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Studieren in Cambridge – zwischen Tradition und modernem Standard

Das Christmas Diner in Cambridge

Das Christmas Diner in Cambridge

Cambridge – das ist doch nur etwas für Genies mit genug Geld. So denken viele Leute über die zweitälteste Universität in England. Hätte mir vor drei Jahren jemand gesagt, dass ich einmal mein volles Studium an der britischen Eliteuniversität absolvieren würde, ich hätte denjenigen für verrückt erklärt. Aber wie so oft im Leben kam alles anders.
 

Traum Auslandsstudium
 Im Ausland studieren – das war schon immer ein Traum von mir. Doch erst nach einem Praktikum bei der Firma Burkhardt begann ich mich ernsthafter über ein Studium in Großbritannien zu informieren. Der stellvertretende Geschäftsleiter der Firma ist Engländer und schlug mir vor, doch mal über ein Studium in Oxford oder Cambridge nachzudenken. So kam es, dass ich mich Anfang Oktober 2004 für ein Studium in Engineering an der University of Cambridge bewarb.
 

Hohe Anforderungen
 Nach viel Papierkrieg, zwei Interviews und einem Mathetest kam im Januar eine Zusage - allerdings geknüpft an die Bedingung, dass ich einen Abi-Durchschnitt von 1,3 mit entsprechend hohen Punkten in Mathe und Physik schaffe. Fünf Monate später war das Abitur mit 1,0 bestanden und dem Studium im englischen Cambridge stand nichts mehr im Wege.
 

Viel Programm in der ersten Woche
 Im Oktober 2005 war es dann endlich so weit. Mit viel Vorfreude, aber auch einem mulmigen Gefühl im Bauch, flog ich über den Ärmelkanal. Und dort kam ich gleich in den Genuss der in England berühmten und beliebten "fresher's week". Diese Woche gibt es an allen britischen Universitäten. Sie soll den Studenten, die aus allen Teilen des Landes und der Welt kommen, erleichtern sich einzuleben und kennen zu lernen. Eine ganze Woche finden die unterschiedlichsten Veranstaltungen statt: Zum einen sind da offizielle Ereignisse wie Einschreiben, erstes Treffen mit den Tutoren, offizielles Foto und das traditionelle "Matriculation Dinner" im alten Speisesaal des Colleges. Daneben finden noch eine ganze Reihe von Studenten organisierte Aktivitäten statt: Egal ob Standrundgang, Kneipentour oder Vorstellung der zahlreichen Freizeitaktivitäten und sonstigen Gruppen, in dieser Woche wird es bestimmt niemandem langweilig.
 

Lebensraum College
 Nach der "fresher's week" kehrte das normale Studentenleben ein. Und das spielt sich einerseits in der Fakultät und andererseits im College ab. Die Universität besteht nämlich aus über 30 Colleges, die Studenten aller Fachrichtungen aufnehmen und sowohl fachlich als auch persönlich betreuen. Die einzelnen Colleges unterscheiden sich in Größe, Lage, Alter und zum Teil auch in den Fächern, die angeboten werden. Aber das College ist kein reines Studentenwohnheim, sondern Zentrum des Studentenlebens. Jedes College hat eine Vielzahl eigener Einrichtungen: In der Kantine werden alle Hauptmahlzeiten angeboten; die Bibliothek ist ein idealer Ort zum Lernen. In der Kapelle finden regelmäßig Gottesdienste für Angehörige fast aller Religionen statt. Und die Bar oder der Aufenthaltsraum eignen sich ideal um abends nach dem Lernen noch ein bisschen mit seinen Freunden zu entspannen. Für Ausgleich zum Studium sorgen verschiedene kulturelle und sportliche Freizeitangebote. Da fast alle Studenten für die gesamte Dauer ihres Kurses im College leben, fällt es leicht, schnell viele neue Kontakte zu knüpfen und Freundschaften aufzubauen, auch über das eigene Fach und den eigenen Jahrgang hinaus.
 

Breitgefächertes Grundstudium
 Die meiste Zeit nimmt aber das eigentliche Studium in Anspruch. Pro Woche verbringt man 40 bis 50 Stunden mit Studieren. Mein Studiengang ist ein ingenieurwissenschaftlicher Studiengang, der in den ersten zwei Jahren Grundkenntnisse aller Ingenieurdisziplinen von Maschinenbau über Elektrotechnik bis Bauingenieurwesen vermittelt. Erst in den folgenden zwei Jahren kann man sich in einer bestimmten Fachrichtung spezialisiert. Nach vier Jahren hat man dann hoffentlich seinen Master of Engineering in der Tasche.
 

