Partner von:

Heirate dich doch selbst

Sich selbst der nächste

Einen ganz anderen Einblick in die Denke der Singles aus Überzeugung liefert der #marrymyself, unter dem vornehmlich junge Frauen ihre Hochzeit der besonderen Art teilen. Denn geehelicht wird nicht der Partner fürs Leben, sondern die eigene Person – gerne auch vor dem Spiegel. Vom Brautkleid über die Torte bis zur feierlichen Location unterscheiden sich die Ego-Trauungen in nichts von einer konventionellen Hochzeit. Nur, dass es bei der Feier nicht um die Liebe eines Paares geht, sondern um die Zuneigung eines einzelnen Menschen zu sich selbst. "I have decided I'm gonna marry myself! I will be faithful to myself, I will honor and love myself for eternity, I will be my best friend forever, I will be gentle and caring to myself, I will never leave my side […]", erklärt beispielsweise die Reggea-Sängerin Lucy Galland ihre Eheschließung mit sich selbst.

Zwar sagt dieses Verheiratet-Sein mit sich selbst nichts über den Beziehungsstatus aus (eine Paarbeziehung ist zumindest zu einem späteren Zeitpunkt denkbar). Doch über die ideologische Aufladung des Single-Seins spricht die Zeremonie Bände. Selbstverwirklichung, Selbstbewusstsein und Selbstachtung haben oberste Priorität im Leben der Ego-Bräute – und der Weg hierhin führt über das bewusste Alleinsein. Nur, wer sich im Leben schon einmal auf sich selbst zurückgezogen hat, kann DIE Kompetenz schlechthin erlangen, nämlich, mit sich selbst und für sich selbst zu leben.

Ist also eine gesunde Beziehung zu sich selbst der Grund, warum einige überzeugte Alleinstehende potentielle Partner abblitzen lassen? Dafür sprechen auch die Zahlen der Umfrage unter e-fellows, von denen ein Drittel ihr bewusstes Single-Leben damit begründete, "erst einmal alleine klarkommen zu wollen": Eigenständigkeit und Zufriedenheit ohne Partner scheint in der Welt der Deckellosen ein Wert für sich, dem eine sich anbahnende Beziehung im Zweifel zu opfern ist.

Das Single-Leben als Testphase

Warum nur einen attraktiven Menschen in sein Leben lassen, wenn die Welt voll davon ist? Natürlich ist auch der Hang zur Promiskuität ein Faktor bei der Entscheidung, bewusst Single zu bleiben. Immerhin zehn von 60 e-fellows gaben an, keinen festen Partner zu haben, um sich sexuell nicht festlegen zu müssen.

Im Extremfall hat die Libertinage sogar Methode: Besonders planvolle Singles strukturieren ihr Liebensleben mithilfe des Optimal-Stopping-Theorems. Sie bleiben eine längere Zeit ungebunden, um sich einen Überblick über die "Marktlage" zu verschaffen und anschließend auf optimaler Datengrundlage den perfekten Partner auszuwählen. "Die Lösung bringt das optimal stopping theorem – man "sampled", bis man etwa 37 Prozent der möglichen "Dating-Zeit" rum hat, und bleibt danach bei dem Partner, der besser als der Beste aus den ersten 37 Prozent ist", erklärt ein Umfrage-Teilnehmer die Theorie hinter effizienz- und ergebnisorientiertem Single-Dasein.

Sogar der ideale Zeitpunkt, das überzeugte Single-Leben zugunsten einer Partnerschaft aufzugeben, lässt sich auf diese Art und Weise berechnen: Man multipliziere die potenzielle Dating-Zeit (beispielsweise 40 Jahre) mit 0,37 und addiere sie zum Lebensalter, in dem man anfängt, zu daten (beispielsweise im Alter von 15 Jahren): Schon weiß man, dass es mit 29,8 Jahren Zeit wird, den Junggesellenhut an den Nagel zu hängen. Dumm nur, wenn der perfekte Partner schon im ersten Drittel dabei war …

Von den Hoch-Hinaus-Singles über die Selbstliebhaber bis hin zu den Libertins und Datensammlern: Gründe, auf einen Partner zu verzichten, gibt es viele. Jetzt braucht es nur noch Vorbilder, die das Single-Dasein als bewusste Entscheidung salonfähig machen – und ein neues Kochgerät, das die Vielfalt moderner (Nicht-)Bindungs-Optionen abbildet.

nach oben

In der e-fellows.net community diskutierst du mit anderen Stipendiaten und Alumni über Studium, Karriere und das Leben.

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentar (1)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

  1. Anonym

    Es kommt mir oft so vor, als hätten viele in Deutschland noch nie davon gehört, aber es gibt auch Menschen, die Andere tatsächlich einfach nicht attraktiv finden (unabhängig vom Geschlecht). Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 1% der Weltbevölkerung asexuell ist (Anmerkung: ich schließe aromantisch gerade mit ein, da vielen eine Trennung der beiden Kategorien ebenfalls nicht bekannt sein wird). Ich habe noch nie ein Date gehabt und finde den Gedanken daran ehrlich gesagt abstoßend. Natürlich freue ich mich für meine Freunde und Familienmitglieder, wenn diese in ihren Beziehungen glücklich sind, aber für mich selbst kann ich mir so etwas überhaupt nicht vorstellen.

Das könnte dich auch interessieren