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Was ist Resilienz und wie kann man sie testen? [Quelle: pixabay.com, Schäferle]

Quelle: pixabay.com, Schäferle

In immer mehr Jobbeschreibungen findet sich heute die Eigenschaft Resilienz. Doch selbst die Personaler wissen nicht so recht, was sie damit meinen und wie sie es testen sollen.

Für einen Studentenjob an der Rezeption eines Hostels braucht man häufig starke Nerven. Resilienz eher nicht. "Für die Situation ist es ein wenig hochtrabend, von Resilienz zu sprechen", räumt Manfred Görns ein. Er leitet die Personalabteilung der A&O Hostels und ist selbst überrascht davon, wie sich das Wort "Resilienz" in eine Stellenausschreibung für einen Studentenjob in Weimar "verirrt" habe. "Das Wort ist viel zu groß für das, was wir damit meinen", sagt Görns. Und vermutet: Da sei wohl eine alte Stellenausschreibung reaktiviert worden.

Mit der missverständlichen Ausdrucksweise ist Görns nicht allein. In immer mehr Jobausschreibungen findet sich die Eigenschaft Resilienz, eines der derzeit wohl beliebtesten Buzzwords. Ihre Unternehmenskunden achten bei Neueinstellungen ebenso darauf wie bei Beförderungen in Führungspositionen, berichten Personalberater. Bei einer Umfrage des Jobportals Stepstone im Herbst vergangenen Jahres gaben knapp ein Drittel der Personaler an, dass dies eine Kompetenz sei, die Arbeitnehmer aktuell oder in Zukunft mitbringen müssten.

Bei einer ähnlichen Befragung aus dem Sommer gaben 40 Prozent der befragten Führungskräfte an, dass Resilienz durch die Coronapandemie noch wichtiger geworden sei. Hakt man bei Unternehmen aber nach, was damit genau gemeint sei, kommt selten auch nur eine Antwort. Wie sie Resilienz konkret testen? Dafür gebe es bisher noch gar keine Prozesse, gibt eine Personalerin hinter vor-gehaltener Hand zu.

Der Testtag als Stresstest

Kein Wunder, denn hinter dem ursprünglich wissenschaftlichen Fachterminus verbirgt sich ein ganzes Bündel an Eigenschaften. Der Begriff selbst ist aus der Werkstoffkunde hergeleitet. Egal, wie sehr man einen alten Schwamm zerknautscht, egal, wie nass er wird, er kehrt immer wieder in seine ursprüngliche Form zurück. Dieses Phänomen charakterisiert die Resilienz. In die Psychologie übertragen heißt das: Egal, welchen Krisen ein Mensch ausgesetzt ist, er übersteht sie – und geht im besten Fall gestärkt daraus hervor.

Genauso wie ein fitter Mensch, der Muskeln hat, genug schläft, trinkt und gesund isst, körperliche Anstrengungen besser meistert, sei es auch mit der Psyche, sagt Resilienztrainer Denis Mourlane: "Wer grundsätzlich gut mit sich umgeht, kann auch mit psychischen Herausforderungen oder Stresssituationen besser umgehen." Weil auch seine Kunden diese Eigenschaften schätzen, versucht Martin Emrich zumindest, sie im Bewerbungsgespräch zu überprüfen. "Verkaufen Sie mir diesen Kugelschreiber", ist beispielsweise eine Aufgabe, die der Personalberater, der Assessment Center für Unternehmen wie Daimler, Caritas oder Nord/LB konstruiert, dann stellt.

Der häufigste Fehler bei der Kugelschreiberaufgabe sei, dass der Bewerber anfange zu schwärmen, wie toll der Stift sei, seinen Gesprächspartner aber nicht abhole: kein Smalltalk, keine Frage, warum der den Stift überhaupt gebrauchen könnte. Emrich gibt danach kritisches Feedback und beobachtet, wie Bewerber darauf reagieren. Bedankt er sich oder redet sie ihr Verhalten schön? Etwas später wiederholt er die Aufgabe dann: Der Bewerber soll Emrich nun als Unternehmenskunden gewinnen. "Da ist dann interessant: Macht jemand die gleichen Fehler wie beim Kugelschreiber? Hat er sich vom Feedback unterkriegen lassen oder hat er es angenommen?"

Sabrina Wagner, die beim Energiekonzern E.On das Recruiting organisiert, setzt unter anderem auf den Faktor Stress, um die Resilienz von Bewerbern zu testen. In Fallstudien müssen die innerhalb kurzer Zeit eine große Menge an Informationen filtern. Sie schaut dabei nicht alleine auf das Ergebnis, sondern vielmehr auf die Herangehensweise des Bewerbers. Andere wiederum glauben, dass es gar nicht nötig sei, Resilienz ausdrücklich zu testen. "Wenn eine Person den ganzen Tag im Assessment Center ist, kann man schon viel sehen: Wie gelassen ist sie? Wie konzentriert? Wie souverän? Und wie ändert sich das über den Tag?", sagt die Schweizer Personalberaterin Doris Köpke.

Pausen gönnen

Und manche setzen auf eine klassische Personalerdevise: "The best predictor of the future is the past" – "Die beste Vorhersage für die Zukunft ist die Vergangenheit." Das Kalkül: Ist ein Bewerber mit früheren Krisensituationen gut umgegangen, hat einen kühlen Kopf bewahrt und eine Lösung für sein Problem gefunden, so stehen die Chancen hoch, dass er das auch in Zukunft wieder schafft.

"Was war Ihr größter beruflicher Rückschlag?", ist deshalb eine klassische Frage im Vorstellungsgespräch. Unternehmen, die von ihren Bewerbern Resilienz fordern, sollten sich einer Sache bewusst sein, mahnen die Berater: In der Praxis geht es nicht nur darum, wie der Mensch im Job mit Stresssituationen umgeht und wie viel Druck er erträgt. Sondern auch darum, dass er mit sich selbst gut umgeht, sich Pausen gönnt, auf sich achtet – und im Zweifel auch berufliche Konsequenzen daraus zieht, wenn er unzufrieden ist. Resilienz-Coach Wolfgang Roth formuliert das so: "Wer resiliente Mitarbeiter will, bekommt dann im Zweifel welche, die so resilient sind, dass sie kündigen."

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