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Bürostuhlakrobatik in Bethlehem

Lehigh University in Bethlehem, Quelle: e-fellows.net

Lehigh University in Bethlehem, Quelle: e-fellows.net

Was lockt einen spanischen Hersteller von Büromöbeln nach Nordamerika? Diese Frage beschäftigte Sabine beim 'Global Village' in Bethlehem, Pennsylvania. Denn genau das sollte sie bei dem Programm für Führungskräfte schaffen. Sie führte mit ihrem Team eine Marktstudie durch und telefonierte dafür einmal um die Welt.

Durch eine Ausschreibung an meiner Universität wurde ich auf das "Global Village" aufmerksam. Ich hatte das Glück, dass mein Doktorvater mich bei der Bewerbung sehr unterstützte. Mich hat an dem Programm an der Lehigh University in Bethlehem, Pennsylvania, vor allem die Internationalität angesprochen. Zudem wollte ich meine wirtschaftlichen Kenntnisse in diesem praxisnahen Programm ausbauen.
 

Multikulti in Bethlehem
Vom 28. Juni bis 9. August wohnte ich mit 105 Teilnehmern aus 52 Ländern in Bethlehem zusammen. Vorkenntnisse sind für das Programm im Prinzip keine nötig. Studenten aller Studiengänge können teilnehmen. Es ist nicht so wichtig, was man schon alles geschafft und erlebt hat. Vielmehr geht es den Veranstaltern darum, dass man im Global Village etwas lernt und sich weiterentwickelt. Die Teilnehmer sollen jedoch möglichst gemischt sein. Das heißt, ein Jurist würde nicht angenommen, wenn bereits zwei andere deutsche Juristen zum Programm zugelassen wurden. Die besten Chancen hat man also, wenn man sich frühzeitig bewirbt.
 

Stipendien für die Teilnahmegebühr
Die Teilnahmegebühr ist mit 6.500 Dollar recht hoch. Allerdings vergibt das Iacocca Institut in den meisten Fällen ein Teilstipendium von 3.000 Dollar. Ich habe ein weiteres Stipendium von meiner Universität bekommen, so dass ich hauptsächlich für Flug- und Lebenshaltungskosten selbst aufkommen musste. In der Teilnahmegebühr sind die Unterkunft im Studentenwohnheim und Ausflüge nach New York und Washington inbegriffen. Bei den Ausflügen besucht man Vorträge und macht Exkursionen. Es bleibt aber auch ein wenig Zeit, um die Städte anzusehen.
 

Interaktives Seminarprogramm
Aus über 50 Kursen und Vorträgen kann jeder Teilnehmer seinen persönlichen Stundenplan zusammenstellen. Im Angebot sind sowohl Wirtschaftsthemen wie "Managing Joint Ventures and Alliances" als auch Soft Skills wie "Team-Building" oder "Self-Leadership". Neben Diskussionsrunden, zum Beispiel zum Thema Globalisierung, halten Geschäftsinhaber oder Botschafter auch Vorträge über ihren Berufsalltag. Wir haben aber auch örtliche Firmen und Produktionsanlagen besucht.

Joint-Venture-Planspiele
 Eine unserer Aufgaben war es, eine Fallstudie zu einem Joint Venture zu bearbeiten. In einem Country Panel standen vier Länder im direkten Wettbewerb. Jedes Team hatte die Aufgabe, einen Unternehmer davon zu überzeugen, in sein Land zu investieren. Deutschland trat gegen Italien, Spanien und Portugal an. Der Investor war der Telekomzulieferer "Alcatel & Lucent". In der Fallstudie sollten wir ihn überzeugen, ein Joint Venture in unserem Land aufzubauen. Wir informierten uns im Internet über die wirtschaftliche Lage Deutschlands und recherchierten wirtschaftliche Anreize für Investitionen. Wir konnten zwei potentielle Partner für das Joint Venture benennen und damit ein konkretes Angebot unterbreiten. Deshalb überzeugten wir den Investor und setzten uns gegen die anderen Länder durch.
 

Marktstudien für echte Kunden
 Ein Consulting-Projekt haben wir in Teams von ungefähr sieben Teilnehmern bearbeitet. Sie kamen alle aus einem anderen Land und sprachen zumeist nicht Englisch als Muttersprache. Das Projekt lief über die gesamte Programmdauer und war daher der wichtigste Teil. Im Gegensatz zum Country Panel war das Projekt nicht simuliert, das heißt, es wurde von einem realen Kunden in Auftrag gegeben. Ein erfahrener Projektbetreuer, der häufig selbst vor einigen Jahren am Global Village teilgenommen hat, hilft der Gruppe. Er greift jedoch nicht selbst in die Teamdynamik ein.
 

