Bindungsunfähigkeit, von der heutzutage so viel geredet wird, ist nichts anderes als das Streben nach universeller Selbstverwirklichung, nach vermeintlicher Perfektion."

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