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Internationaler Vergleich

Für den Physiker Lars Breuer ist der Wechsel in die Industrie noch keine Option. Er jagt lieber Ionen durch den Teilchenbeschleuniger bei Darmstadt. "Richtige Physik", also die Erforschung dessen, was die Welt im Innersten zusammenhalte, könne ihm kein Unternehmen bieten. Eine Sicht auf die Dinge, die Junior-Professor Hannes Rothe, der Brückenbauer von der akademischen Welt in die Wirtschaft, durchaus versteht. Der Wechsel sei für viele Akademiker schwer. Auch deshalb dürfe man ihn keinesfalls als Scheitern verstehen. Sich früh mit Alternativen zum Herzensprojekt der akademischen Karriere auseinanderzusetzen zahle sich aus – selbst, wenn man der Universität erhalten bleibt: Denn auf diesem Weg entwickelten die Promovierenden ein gutes Gespür dafür, wie die Welt außerhalb der universitären Mauern funktioniert, sammelten zudem wertvolle Kontakte. Und das mache sich spätestens bei der Suche nach Forschungsgeldern bezahlt.

Internationaler Vergleich

Immer häufiger zieht es deutsche Studierende in die Ferne. Wo ein Studium im Ausland die Karriere besonders fördert, zeigt erstmals das europäische Hochschulranking der WirtschaftsWoche.

Wer die Sonne mag, geht nach Portugal. Wer vor allem Wert auf gutes Essen legt, sucht sich eine Hochschule in Frankreich oder Italien. Und wer günstig feiern will, macht sich auf in den Osten Europas. Ganz so einfach ist die Entscheidung bei einem Auslandsstudium natürlich nicht. Wer für ein Semester oder gar ein mehrjähriges Programm in ein fremdes Land umzieht, sollte sich schon noch eine weitere Frage stellen: Wie gut kommt die Hochschule meiner Wahl bei zukünftigen Arbeitgebern an?

Die Employer-Branding-Beratung Universum hat diese Frage nun erstmalig 590 Personalern gestellt. Das neue Hochschulranking der WirtschaftsWoche zeigt die europäischen Hochschulen, deren Absolventen sie besonders gern einstellen. Und es wird klar: Auf schönes Wetter und gutes Essen legen Personaler weniger Wert, denn besonders beliebt sind britische Hochschulen.

Auf den Plätzen eins und zwei finden sich die Universitäten Oxford und Cambridge, an dritter Stelle landet dann die ETH Zürich, ehe drei weitere Londoner Institutionen folgen. Diese Hochschulen hätten eine jahrhundertealte Tradition und damit auch ein großes Renommee, sagt Axel Keulertz, der das Ranking bei Universum betreut. Die Reputation locke besonders begabte Studenten und Professoren an, die den Erfolg der Einrichtungen noch weiter verstärkten. "Das ist wie ein Perpetuum mobile", so Keulertz.

Insgesamt zieht es immer mehr deutsche Studierende ins Ausland. Im Jahr 2000 waren es laut Statistischem Bundesamt nur 52.000, im Jahr 2017 schon 140.000. Das mit Abstand attraktivste Ziel war Österreich, was daran liegt, dass viele Fächer dort zulassungsfrei sind und zudem kaum eine Sprachbarriere existiert. Keine der Hochschulen des Landes schaffte es allerdings in das aktuelle Ranking. Dass die Deutschen so zahlreich Auslandssemester absolvieren, dürfte auch die Personaler freuen: So erhöhen sie ihre interkulturelle Kompetenz und ihre Sprachkenntnisse, was gerade für eine Exportnation wichtig ist.

Doch bei derart wachsenden Zahlen wird es für die Studierenden schwerer, sich von anderen abzuheben. Während drei Monate im Austauschprogramm früher noch als intensive Auslandserfahrung den Lebenslauf aufwerten konnten, gehört das heute zum Standard. Um so mehr lohnt ein Blick auf das Ranking.

Gerade die elitären britischen Institutionen machen es Studieninteressierten allerdings nicht leicht. "An deutschen Hochschulen sind die Eintrittsbarrieren deutlich geringer", sagt Axel Keulertz. Dagegen würden Oxford oder Cambridge nicht nur hohe Studiengebühren verlangen, sondern auch äußerst knifflige Aufnahmetests stellen. Keulertz rät Studierenden daher, sich eine Frage zu stellen, bevor sie es bei einer der europäischen Top-Hochschulen versuchen: Sind mir beruflicher Aufstieg

und Internationalität gleichermaßen wichtig? Sei das der Fall, seien diese Unis genau richtig. Gehe es ausschließlich um berufliches Vorankommen, würden Studierende auch hierzulande fündig: Es gebe auch in Deutschland "Hochschulen, mit deren Abschluss man von Unternehmen mit offenen Armen empfangen wird".

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