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Ab ins Krankenhaus

Und die Hausärztin Irmgard Landgraf, die erste Anlaufstelle für Patienten, beschreibt anhand eines Falls, wie sie die Situation der Menschen zu Hause einschätzt: Eine junge Frau rief an, sie wohnt auf dem Land. Videoberatung wäre besser, haben aber die wenigsten Ärzte in Deutschland bislang eingerichtet (bekommen). Die Frau hat seit einer Woche Fieber, trockenen Husten und fühle sich zunehmend schwächer. Im Umfeld ihres Mannes, der die gleichen Symptome habe, seien einige positiv getestet. Die Frau klagt, sie könne weder Hausarzt noch Amtsarzt erreichen und fühle sich allein gelassen.

Haus- und Amtsärzte seien überlastet, sagt nicht nur Irmgard Landgraf, Vorstandsmitglied im Aktionsbündnis Patientensicherheit. Patienten erreichten oft nur Warteschleifen und Mailboxen, seien dann häufig auch selbst nicht erreichbar, bekämen weder einen Termin noch eine Beratung noch einen Test.

Also sagt die Hausärztin Anruferinnen und ihren Patienten, die zu Hause sind und bleiben sollen: Wenn sich das Fieber erhöht, das Krankheitsgefühl verschlimmert und man beginnt, Luftnot zu bekommen: Sofort beim nächsten Krankenhaus anrufen! Und die Professorin Spies verweist auf sicherere Tests auf Antikörper und per Computertomografie: "Für mich wäre das Prozedere, sich in der jetzigen Zeit alle Patienten mit Fieber melden zu lassen, egal welche Symptome der Patient hat." Wenn wir es wirklich gut machen wollten, überlegt sie weiter, "müsste man neben dem Fieber zweimal täglich auch die Atemfrequenz zählen und wenn diese über 22 in der Minute liegt, auch die Sauerstoffsättigung".

Sie verweist mit Nachdruck auf eine Studie chinesischer Mediziner: Die konnten anhand von Computertomografien der Lunge viel früher und genauer als anhand der gängigen Abstrichtests im Rachenraum erkennen, wer wie schwer erkrankt war. Denn die Bilder zeigten in bis zu einem Drittel der Fälle eine angegriffene Lunge – während sich die Patienten oft noch gar nicht richtig krank fühlten.

Die Klinikdirektorin Spies musste in den letzten Tagen übrigens zu Hause bleiben. Sie wurde negativ auf Sars-CoV-2 getestet. Und hat "hoffentlich nur" eine Grippe. Raucht nicht und wurde am 6. April 59 Jahre alt.   

Boris Johnson konnte die Intensivstation mittlerweile wieder verlassen.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    In der Tat ein interessanter Artikel. Und sicher ist es nie gut, eine Gefahr zu unterschätzen. Gefahren sollten aber auch nicht überschätzt werden. In Deutschland ist bisher eine Person unter 40 an COVID-19 gestorben [https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.04.11.20061721v1.full.pdf, S. 4]. Das ist ohne Zweifel tragisch. Daraus folgt zwar auf der einen Seite, dass es natürlich möglich ist, auch als junger gesunder Mensch an COVID-19 zu sterben. Aber andererseits folgt daraus auch, dass die Wahrscheinlichkeit sehr sehr gering ist, meines Erachtens vernachlässigbar gering. Um sich selbst brauchen sich junge Menschen also im Allgemeinen keine Sorgen machen.

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