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Die Fernliebe mit dem Arbeitgeber verhandeln

Als sein Chef Alumnus Stefan Schweiger (28, Name geändert) zum Gespräch bat, hätte er nie mit diesem Angebot gerechnet: Seit einem Jahr arbeitete er als Ingenieur für einen Telekommunikationskonzern, angestellt war er jedoch bei einem Personaldienstleister. Nun bot sein Chef ihm einen festen Job. Als Projektleiter bei einem Tochterunternehmen - in Indien. "Natürlich habe ich mich gefreut", sagt Stefan, "erst mal zumindest." Dann kamen die Zweifel. Seit einem Jahr hatte er eine feste Beziehung – sollte er alles aufgeben? Andererseits: Würde er so eine Chance nochmals bekommen? Schnell war klar: Er würde den Job machen. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Vergünstigungen sind Verhandlungssache

"Die wenigsten Firmen bieten ihren distanzliebenden Mitarbeitern generelle Lösungen an", sagt der Fernbeziehungsforscher Peter Wendl. "Die Vereinbarungsfrage ist fast immer Verhandlungssache." Dabei gelte der Grundsatz: Je unersetzlicher man ist, desto kulanter zeigen sich die Unternehmen. 

Eine feste Policy gibt es nur selten

Auch bei Stefan gab es keine feste Policy. Also begann er zu feilschen. Zwei Heimflüge pro Jahr wollte er, dazu ein paar Tage mehr Urlaub. Weil er aber bislang kein Mitarbeiter des Unternehmens war, wollte sich der Chef darauf nicht einlassen. "Mehr oder weniger unter der Hand haben wir uns dann auf einen Heimflug pro Jahr und drei Tage mehr Urlaub geeinigt", erzählt Stefan. Mit der Auflage, dass er seinen Kollegen nichts davon erzählt.

Die meisten Unternehmen bieten individuelle Lösungen

Ansprechen, nachfragen, Vorschläge machen – das lohnt sich. Denn die meisten Unternehmen haben inzwischen einen Personaler, der für die so genannte Work-Life-Balance und flexible Arbeitszeitmodelle zuständig ist. Und fast alle bieten individuelle Lösungen an. In speziellen (und sehr seltenen) Fällen sind das Heimflüge – im Regelfall werden die aber nur bezahlt, wenn der Mitarbeiter schon länger für ein Unternehmen arbeitet, eine Führungsposition inne hat oder für ein Projekt in eine andere Stadt oder ein anderes Land geschickt wird. Bei Berufsanfängern sind solche Sonderleistungen die absolute Ausnahme, sieht man einmal von Unternehmensberatungen ab. Dort gehören Heimfahrten vom Kunden zum Lebensort zum Standard.

Bei der Arbeitszeit verhandeln

"Berufsanfänger sollten bei der Arbeitszeit ansetzen", sagt Alumnus Martin Emrich (33), der Firmen bei der Personalauswahl berät und Mitarbeiter coacht (für den richtigen Zeitpunkt und die richtige Fragestrategie siehe das Interview mit Martin Emrich weiter unten). In Zeiten von Telearbeit und Blackberry sind der Fantasie dabei keine Grenzen gesetzt.

Flexible Arbeitszeiten, billigere Flüge

Das weiß Tobias Möller (siehe Kasten) aus Erfahrung. "Viele unserer Mitarbeiter führen Fernbeziehungen" - darauf sei Lufthansa eingestellt, "schließlich gehören Flexibilität und Mobilität zum Produkt des Unternehmens". Erstens gibt es deshalb flexible Arbeitszeiten - sich von zu Hause aus ins Firmennetz einzuloggen sei beispielsweise kein Problem. Zweitens werden regelmäßig die Mobilitätswünsche der ins Ausland entsandten Mitarbeiter abgefragt: Wann will der Ingenieur, der derzeit in Dubai arbeitet, wieder zurück nach Deutschland? Und drittens gibt es billige Flüge für die Mitarbeiter und ihre Familienangehörigen. "Damit bieten wir den Mitarbeitern Anreize, bei unserem Unternehmen zu bleiben - und gut und gern für uns zu arbeiten", sagt Möller.

Schwierigkeiten in der freien Forschung

Allerdings gibt es auch Berufszweige, die das anders sehen. Jobs als Wissenschaftler in der freien Forschung, an Universitäten oder Forschungsinstituten also, sind dünn gesät. "Ich bin froh, wenn ich einen passenden Job finde, an welchem Ort der ist, ist zweitrangig", sagt Alumna Nina Bauer (29). Sie ist wie ihr Freund Biologe (siehe oben). "Bei meinem letzten Vorstellungsgespräch, das zwischen Tür und Angel auf einer Tagung und im Beisein meiner damaligen Chefin stattfand, wies diese meinen potenziellen Chef darauf hin, dass er dann auch einen Job für meinen Freund bereitstellen müsse. Seine Antwort: I don't deal with boyfriends."

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