Partner von:

"Liebe dein Bett wie dich selbst"

Die Bucht von Kotor

Die Bucht von Kotor

Monte... wo? Leider ist der Balkan den meisten am ehesten aus Medienberichten zu Zeiten des Krieges und des NATO-Bombardements in Erinnerung geblieben. Eher ungläubig wird man angeschaut, erzählt man Freunden von Urlaub im ehemaligen Jugoslawien. Doch völlig zu Unrecht. So war nicht nur die Küste Jugoslawiens vor den 90ern ein beliebtes, relativ preiswertes und sehr schönes Reiseziel. Insbesondere auch deutsche Touristen konnte man hier antreffen.

Viel Land, wenige Einwohner

Mehr über Montenegro: Das Land liegt an der Adriaküste, südöstlich von Kroatien sowie Bosnien und Herzegowina, nordwestlich von Albanien. Im Nordosten schließt sich Serbien an. Montenegro liegt in etwa auf gleicher Höhe mit Rom. Die Hauptstadt ist Podgorica; politisch bildet Montenegro einen Zusammenschluss mit Serbien. Seine Fläche beträgt zwei Fünftel von Nordrhein-Westfalen, aber mit 650.000 Einwohnern besitzt es lediglich einen Bruchteil der Einwohner Nordrhein-Westfalens.

Sandstrände, Hochgebirge und ein riesiger Canyon

Landschaftlich jedoch könnte Montenegro nicht abwechslungsreicher sein. Der Südwesten des Landes liegt an der Adriaküste mit vielen Bergen, sehr klarem Wasser und wunderschönen Stränden. Im Gegensatz zu Kroatien gibt es in Montenegro auch viele Sandstrände. Der Nordosten ist Berge und Natur pur. Die höchsten Berge reichen über 2.500 Meter, viele andere über 2.000 Meter. Viele wissen nicht, dass Montenegros Tara-Canyon (bis zu 1.300 Meter tief) der zweitgrößte Canyon der Welt ist, nach dem Grand Canyon in den USA. Den Tara-Canyon und seinen umschließenden Durmitor-Nationalpark erklärte die UNESCO zusammen mit der Altstadt Kotors zum Bestandteil des Welterbes.

Auf Einladung des Professors ins unbekannte Land

Ausgangspunkt war ein Forschungsaufenthalt eines Professors der Universität Montenegros, mit der unsere FH seit kurzer Zeit eine Partnerschaft pflegt. Während seines Aufenthalts bot er uns an, dass wir bei Interesse unsere Diplomarbeit in Montenegro schreiben können. Ein Land, von dem ich kaum etwas wusste - weder von seiner Geschichte oder seiner geographischen Lage, noch von der dort gesprochenen Sprache. Kurzum, ideal für einen Auslandsaufenthalt. Und so begann ich, meine Zeit an der Uni in Podgorica zu planen.

Die zehn montenegrinischen Gebote

In Montenegro angekommen lernte ich schnell die ersten essenziellen Wörter. Eines beispielsweise ist "polako", auf Deutsch "langsam". Zum weiteren Verständnis der Mentalität seien an dieser Stelle Auszüge der so genannten zehn montenegrinischen Gebote zitiert:

  • Liebe dein Bett wie dich selbst.
  • Ruhe tagsüber, damit du nachts besser schlafen kannst.
  • Was du heute kannst besorgen, verschiebe auf morgen.
  • Solltest du das tiefe Verlangen nach Arbeit verspüren, so setze dich, entspanne dich und du wirst sehen, das Verlangen vergeht.

Bei aller Selbstironie: Das Leben in Montenegro ist hart

Aber Spaß beiseite. In der Tat wird die montenegrinische Faulheit immer wieder betont, sogar von den Montenegrinern selbst. Selbstironie? Insgesamt kann man zwar sagen, die Mentalität auf dem Balkan ist entspannter als unsere. Auch trifft man sich oft in Cafés und plaudert miteinander. Aber durch die schwierige wirtschaftliche Lage benötigen viele Leute zusätzliche Nebenjobs und müssen hart für ihren Unterhalt arbeiten.
Trotz der schwierigen Verhältnisse zeichnet die Montenegriner jedoch ein tiefer Stolz und eine enorme Gastfreundschaft aus. Der Gast ist König, ihm wird wirklich auch das eigene Bett angeboten. Das regt zum Denken an, denn in vielen anderen Ländern hat man mehr und gibt weniger.

Wichtig sind Familientradition und viel Vitamin B

Die Gesellschaftsstruktur ist stärker patriarchalisch als bei uns. Der Familie wird eine höhere Bedeutung beigemessen und sie unterstützt sich gegenseitig. Der Kreis der Familie zieht sich auch sehr viel weiter. Dass Montenegriner ihre Vorfahren bis zu sechs Generationen zurück sehr genau kennen, ist keine Seltenheit. Ob im Beruf oder in der Gesellschaft, Beziehungen (Vitamin B) spielen eine noch stärkere Rolle als bei uns.

Sprachlicher Wirrwarr – aus politischen Gründen

Um die heute herrschende Sprachverwirrung zu entwirren, muss man wissen, dass es zur Zeit Jugoslawiens drei verschiedene Sprachen gab:

  • Serbokroatisch in den Ländern Kroatien, Serbien, Montenegro und Bosnien und Herzegowina
  • Slowenisch in Slowenien
  • Mazedonisch in Mazedonien

Mit der Aufteilung Jugoslawiens teilte sich auch die serbokroatische Sprache auf – mindestens in Kroatisch und Serbisch, höchstens in Kroatisch, Serbisch, Bosnisch, Herzegowinisch und Montenegrinisch. Doch diese Aufsplittung hat eher einen politischen Hintergrund, da die Unterschiede zwischen den einzelnen Sprachen nicht sehr stark sind.

Die Menschen als Spielball der Politik

Die Aufteilung der Sprache konfrontiert einen auch direkt mit der Geschichte des Balkans – mit dem Krieg, mit seinen Beweggründen und Auswirkungen. Spricht man mit den Menschen, so merkt man, dass viele wirklich nicht verstehen, warum ein Krieg entstand. Man gewinnt den Eindruck der Menschen als Spielball der Politik und als Opfer eigennütziger Motive weniger. Dies regt auch sehr zum Nachdenken an.

Nicht nur das Land ist toll – auch die Forschung ist gut

Durch die Gastfreundschaft der Universität und des Landes wusste ich mich gut aufgehoben und konnte so meine Diplomarbeit zu einem guten Ende bringen. Fachlich war der Aufenthalt ebenfalls ein echter Zugewinn, konnte ich doch für meine Arbeit über sich bewegende Objekte in Videosequenzen mit der Time-Frequency Signal Analysis Group der Universität zusammenarbeiten und sehr viel Neues lernen. Mein Kolloqium hielt ich dann auch in Montenegro, zwar nicht auf Serbo- kroatisch, doch aber auf Englisch.

Mein Fazit

Mit meinem Aufenthalt in Montenegro bin ich mehr als zufrieden. Ich habe sehr viel über Montenegro sowie den gesamten Balkan lernen können. Abschließend kann ich einen Aufenthalt im Balkan jedem wirklich sehr ans Herz legen.
 

nach oben

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.