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So bleibt unterm Strich mehr übrig

Steuererklärung [Quelle: Pixabay]

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Steuersoftware oder Steuerberater? Der Selbstversuch zeigt, was weniger Zeit und Nerven kostet und die größte Ersparnis bringt. Plus: Steuertipps für Angestellte, Familien, Mieter und Vermieter.

Claudia Bremer ist Teil eines Versuchs. Doch davon ahnt die Steuerberaterin aus Düsseldorf, die meine Steuererklärung machen soll, noch nichts. In ihrem Büro im Zentrum fragt sie mich nach Einnahmen und Ausgaben. Unser Fall ist simpel: Meine Frau und ich sind angestellt. Doch gerade da ist das Risiko groß, etwas zu vergessen – absetzbare Beiträge zu einer Versicherung etwa oder die Nebenkosten für den Hausmeister. Eine Rechnung der Hausratversicherung gibt Bremer mir gleich wieder: "Das ist Privatsache, nicht absetzbar."

Manchmal fehlt mir im einstündigen Gespräch aber der rote Faden. "Was gibt es denn noch? Sonst irgendetwas?", fragt Bremer, nachdem wir meinen Stapel durchgegangen sind. Dabei hatte ich mir von ihr gezielte Hinweise erhofft. "Ist Ihr Fernseher repariert worden?", hakt sie nach. Ganz sicher, dass sie alles erfasst, bin ich mir nicht. "Lässt sich bei unserem Schrebergarten steuerlich etwas machen?", will ich wissen. Damit bringe ich sie nur zum Lachen. Bremer fragt: "Haben Sie denn noch irgendetwas in Ihrer Mappe?" Was sie nicht weiß: In der Mappe steckt unsere fertige Steuererklärung. Die habe ich schon gemacht, am Laptop, mit einer Software, der SteuerSparErklärung. Bremers Arbeit ist überflüssig – oder doch nicht? Genau das soll mein Selbstversuch zeigen: Steuerberater gegen Steuersoftware. Nimmt die Steuerberaterin lästige Arbeit ab? Findet sie Posten, die die Software übersehen hat? Und vor allem: Bringt sie uns am Ende, trotz Honorar, einen finanziellen Vorteil?

Auf der Suche nach dem richtigen Steuerberater

Auf Bremer bin ich zufällig gestoßen. Die Bundessteuerberaterkammer bietet auf ihrer Website einen Suchdienst mit knapp 27.000 Einträgen an. Dort werden aber nur Berater geführt, die sich selbst eintragen lassen. "Natürlich kommt es auch stark auf die Chemie an", sagt Thomas Hund, Geschäftsführer der Bundesteuerberaterkammer. Ein Vorteil: Hilft der Steuerberater, bleibt für die Steuererklärung bis Ende Dezember Zeit. Viele Arbeitnehmer müssen sonst bis Ende Mai ran. Die Mai-Frist gilt für alle, die eine Steuererklärung abgeben müssen. Etwa, weil sie neben ihrem Gehalt andere Einkünfte, dazu zählen auch Arbeitslosen- oder Elterngeld, von wenigstens 410 Euro im Jahr erhalten haben oder weil sie Gehalt nach speziellen Steuerklassen (III oder V) kassieren, um jeden Monat von Steuervorteilen für Eheleute zu profitieren. Wer seine Steuererklärung freiwillig abgibt, hat vier Jahre Zeit.

Meine Frau und ich haben beide Steuerklasse IV gewählt. Die jeden Monat abgeführte Steuer würde hier ungefähr stimmen, wenn wir gleich viel verdienten. Da wir dies nicht tun, ist unser laufend vom Arbeitgeber abgezogener Steuersatz zu hoch. Die Steuererklärung bringt uns viel Geld. Die Arbeit lohnt also. Aktenordner sind auf unserem Wohnzimmerboden verteilt. Der Drucker spuckt die Steuerbescheinigungen von Direktbanken aus – ich suche Papiere für die Steuerberaterin zusammen. "Wo sind die Unterlagen von deiner Zahnzusatzversicherung?", rufe ich meiner Frau zu. Die erste Lektion: Auch mit Unterstützung bleibt viel Arbeit kleben. Anders als die Steuersoftware sortiert die Steuerberaterin Unterlagen zwar. Was ich nicht herausgesucht habe, kann sie aber nicht eintragen.

