Bildschirmzeit reduzieren: Wie man Schluss macht mit Doomscrolling. Jetzt wirklich
- Merle Hubert
Lustre – stock.adobe.com
Besser schlafen, konzentrierter arbeiten, langsamer leben: Diese Tools und Psychotricks machen es leichter, das Smartphone liegen zu lassen.
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Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe: 30 bis 30. Wie Nick Woltemade, Ikkimel, Yasmin Kahumuza und Frau Gretel unsere Gegenwart prägen
Die Klassiker
1. Schalte Push-Benachrichtigungen aus
Du greifst seltener zum Smartphone, wenn auf deinem Sperrbildschirm nicht ständig neue Nachrichten von WhatsApp, Bumble und Insta aufploppen.
2. Leg handyfreie Zonen fest
Erklär deinen Küchen- oder Schreibtisch oder das Klo zum Sperrgebiet. In der Bibliothek kannst du dein Smartphone im Spind einschließen.
3. Besorg dir einen richtigen Wecker
Wenn das Smartphone neben dem Bett liegt, versinkst du vorm Schlafen schnell im TikTok-Feed. Das lässt sich mit einem Oldschool-Wecker vermeiden.
4. Lass dein Smartphone öfter zu Hause
Das ist eine Challenge, wenn du digitale Tickets hast oder den Weg nicht genau kennst. Aber du kannst dir Tickets auch vorher ausdrucken, dir die Strecke einprägen und nach dem Weg fragen.
5. Richte Fokuszeiten ein
Leg dir Zeitfenster fest, in denen Apps und Mitteilungen pausieren. Beim iPhone geht das unter Einstellungen > Fokus. Bei Android unter Digital Wellbeing & Jugendschutzeinstellungen.
6. Setz dir Zeitlimits für Apps
Bestimm in den Einstellungen, wie lange du eine App pro Tag maximal nutzen willst. Sobald du das Limit erreichst, wird sie gesperrt.
7. Stell deinen Bildschirm auf schwarz-weiß
Ohne Bonbonfarben verliert dein Smartphone an Reiz. Beim iPhone findest du den Farbfilter unter Bedienungshilfen > Anzeige & Textgröße > Farbfilter > Graustufen. Bei Android meist unter Einstellungen > Bedienungshilfen > Farbe und Bewegung > Farbkorrektur.
Apps und Tools
8. Bau kleine Hürden ein
Mit der App One Sec musst du erst eine Frage beantworten oder einmal durchatmen, bevor sich TikTok oder Instagram öffnen. Oft reicht diese kleine Verzögerung, um es sich noch mal anders zu überlegen. Die App Opal funktioniert ähnlich.
9. Belohn dich, wenn du das Smartphone nicht nutzt
Bei der App Grüner Fokus wächst eine Blume, solange du dich konzentrierst, bei der App Forest ist es ein Baum. Greifst du in deiner Fokuszeit zum Smartphone, sterben die Pflanzen. Die Apps versprechen Produktivität durch Öko-Schuldgefühl. Das Ganze geht noch absurder: In der App Focus Friend strickt eine kleine Bohne während deiner Fokuszeit an einer Socke.
10. Kauf einen analogen App-Blocker
Mit einer Zenbox, einem Brick oder Fokusanker kannst du von dir bestimmte Apps nur öffnen, wenn du das Gadget berührst. Am besten legst du deinen Blocker so weit weg wie möglich. Hast du einen Keller? Perfekt! Der Haken: Die Offline-Tools sind nicht günstig. Zenbox: 49,99 Euro; Fokusanker: 24,99 Euro; Brick: 61,95 Euro.
11. Mach dein Handy extra schwer
2025 ging mit dem 6 Pound Phone Case eine absurde Anti-Doomscrolling-Idee viral: eine iPhone-Hülle aus 2,7 Kilo Stahl. Was damals etwa 210 US-Dollar kostete, kannst du leicht selbst bauen: Leg einfach eine Gewichtsmanschette fürs Handgelenk um deine Handyhülle.
12. Nutz eine Wegsperrbox oder einen Handysafe
Dann kannst du dein Handy einschließen, wenn du dich konzentrieren willst. Gibt’s ab zehn Euro. Den Schlüssel nimmt deine Mitbewohnerin.
Offline-Events
13. Geh zu Offline-Hangouts
In vielen Großstädten gibt es Treffen, bei denen du dein Smartphone für ein paar Stunden abgibst. In Köln, Berlin und Hamburg bietet The Offline Club smartphonefreie Veranstaltungen an, in Wien hat gerade das Offline Oida aufgemacht, ein Digital-Detox-Café.