Rhythmus Trimester
 Anders als in Deutschland ist das Studium in Großbritannien nicht in Semester, sondern in Jahre eingeteilt, die wiederum aus drei Trimestern bestehen. In Oxford und Cambridge sind diese Trimester mit jeweils acht Wochen extrem kurz, aber dafür sehr intensiv. Die Zeit zwischen den Trimestern verbringt man zu Hause, was allerdings nicht heißt, dass man Ferien hat. Es wird schon dafür gesorgt, dass man durch Wiederholung des Stoffs, Aufgaben und Projekte nicht wieder alles vergisst. Das dritte Trimester ist Prüfungstrimester, in dem weniger Vorlesungen stattfinden, aber dafür die Prüfungen vorbereitet werden müssen.
 

Intensive Betreuung
 Sowohl das College als auch die Fakultät sind maßgeblich an der Lehre beteiligt: Die Fakultät organisiert die Vorlesungen, Praktika und Prüfungen für alle Studenten des Faches, während das College für die individuelle fachliche Betreuung verantwortlich ist. Jeder hat einen "Director of Studies", der bei der Fächerwahl hilft und für den Lernerfolg der Studenten verantwortlich ist. Er organisiert außerdem "Supervisions". Das sind Privatstunden vom Director of Studies oder Doktoranden für einen bis zu drei Studenten, in denen das in den Vorlesungen gewonnene Wissen vertieft wird und Aufgaben besprochen werden. Doch trotz dieser intensiven Betreuung wird viel Wert auf selbstständiges Arbeiten gelegt.
 

Ein bisschen wie Harry Potter
 Neben dem harten Studium findet sich aber noch genug Zeit für anderes: Es locken zahlreiche Freizeitangebote im College oder universitätsweit. Das Angebot reicht dabei von verschiedenen religiösen oder kulturellen Aktivitäten über fast alle Sportarten, die es gibt, bis hin zu der Mitgliedschaft bei fachlichen oder menschenrechtlichen Organisationen. Aber Cambridge hat noch mehr zu bieten: Als besonderes Ereignis empfinde ich immer wieder das "Formal Hall Dinner". Das ist ein besonderes Abendessen im alten Speisesaal des College, zu dem sich alle Studenten etwas herausputzen und ihre "gown" (eine schwarze, akademische Robe) anziehen müssen. Wer Harry Potter gesehen hat, kann sich ungefähr vorstellen, wie es aussieht: lauter Studenten im schwarzen Umhang an langen Tischen in einem alten mit Kerzenlicht beleuchteten Saal.
 

Hommage à Cambridge
 All meine Erlebnisse in diesen Bericht zu packen, ist unmöglich. Höhepunkte waren bestimmt das Christmas Dinner Anfang Dezember, die Aufführung des Musicals meines College, bei dem ich mitgewirkt habe, die traditionellen Ruderrennen der Colleges im Juni und die legendären "Mayballs". Aber es sind nicht nur die besonderen Ereignisse, die das Studium in Cambridge so besonders machen. Die Stadt hat ihre ganz eigene Atmosphäre: Auf den Straßen hört man viele unterschiedliche Sprachen, denn Cambridge zieht Studenten und Touristen aus der ganzen Welt an. Und wenn ich jeden Tag auf dem Weg vom College zur Fakultät an den jahrhundertealten, prächtigen Collegebauten vorbeigehe, bin ich einfach nur glücklich, dass ich in einer so tollen Stadt studieren darf.

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Kommentare (8)

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  1. Anonym

    Hi Susanne, "Meinen Sie, dass eine einjährige Pause vom Schul- und Universitätsleben sich negativ auf die Aufnahmechancen auswirken wird?" Nein, überhaupt nicht. Es wäre allerdings nicht schlecht, wenn du während des Jahres auch hin- und wieder etwas "Fachbezogenes" machst, um weiterhin Interesse für dein zukünftiges Fach zu zeigen (Historische Orte besuchen, Zeitschriften lesen, Bücher lesen, je nach Fach). Viele Grüße Thomas

  2. Anonym

    Hallo Susanne, leider können wir hier keine Studienberatung anbieten. Aber vielleicht findet ja ein anderer e-fellow deinen Kommentar und kann dir weiterhelfen. Falls du Stipendiatin von e-fellows.net bist, kannst du diese Frage in der Community an die ganze Community richten, da kann dir bestimmt jemand helfen: https://www.community.e-fellows.net/qanda/ Viele Grüße Lukas

  3. Anonym

    1 Jahr nach dem Abi aussetzen

    Hallo, ich bin im Moment mitten in den Abiturprüfungen und spiele seit ein paar Monaten mit dem Gedanken, mich für Oxbridge zu bewerben. Grundsätzlich möchte ich nach dem Abitur erstmal ein Jahr aussetzen, d.h. reisen und Sprachen lernen/verbessern; zumal es ja zu jetzigem Zeitpunkt sowieso zu spät ist, dieses Jahr in Oxbridge anzufangen, da die Deadline immer im Oktober des vorausgehenden Jahres ist. Meinen Sie, dass eine einjährige Pause vom Schul- und Universitätsleben sich negativ auf die Aufnahmechancen auswirken wird? Vielen Dank im Voraus, ich freue mich auf eine Antwort! Gruß, Susanne