ARBEITNEHMER: Zuschuss zum Feiern

Erst wenn Angestellte über 1.000 Euro beruflich bedingte Ausgaben nachweisen, wirken die sich steuerlich aus. Denn 1.000 Euro Werbungskosten-Pauschbetrag werden schon bei der Gehaltsabrechnung berücksichtigt. Das heimische Arbeitszimmer jedenfalls taugt seit Kurzem noch weniger als Steuersparmodell. Schon seit einigen Jahren sind dessen volle Kosten nur absetzbar, wenn es den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit bildet. Das gilt meist nur bei Freiberuflern. Wenigstens bis zu 1.250 Euro pro Jahr dürfen Angestellte eintragen, wenn ihnen kein anderer Büroarbeitsplatz zur Verfügung steht, zum Beispiel bei Lehrern. Nach längerem Rechtsstreit entschied der Bundesfinanzhof (BFH) nun auch noch, dass ein beruflich und privat genutztes Arbeitszimmer nicht berücksichtigt wird (GrS 1/14). Eine Arbeitsecke im Wohnzimmer reicht nicht. Maximal zehn Prozent Privatnutzung sind zulässig. Sind die Kosten noch absetzbar, bekommen Eigentümer neuen Spielraum. Das Finanzgericht Münster entschied, dass sie nach einer Badmodernisierung anteilig mehr fürs Arbeitszimmer absetzen dürfen (11 K 829/14 E). Schließlich müssten Mieter im gleichen Fall eine Mieterhöhung hinnehmen und könnten diese ebenfalls anteilig geltend machen. Revision läuft (BFH, VIII R 16/15).

Betroffene sollten entsprechend mehr absetzen und bei Ablehnung Einspruch einlegen. Dabei können sie mit Verweis auf das ausstehende Urteil das Ruhen des Verfahrens beantragen. So profitieren sie später von einem möglichen positiven Ausgang. Vor allem berufliche Fahrtkosten wirken sich steuerlich stark aus. Wege zur "ersten Tätigkeitsstätte" – einer ortsfesten betrieblichen Einrichtung, der der Angestellte dauerhaft zugeordnet ist – können mit der Entfernungspauschale von 0,30 Euro pro Kilometer der einfachen Strecke angesetzt werden. Alle übrigen Fahrten zählen hingegen voll, also zum Beispiel mit pauschal absetzbaren 0,30 Euro pro gefahrenen Kilometer.

Arbeiten Angestellte an mehreren Tätigkeitsstätten, ist es oft vorteilhaft, wenn ihr Arbeitgeber einen nah an der Wohnung liegenden Einsatzort vertraglich als erste Tätigkeitsstätte festlegt. Bei Fahrten zu anderen, weiter entfernten Einsatzorten können sie dann höhere Fahrtkosten absetzen. Auch mit der Arbeit verbundene Wohnortswechsel können eine größere Steuerersparnis bringen.

Ziehen Angestellte beruflich bedingt um, können sie neben ihren Kosten, etwa für Möbelpacker und Umzugswagen, noch eine Pauschale für sonstige Kosten absetzen. Diese ist gestiegen und beträgt für Umzüge seit März 2015 730 Euro bei Alleinstehenden (vorher 715 Euro) und 1.460 Euro bei Ehepaaren (vorher 1.429 Euro). Damit ein Umzug als beruflich akzeptiert wird, reicht es, dass die tägliche Fahrtzeit zur Arbeit (Hin- und Rückfahrt) sich um wenigstens eine Stunde verkürzt.

Zählt der Umzug nicht als beruflich, können Kosten wenigstens als haushaltsnahe Dienstleistung eingetragen werden. 20 Prozent der reinen Arbeitskosten mindern dann direkt die zu zahlende Steuer.

Ziehen Angestellte an einen Arbeitsort, behalten aber ihren Lebensmittelpunkt an einem anderen Ort, zählt dies als doppelte Haushaltsführung. Die konkreten Umzugskosten sind auch hier absetzbar, die Pauschalen für sonstige Kosten aber nicht, weil – so die Logik der Finanzverwaltung – der Lebensmittelpunkt nicht verlegt wird. Als Lebensmittelpunkt zählt in der Regel der Ort, wo Ehepartner und zum Beispiel minderjährige Kinder wohnen.

Während der ersten drei Monate mit doppelter Haushaltsführung können Angestellte Verpflegungskosten geltend machen – pauschal 24 Euro pro 24 Stunden. Bei wenigstens vier Wochen Abwesenheit beginnt diese Frist neu zu laufen. Auch ein längerer Urlaub reicht dafür.

Seit 2014 spielt die Größe der Zweitwohnung keine Rolle mehr. Pro Monat sind generell maximal 1.000 Euro Wohnkosten absetzbar. Bei Orts- oder Jobwechseln können Angestellte den Fiskus eventuell an den Kosten von Abschiedsfeiern beteiligen. Das Finanzgericht Münster sprach dieses Recht einem Diplom-Ingenieur zu (4 K 3236/12 E). Er hatte die Einladungsliste mit seinem Arbeitgeber abgestimmt. Kosten von 50 Euro pro eingeladene Person fanden die Richter angemessen. Ein Steuerberater darf auch Kosten absetzen, wenn er Berufsexamen und Geburtstag zusammen feiert (Bundesfinanzhof, VI R 46/14). Allerdings muss der Kreis der eingeladenen Personen einen ausreichenden beruflichen Bezug haben; private Kosten sollten abgrenzbar sein, etwa über die Personenanzahl.

Angestellte können derartige Kosten absetzen. Streicht das Finanzamt den Posten, legen sie Einspruch mit Verweis auf die Urteile ein.

