Neue Gehaltsübersicht: Wo Fachkräfte 100.000 Euro und mehr verdienen können
- Anne Kokenbrink
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Schwieriger Arbeitsmarkt, aber gute Chancen für Spezialisten: Eine neue Gehaltsübersicht zeigt, wo sechsstellige Gehälter üblich sind und welche Kompetenzen gefragt sind.
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Spezialwissen gewinnt auf dem Arbeitsmarkt zunehmend an Wert. Zwar agieren viele Unternehmen bei Neueinstellungen und Gehaltserhöhungen derzeit zurückhaltend. Fachkräfte mit seltenen Qualifikationen und großer Verantwortung bleiben jedoch gefragt – und verfügen damit auch finanziell über eine gute Verhandlungsposition. Das zeigt die neue "Gehaltsübersicht 2027" des Personaldienstleisters Robert Half, die am Donnerstag veröffentlicht wird.
"Arbeitgeber prüfen genauer, wo sich zusätzliches Gehaltsbudget lohnt", sagt Philipp Weingart, Deutschland-Manager von Robert Half. Für schwer zu findende Fachkenntnisse seien viele Unternehmen bereit, mehr zu zahlen. Wer Kompetenzen für Transformation, technologische Entwicklung oder Wachstum mitbringe, verbessere seine Position deutlich. Einen "breiten Gehaltswettlauf" beobachte er jedoch nicht, vielmehr gezielte Anpassungen bei bestimmten Qualifikationen und Rollen. Das zeigt sich auch an einzelnen Berufsbildern: Im Finanz- und Rechnungswesen stiegen die Gehälter von Project Controllern laut Übersicht gegenüber dem Vorjahr überdurchschnittlich um 3,4 Prozent, bei Financial Accountants um 3 Prozent.
Nach Angaben von Robert Half bieten 49 Prozent der Personalverantwortlichen Gehälter oberhalb ihrer ursprünglich vorgesehenen Spanne an, um besonders gefragte Talente zu gewinnen. 58 Prozent nennen spezialisierte Fähigkeiten als einen Grund dafür. Zugleich erwarten 44 Prozent, dass die Vergütungsbudgets im kommenden Jahr steigen. Die Gehaltsübersicht zeigt zudem: Mit den richtigen Qualifikationen sind auch ohne Führungsverantwortung hohe Einkommen möglich.
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Die Gehaltsübersicht weist die Jahresgehälter in Spannen aus, für Berufseinsteiger, erfahrene Fachkräfte und überdurchschnittlich qualifizierte Spezialisten. Für ein sechsstelliges Gehalt ist in der Regel jedoch Berufserfahrung erforderlich. In Junior-Positionen und zum Berufseinstieg sind solche Gehälter kaum realistisch. Für die Übersicht hat der Personaldienstleister eigene Daten ausgewertet. Robert Half vermittelt Fach- und Führungskräfte an Unternehmen. Die Angaben beziehen sich auf das Grundgehalt, Boni und Zusatzleistungen sind nicht enthalten.
Sechsstellige Gehälter mit Erfahrung nicht unüblich
Je nach Branche sind Jahresgehälter von 100.000 Euro und mehr durchaus üblich, besonders im Banken- und Finanzsektor sowie im Finanz- und Rechnungswesen. Für Steuerberater etwa nennt Robert Half ein Mediangehalt von 100.000 Euro. Senior Risk Manager in Banken starten demnach mit etwas mehr als 90.000 Euro, später sind bis zu 135.000 Euro möglich.
In der IT werden sechsstellige Gehälter vor allem in Führungspositionen gezahlt. Für Chief Information Officers liegt das Mediangehalt bei 150.000 Euro. Spezialisierte Fachkräfte können ebenfalls mehr als 100.000 Euro erreichen, meist jedoch erst am oberen Ende der Gehaltsspanne. Für erfahrene IT-Consultants und IT-Projektmanager nennt Robert Half 106.750 Euro. Im kaufmännischen Bereich sind dagegen für die meisten Fachkräfte weiterhin eher fünfstellige Jahresgehälter üblich.
Wettbewerb der Unternehmen um Fachkräfte nimmt zu
Am grundsätzlichen Personalbedarf vieler Unternehmen hat sich trotz der schwachen Konjunktur wenig geändert. Kurzfristig agieren die Unternehmen bei Neueinstellungen trotzdem vorsichtig. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer ist im September leicht gestiegen, dennoch werden vor allem in der Industrie und im Handel weiterhin Stellen abgebaut.
Mittel- und langfristig steigt der Bedarf an Fachkräften jedoch weiter. Immer mehr Beschäftigte erreichen das Rentenalter, während weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt nachrücken. Die Bundesagentur für Arbeit zählt derzeit 157 Engpassberufe. Rund die Hälfte der gemeldeten Stellen für Fachkräfte, Spezialisten und Experten entfiel auf solche Berufe.
Wer zusätzlich über Kenntnisse im Bereich generativer KI verfügt, kann sich auf dem Arbeitsmarkt einen Vorteil verschaffen. Laut der Gehaltsübersicht sind 39 Prozent der Personalverantwortlichen bereit, für entsprechende Fähigkeiten mehr zu zahlen. Im Banken- und Finanzsektor sowie im Finanz- und Rechnungswesen liegt dieser Anteil noch höher. In diesen Bereichen verändert der Einsatz von KI besonders viel, schreiben die Autoren.
Welche Fachkompetenzen gefragt sind
In der IT zählen laut Studie derzeit unter anderem Kenntnisse in Cybersicherheit, der Verarbeitung natürlicher Sprache (NLP), Large Language Models, Softwareentwicklung, generativer KI und Machine Learning. Im kaufmännischen Bereich seien Analyse- und Recherchefähigkeiten, Mehrsprachigkeit sowie der sichere Umgang mit CRM-Systemen gefragt. Für Banken nennt die Gehaltsübersicht vor allem Analyse- und Rechenkompetenz, KI-Kenntnisse und Fähigkeiten in der Risikoanalyse.
Die Übersicht weist auch Gehälter für KI-Berufe wie KI-Produktmanager und KI-Ingenieure aus. Am höchsten liegen die Jahresgehälter erfahrener KI-Entwickler und KI-Agenten mit jeweils 92.000 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr sind sie nahezu unverändert.
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Höhere Boni als im Vorjahr erwartet
Das Gehalt ist für Fachkräfte nicht der einzige entscheidende Faktor. Immer wichtiger wird das Gesamtpaket aus Gehalt, Zusatzleistungen und Arbeitsbedingungen. 28 Prozent der befragten Arbeitssuchenden nannten bessere Benefits als wichtigsten Grund für einen geplanten Stellenwechsel.
Wenn das Grundgehalt vergleichbar ist, achten Fachkräfte vor allem auf Work-Life-Balance und Flexibilität. Diese Faktoren nannten 52 Prozent der Befragten. Es folgten finanzielle Anreize mit 50 Prozent, Angebote für Gesundheit und Wohlbefinden mit 42 Prozent sowie die betriebliche Altersvorsorge mit 41 Prozent.
Die Arbeitgeber reagieren darauf: 62 Prozent der Personalverantwortlichen gaben an, dass ihr Unternehmen Zusatzleistungen mit Bewerberinnen und Bewerbern verhandelt. 70 Prozent sind bereit, über Leistungen zur Verbesserung der Flexibilität zu sprechen. Auch Boni bleiben ein wichtiges Instrument. 40 Prozent der Personalverantwortlichen erwarten, dass die Bonuszahlungen in ihrem Unternehmen höher ausfallen werden als im Vorjahr.
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