Spanische Bürostühle in Nordamerika
In meinem Fall war der Kunde ein spanischer Hersteller von Büromöbeln. Wir sollten untersuchen, ob das Unternehmen in den nordamerikanischen Markt expandieren kann. Dazu recherchierten wir im Internet und führten eine Umfrage mit Vertretern durch, in der wir die Nachfrage im Markt und den Geschmack für Büromöbel in den USA herausfanden. Zudem fragten wir die Vertreter, welche Tipps und Empfehlungen sie einem neuen Markteinsteiger geben würden. Wir verfassten einen Projektbericht, der die Situation im Markt, die Auswertung der Umfrage und spezielle Empfehlungen für den Markteinstieg enthielt. Am Ende des Projekts besuchte uns die Exportmanagerin der Auftragsfirma, um sich unsere Präsentation anzusehen. Die Kundin und auch wir selbst waren sehr zufrieden mit unseren Ergebnissen, die wir in der kurzen Zeit neben vielen anderen Verpflichtungen erzielt hatten.
 

Ein Team aus aller Herren Länder
 Das Consulting-Projekt war die größte Herausforderung. Die anderen Teilnehmer meiner Gruppe kamen aus China, Frankreich, Iran, Italien, Panama und Tibet. Anfänglich war es schwierig, das Team auf einen gemeinsamen Weg zu bringen. Das Hauptproblem lag in der mangelnden Kommunikation. Einige Teammitglieder, die sehr gut Englisch sprachen, trafen im Alleingang schnell Entscheidungen. Andere Teilnehmer hingegen, die mehr Probleme mit der Fremdsprache hatten oder von Natur aus schüchterner waren, kamen nicht zu Wort. Es hat uns sehr geholfen, dass wir uns an einem Tag als Gruppe zusammengesetzt haben. Wir verstanden, dass wir die Meinung aller Teilnehmer anhören müssen und uns alle einbringen müssen, um als Team zu funktionieren. Ich kann sagen, dass ich durch dieses Projekt und die interkulturelle Zusammenarbeit sehr viel über die Arbeit in einem Team und den Umgang miteinander gelernt habe.
 

Eintauchen in fremde Welten bei der Culture Night
 Bei den wöchentlichen Culture Nights steht der kulturelle Austausch im Vordergrund. Die Teilnehmer eines Landes bereiten gemeinsam traditionelles Essen vor und zeigen an geschmückten Ständen Informationsmaterial und Fotos ihrer Heimat. Viele verteilen auch kleine Geschenke und Souvenirs. Außerdem stellen sie jedes Land in einer kurzen Präsentation vor, und es werden Tänze zu landestypischer Musik aufgeführt.
 

Baseballspiele der "Wunderklasse"
 Ein besonderes Ereignis war der Besuch der "Miracle League", einer Baseballmannschaft für geistig oder körperlich behinderte Kinder. Die Kinder brauchen Hilfe beim Schlagen des Balls oder müssen im Rollstuhl über das Spielfeld geschoben werden. Die Teilnehmer des "Global Village" präsentieren sich vor dem Spiel mit ihren Nationalflaggen und traditionellen Kleidern beim "Einmarsch der Nationen". Während des Spiels ist jeder für ein Kind verantwortlich. Mit den Kindern zu spielen macht unheimlich viel Spaß, und es ist ein schönes Gefühl, die Kinder dabei so fröhlich zu sehen.
 

Mein persönliches Fazit
 Es war beeindruckend, sich in einer so besonderen Umgebung aufzuhalten, was Kulturen, Sprachen, berufliche und persönliche Erfahrungen angeht. Das "Global Village" ist eine äußerst individuelle Erfahrung, da jeder Teilnehmer mit seinem persönlichen Mentor ein auf seine Erwartungen und Wünsche zugeschnittenes Programm zusammenstellt.
 

Freunde in der ganzen Welt
 Die sechs Wochen im "Global Village" waren eine einmalige Erfahrung für mich. Ich habe viele Freunde in aller Welt gefunden, mit denen ich mich auch nach dem Programm noch mal getroffen habe. Im Consulting-Projekt habe ich zum ersten Mal real für eine Firma gearbeitet. Diese Erfahrung und das Teamtraining sind unverzichtbar und haben mich sicherlich gut auf zukünftige Projekte und Auslandseinsätze im Berufsleben vorbereitet. Was bleibt, ist die Mitgliedschaft in einer großen, internationalen Familie. Denn alle ehemaligen Teilnehmer - inzwischen über 1.000 - bleiben als Alumni vernetzt. Ich freue mich schon auf die jährlichen Treffen.

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