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Ein Gespräch mit Experte Jürgen Hesse

Wir haben mit Jürgen Hesse im Oktober auf dem Berliner Kongress "Die Balance von Leben und Arbeit" gesprochen. Das Gespräch kannst du exklusiv bei uns im Kurz-Essay "Arbeit hat Karriere gemacht" und in der klassischen Frage-Antwort-Form nachlesen.

Herr Hesse, inwieweit ist das Thema Work-Life-Balance eine Frage von individuellen Werten und von gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen?

Staatliche Modelle? Es gibt noch gar kein von außen herangebrachtes Modell. Vielmehr geht es darum, ein Bewusstsein zu schaffen, neben dem Wert der Arbeit auch noch andere Werte zu entdecken. Im Grunde genommen ist das auch eine Frage der Altersentwicklung. Wenn Sie jung sind, wollen Sie erst mal Karriere machen. Wenn Sie etwas älter werden, merken Sie, auch noch andere Dinge spielen eine wichtige Rolle. Da findet durchaus ein Umdenken statt. Wenn man in der Ambivalenz zwischen sehr viel Arbeit und wenig Freizeit oder Verfolgung persönlicher Ziele und weniger Arbeit eine Klärung herbeiführen will, hängt das stark von persönlichen Zielen und Werten ab. 

Welchen Einfluß kann die Wirtschaft auf eine geglücktere Balance Lebens-/Arbeitszeit nehmen?

Was von Arbeitgeberseite dazu beigetragen werden kann, sind flexiblere Arbeitszeitmodelle. Dabei geht es nicht darum, ältere Arbeitnehmer früher zu verabschieden. Arbeit ist eben wirklich nur das halbe Leben im Sinne von Erwerbstätigkeit. Ich glaube, dass ein Unternehmen gut fährt, wenn es hier dem Wunsch nachkommt und Freiräume schafft. Wenn jemand eine Arbeit freiwillig und ganz besonders gerne macht, wird er immer die zufriedenere und bessere Arbeitskraft sein. 

Herr Hesse, ist die Diskussion über Work-Life-Balance in Zeiten von Stagnation oder Rezession nicht eine Luxusdebatte?

Auch in wirtschaftlich schwächeren Zeiten ist es notwendig, so einen Gedanken weiterzuspinnen. Es wird immer Interessierte geben, Highpotentials, Spezialisten, ... die wollen nicht nur für die Arbeit leben. Wir tun gut daran, die Herausforderung, die das Leben an uns stellt, unabhängig von der Konjunktur zu reflektieren und nach Verbesserung zu streben. Ich glaube, dass es eine kulturelle Leistung ist, den Arbeitenden Bedingungen zu geben, dass sie optimaler arbeiten können. Und optimaler heißt nicht 120% Leistung, sondern unter Bedingungen, die ehrlich verbessert wurden. Einige Unternehmen bieten da reine Pseudo-Modelle. Zeit kann man eben nicht so einfach kaufen. Auch wenn die Konjunktur gerade nicht ganz so boomt, gilt es nachzudenken, was machen wir jetzt und künftig. 

Wie gehen Sie persönlich mit dem Thema Work-Life-Balance um?

Ich habe mich anlässlich eines Interviews zur Lebensplanung von Männern und Frauen um die 50 mit meiner eigenen Lebensplanung auseinandergesetzt. Ich hatte bis dato drei Jobs: Ich bin Diplom-Psychologe und Geschäftsführer der Telefonseelsorge in Berlin, dazu ein ziemlich erfolgreicher Buch-Autor und ich hatte dieses Büro für Berufsstrategie. Ich habe mich gefragt, ob ich mit 50 auf der Intensivstation aufwachen möchte, habe dann einen der Jobs ganz deutlich reduziert. Gerade in der letzten Zeit habe ich da ganz massiv umgewichtet und verändert. Insofern arbeite ich heute im Büro für Berufsstrategie als ein Berater und nicht mehr als der Inhaber, der alles zu verantworten hat, und bin auch sehr erleichtert darüber. Denn ein derartiger Zuwachs an freier Zeit stellt doch einen ganz anderen Wert dar als das, was man materiell kriegt, wenn man erfolgreich arbeitet, ob nun als Unternehmer oder Arbeitnehmer.

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