Seit Einführung der Abgeltungsteuer 2009 müssen Zinsen, Aktiengewinne und andere Kapitalerträge eigentlich nicht mehr in der Steuererklärung angegeben werden. Die Bank selbst zieht 26,4 Prozent Abgeltungsteuer (inklusive Soli) ab. Doch in der Praxis kann es trotzdem lohnen, die Erträge einzutragen. Zum Beispiel, wenn ich Freistellungsaufträge auf zwei Banken verteilt habe, aber nur bei einer Bank den Maximalbetrag ausgereizt habe. Bis zu 801 Euro an Erträgen (bei Ehepartnern 1.602 Euro) bleiben insgesamt steuerfrei.

Bremer sieht sofort, dass eine Bescheinigung falsch ist. Meine Frau hat wegen eines Jobwechsels für ein paar Monate Arbeitslosengeld bekommen. Dafür haben wir im Abstand einiger Wochen zwei Bescheinigungen bekommen. Nur die erste davon war in unserem Steuerordner gelandet. Was ich nicht wusste: Die erste Bescheinigung war für die Rentenversicherung, die zweite für das Finanzamt. "Sie müssen noch eine andere Bescheinigung haben, für das Finanzamt", sagt Bremer. Ich wundere mich über den Hinweis. Schließlich handelt es sich um zwei Bescheinigungen für die gleiche Zahlung. Die Summen sollten also gleich sein!? Ein Irrtum. Tatsächlich ist der für das Finanzamt ausgewiesene Betrag 3.000 Euro niedriger. Dieser Fehler hätte Folgen gehabt. Zwar fällt auf Arbeitslosengeld keine Steuer an. Die Leistungen erhöhen aber den Steuersatz aufs restliche Einkommen. Bei der Steuersoftware hatte ich den falschen, höheren Betrag eingetragen. Als ich das später korrigiere, steigt die erwartete Steuererstattung um 400 Euro. Wäre der Fehler dem Finanzamt nicht aufgefallen, hätten wir die verschenkt. Meine Skepsis gegenüber Steuerberatern nimmt schlagartig ab.

STUDENTEN: Master im Vorteil

Damit Studenten Ausbildungskosten möglichst hoch steuerlich nutzen, sollten sie diese als Werbungskosten absetzen. Das klappt beim Zweitstudium, Studium nach abgeschlossener Ausbildung oder Studium im Rahmen eines Dienstverhältnisses.

Masterstudenten, Jura- oder Lehramts-Referendare können Ausbildungskosten daher unbegrenzt absetzen.

Einige Studenten versuchen, mit einer vorgeschalteten Ausbildung aus ihrem Studium ein Zweitstudium zu machen. Seit 2015 zählen nur noch Ausbildungen von wenigstens zwölf Monaten mit Abschlussprüfung. Für Erststudium oder Erstausbildung werden bis zu 6000 Euro Kosten berücksichtigt, aber als Sonderausgaben. Die drücken nur die steuerpflichtigen Einkünfte des gleichen Jahres, führen, anders als Werbungskosten, nicht zu einem später nutzbaren steuerlichen Verlust. Meist bringen Sonderausgaben Studenten deshalb nichts. Denn bis zu 8.472 Euro an Einnahmen (Grundfreibetrag, 2016: 8.652 Euro) bleiben sowieso steuerfrei.

Wer hohe Ausbildungskosten hat, sollte die als Werbungskosten eintragen. Solche Verluste können sogar rückwirkend für sieben Jahre festgestellt werden, wenn noch keine Erklärung eingereicht wurde (Bundesfinanzhof, IX R 22/14). Das Finanzamt wird ablehnen. Dann Einspruch einlegen und mit Verweis auf ausstehende Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts Ruhen des Verfahrens beantragen (2 BvL 23/14, 24/14 und 26/14)

Bremer weiß auch, wo es sich lohnt, weiter nachzuhaken. Rasch stellen wir fest, dass unsere beruflichen Ausgaben (Werbungskosten) je unter 1.000 Euro im Jahr liegen werden – die werden bereits pauschal berücksichtigt. Nur wer höhere Ausgaben belegt, hat Aussicht auf eine Erstattung. Da ich in der Nähe des Büros wohne, fällt ein großer Ausgabenblock fast weg. Ob der 1.000-Euro-Pauschbetrag locker überschritten wird oder in weiter Ferne liegt, können Steuerberater schnell absehen. Fällt das Sichten von Kalendereinträgen und die Suche nach Quittungen weg, beschleunigt das die Steuererklärung. Steuersoftware lässt Nutzer die einzelnen Posten meist eintragen – zu groß ist die Sorge, dass Arbeitnehmer vorschnell davon ausgehen, unter dem 1.000-Euro-Pauschbetrag zu bleiben.

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    Hätte der gute Mann lieber die WiSo Steuer Software verwendet, wäre sein Ergebnis noch deutlicher zugunsten der Software ausgefallen. Da sind die Tipps besser und auch die Hinweise, dass der Höchstbetrag in einer Kategorie ausgeschöpft wurde, sind vorhanden. Ich nutze nichts anderes mehr!

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