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Von Zielen und Inseln

Regel Nummer 3: Steck dir realistische Ziele

Ganz ungefährlich leben aber auch Stalker wie ich nicht. Schon der Mere-Exposure-Effekt will nämlich, dass ich etwas plötzlich attraktiv finde, nur, weil ich es oft sehe. Und so wie früher Hollywood die patriarchale Beziehung zwischen Männlein und Weiblein auf 8 Millimeter zementierte, prägen heute die sozialen Medien, was wir von unserem Partner erwarten. Alle, einfach alle Instagram-Paare machen irgendwann Urlaub auf den Seychellen – und irgendwann bin folglich auch ich mit unserem Nordseetrip nicht mehr zufrieden.

Die Konsequenz für Langzeitpärchen Jan und Alica? Wünsche und Erwartungen werden erst einmal auf ihre Herkunft abgeklopft. Ist dem Partner ein Anliegen wirklich wichtig, oder nur, weil Soziale Liebhaber es zum Schlüsselmerkmal glücklicher Beziehungen stilisiert haben? Was die beiden intuitiv richtigmachen, ist auch ein Grundprinzip der systemischen Paartherapie. Hier lernt jedes Paar, zu fragen, aus welchem Kommunikationssystem ein Wunsch stammt. Erkennt ein Partner erst, dass Facebook der Vater des Wunsches war oder das Elternhaus oder der beste Freund, dann lösen sich viele Begehrlichkeiten in Luft auf.

Ich mache den Test: Warum nochmal Seychellen? Ich mag weder langweiligen Strandurlaub noch Hitze noch Tauchen noch Schicki-Micki-Hotels. Ich würde mich langweilen, fett werden und mir den Sonnenbrand meines Lebens holen. Warum also nochmal Seychellen?

"Überleg dir lieber, welche Bedürfnisse und Wünsche du selbst mit in die Beziehung bringst", rät Jan. "Wir machen keine Fässer auf wegen etwas, das wir eigentlich gar nicht wollen."

Regel Nummer 4: Schafft euch Inseln

Die Rolle von Bedürfnissen, und zwar den echten, betont auch Paartherapeutin Alexandra Hartmann: "In jeder Beziehung gibt es Wünsche und Anliegen – und werden diese nicht innerhalb der Beziehung bedient, werden sie ausgelagert. Das kann zum Problem werden - Bedürfnisse gehören deswegen angesprochen!" Ihr sagen: "Keine Zeit mehr mit doofen Serien verplempern", notiere ich mir. "Und mehr draußen unternehmen." Nur: Wann spreche ich das nochmal an? Und wann setzen wir unsere Pläne dann um?

"Ich schlage Leuten mit einem vollen Terminkalender vor, sich für die Beziehung feste Termine zu setzen, sich Inseln zu schaffen", rät mir Alexandra Hartmann. Mein Partner – ein Termin im Kalender? "Ja, viele finden das unromantisch. Aber zum Beginn der Beziehung war das ganz normal: Damals hast du dich auch zu Dates verabredet. Warum sollte das jetzt nicht mehr gehen?"

Regel Nummer 5: Hör auf die Franzosen!

Sich Inseln schaffen, Freundlichkeiten ablegen, falsche Wünsche killen, richtige Vorbilder suchen: Das ist also das Fazit meines Artikels. Und auch das Geheimrezept für die Beziehung ohne Ablaufdatum? Sicher nicht. Wenn mir der tiefe Blick in die Schreibstube Internet und meine Recherchen im wahren Leben etwas gezeigt haben, dann, dass ich allenfalls ein paar Grundzutaten für ein Gericht gefunden habe, das jeder ein bisschen anders kocht. "Acht Anzeichen für eine glückliche Beziehung", "Fünf Tipps für dieses", "Vier Aussagen über jenes" – du kennst das Spiel.

Doch anders als das Internet habe ich ein Faible für französische Chansons und bin mir sicher: Ich konnte gar nichts anderes finden! Und so lehne ich mich zurück, weiß, dass ich vieles falsch mache und einiges richtig, und dass das immer so sein wird, und ich summe vor mich hin:

Faut pas généraliser
Y'a sûrement plein d'exceptions
Les étudier, les cerner
C'est mon credo, ma mission

C'est une longue étude, un art
Qu'on comprend quand c'est trop tard.

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