14. Such nach einer Silent-Reading-Party
Die bieten immer mehr Bibliotheken, Buchhandlungen und Kulturorte an. Die Idee: Alle lesen entspannt für sich, die Smartphones bleiben aus.
15. Mach Urlaub an Orten ohne Empfang
Wo kein Netz ist oder Roaming ein Vermögen kostet, erledigt sich ein Teil des Problems von selbst. Besonders geeignet: Weitwanderwege, bei denen man auf Berghütten übernachtet.
16. Lern neue Leute Face-to-Face kennen
Keine Lust mehr auf ewiges Texten auf Hinge? In München holt das Studio Séjour das Dating zurück in die Bar. In Mainz findest du dein Perfect Match im Club Amore.
17. Nimm an einem Shut-up-&-Write-Treffen teil
Das ist im Prinzip Coworking für Leute, die endlich mal konzentriert etwas schreiben wollen. Gibt es zum Beispiel in Stuttgart, Dresden und online.
18. Lade selbst zum Offline-Abend ein
Organisier eine Lesenacht mit Freund:innen, einen Kochabend mit deinem neuen Handysafe, ein Schreibtreffen im Flugmodus. You name it!
Offline-Challenges und andere Psychotricks
19. Fang mit einem einzelnen Detox-Tag an
24 Stunden ohne Smartphone wirken machbarer als ein Komplettverzicht. Steigere dich, wenn es gut klappt.
20. Setz dir ein 20-Uhr-Limit
Schick dein Handy abends schlafen, an einem festen Platz. Es kommt nicht mit in dein Bett.
21. Ändere deinen Sperrbildschirm und dein Hintergrundbild
Ein peinliches Foto oder Fragen wie »Warum jetzt?« oder »Was wolltest du eigentlich tun?« können dich stoppen. Auch gut: ein potthässliches Case.
23. Verwandle Reflexe in bewusste Entscheidungen
Nutze dafür die ABC-Methode: Awareness, Breathe, Choice. Wenn das Handy vibriert, nimm erst wahr, was passiert, atme ein und aus und entscheide dann, ob du schaust, was los ist.
22. Ersetze den Griff zum Handy durch eine andere Mini-Handlung
Trink einen Schluck Wasser, streck dich, schau aus dem Fenster: Kleine Rituale können helfen, den reflexhaften Smartphonegriff zu vermeiden.
23. Sag laut, warum du aufs Smartphone schauen willst
Okay, unangenehm, aber wenn du jeden Griff begründest, merkst du, ob du wirklich was erledigen willst. Funktioniert besonders gut im Freundeskreis: »Ich muss kurz meiner Mutter schreiben« fühlt sich in Ordnung an. »Ich will schauen, ob jemand mein Foto gelikt hat« weniger.
24. Ruf eine WG-Challenge aus
Alle schreiben eine Woche lang ihre Bildschirmzeit auf. Dann wird abgerechnet. Wer die Höchstzeit hat, muss den Abfluss reinigen.
26. Erstell ein Offline-Bingo
Wir greifen oft zum Handy, weil wir nicht wissen, wie wir die Zeit füllen sollen. Schreib auf, was du statt scrollen tun könntest: inlineskaten, einen Pfirsichkuchen backen, scrabbeln, Opa anrufen, einen Zaubertrick lernen, Basilikum auf dem Balkon pflanzen.
Dumbphones
27. Nutz am Wochenende ein Dumbphone
Such dein altes Tastenhandy, oder kauf dir ein günstiges auf dem Flohmarkt. Es reicht oft völlig, wenn du per Telefon oder SMS erreichbar bleibst, ohne ständig online zu sein. Mit einer Multi-SIM-Karte kannst du deine Kontakte übertragen und eine Nummer auf zwei Geräten nutzen.
28. Verwandle dein Smartphone in ein Dumbphone
Das kannst du bei Apple unter Einstellungen > Bedienungshilfen > Unterstützender Zugriff > Apps auswählen > Code einrichten. Bei Android meist unter Einstellungen > Energie sparen.
29. Logg dich nach jeder Social-Media-Nutzung AUS
Wenn du dich jedes Mal neu einloggen musst, scrollst du seltener versehentlich los. Extra-Tipp: Face-ID ausschalten.
30. Denk dir komplizierte Passwörter aus
Wenn du eine Minute brauchst, um das Passwort einzutippen oder es nachzuschauen, überlegst du dir vielleicht, ob du das gerade wirklich willst. Wie wär’s mit #c?)7hsj&mahk’’KK?
© ZEIT Campus (Zur Original-Version des Artikels)