  4. Anonym

    Hi Fatima, Cambridge verlangt einen Schnitt von 1.0-1.3 mit 14 und 15 Punkten in einzelnen Fächern (http://www.study.cam.ac.uk/undergraduate/apply/requirements/#german) , Oxford einen von 1.0-1.5 (http://www.ox.ac.uk/admissions/undergraduate_courses/2011_site/international_students/international_qualifications/) mit 13 oder 15 Punkten in den relevanten Fächern. Die meisten deutschen StudentInnen die ich kenne liegen bei 1.0 bzw. 1.1. Bezüglich der sonstigen Kriterien kann ich dich allerdings echt nur auf die Webseiten verweisen - wird auch einen Blick auf einzelnen Colleges, dort finden sich manchmal noch zusätzliche Informationen, ein hilfreiches Internetforum ist ansonsten auch http://www.thestudentroom.co.uk/ . Aus persönlicher Erfahrung: Neben den Noten ist vor allem Interesse wichtig - zeige, dass du dich auch neben der Schule mit deinem Fach beschäftigst (durch das Lesen von Fachbüchern, eigene Projekte, Praktika, etc.). Ansonsten: Nur Mut, das Auswahlverfahren ist eigentlich eine ganz angenehme Erfahrung und macht sogar etwas Spaß, wenngleich es stellenweise schon stressig und aufwändig ist! Viele Grüße Thomas

  5. Anonym

    Aufnahmekriterien

    Hallo, ich bin noch Schülerin und mache nächstes Jahr mein Abitur. Ich informiere mich aber schon seit längerer Zeit über die Aufnahmekriterien, würde aber auch gerne Genaueres erfahren durch eine Erfahrene :). Können Sie mir vielleicht sagen mit welchem Durchschnitt Sie die Zusage bekommen haben? Welche Angaben im Lebenslauf denken Sie ermöglichen bessere Chancen für eine Zusage? Welche Kriterien müssen generell erfüllt werden und worauf sollte ich bei der Bewerbung besonders achten? Dankeschön schonmal im voraus, mit freundlichen Grüßen, Fatima

  6. Anonym

    16.000 pro Jahr ist ein falsches Gerücht

    Hallo, ich finde es schon erstaunlich, dass selbst Lehrer in England sich nicht mit dem Universitätssystem auskennen. Der Betrag von 16.000 Euro pro Jahr ist gelinde gesagt Humbug und trifft höchstens auf Master-Studenten bzw. Studenten aus Overseas zu. Die Undergrad-Studiengebühren betragen, nach Camerons Reform, ca. 9000 Pfund. ALLERDINGS, und das ist wichtig, gibt es von der Regierung einen student loan, der diese Gebühren deckt und erst beim Einstieg ins Berufsleben (und einem Verdienst ab 15000/Jahr) zu günstigen Konditionen zurückgezahlt werden muss. Gleichzeitig bietet Cambridge eine umfassende finanzielle Unterstützung für die Studenten an, die unter anderem Stipendien und Bursaries umfassen. Anders gesagt: im Undergrad-Bereich gehört Cambridge zu den günstigsten Unversitäten Großbritanniens, da der Universität beträchtliche Ressourcen zur Unterstützung auch finanziell schwächer gestellten Studenten zur Verfügung stehen. Dieser Link stellt eine erste Anlaufstelle dar: http://www.cam.ac.uk/admissions/undergraduate/finance/ . Mit freundlichen Grüßen Thomas

  7. Anonym

    Hallo Frau Grothues, Sie können gerne in der Stipendien-Datenbank schauen - vielleicht gibt es dort etwas passendes für Ihren Sohn: www.stipendien-datenbank.de Viele Grüße, Melanie Grell

  8. Anonym

    Mein Sohn und England

    Hallo, ich habe in Ihrer Beschreibung gelesen, dass es Ihnen auf der Universität Cambridge sehr gut gefallen hat. Mein Sohn ist gerade für ein Jahr in England und macht dort ein Schuljahr. Der Lehrer hat ihn gefragt, ob er nicht in England bleiben will und versuchen will, in Cambridge zu studieren.Er findet das ganz klasse. Er hat uns gesagt, wie teuer das ist. Nämlich 16.000 Euro im Jahr. Das können wir allerdings nicht zahlen. Wir können max. die Hälfte zahlen. Ich habe jetzt schon geschaut, ob es Stipendien gibt, habe aber noch nichts gefunden. Wissen Sie, ob es überhaupt Möglichkeiten gibt und wenn ja, an wen müsste ich mich wenden ??? Freundliche Grüße L. Grothues