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Mehr Freude und bessere Ergebnisse im Jurastudium

Jura Recht Richter [© Africa Studio - Fotolia.com]

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Das Jurastudium ist eine mentale Herausforderung. Schließlich wartet am Ende das gefürchtete Staatsexamen. Wie du trotz des großen Drucks Freude am Fach findest, verrät dir unsere Gastautorin Selma Kalkutschke hier und in ihrem Buch "Insichgespräch – Das Journal für das Jurastudium". Ein Gratis-Exemplar davon kannst du bei uns gewinnen. 

Im Jurastudium musst du große Stoffmengen in kurzer Zeit erlernen, die spezielle juristische Ausdrucksweise verinnerlichen und den hohen Anforderungen der juristischen Klausurkorrektur Stand halten – der psychische Druck ist enorm. Über all dem schwebt das Damoklesschwert Staatsexamen: Am Ende des langwierigen Studiums – durchschnittlich dauert es fünfeinhalb Jahre – stehen die Examensprüfungen, die den gesamten Studienstoff abfragen. Fast 30 Prozent der Studierenden bestehen das Examen nicht. Ihnen bleibt in der Regel nur ein Wiederholungsversuch. Viele Studierende streben ein sogenanntes Prädikatsexamen mit der Note "vollbefriedigend" an, das den Zugang zu sämtlichen juristischen Berufsfeldern eröffnen soll. Doch nur 17 Prozent erreichen dieses Ziel.

Durch den "Alles oder Nichts"-Charakter des Examens entsteht eine Stresssituation für den Körper – und das über mehrere Jahre hinweg: Laut einer Umfrage des Bundesverbands rechtswissenschaftlicher Fachschaften empfinden 57 Prozent der befragten Studierenden den Stress im Jurastudium als negativ. Als körperliche und mentale Folgen werden am häufigsten negative Gedankenspiralen (74 Prozent), gefolgt von Schlafschwierigkeiten (66 Prozent), Niedergeschlagenheit (59 Prozent) und sozialem Rückzug (52 Prozent) aufgezählt.

Auch Jura-Studentin und e-fellows.net-Stipendiatin Selma hat psychischen Druck erlebt. Durch Selbstreflexion hat sie einen Weg gefunden, positiv damit umzugehen. Ihre Erfahrung: Wenn es gelingt, die Faszination für die rechtswissenschaftliche Materie und die Freude an der juristischen Falllösung (zurück) zu gewinnen, verbessern sich die Konzentrationsfähigkeit und die Klausurergebnisse – was zum Weitermachen motiviert. Ein positiver Kreislauf beginnt.

Selmas Buch "Insichgespräch – Das Journal für das Jurastudium" hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch dich daran zu erinnern, dass Jura Spaß machen kann und Erfolge automatisch kommen, wenn man liebt, was man tut. Auf 506 Seiten regt das Journal durch zahlreiche Fragebögen, Tabellen und Listen zur Selbstreflexion an. Es nimmt Jurastudierende – ganz egal, ob im ersten oder im elften Semester – an die Hand und führt sie durch ein Gespräch mit sich selbst. e-fellows.net stellt zur Veröffentlichung sechs Tipps aus dem Journal vor.

Tipp Nr. 1: Finde dein Warum

Die wichtigste und schwerste Frage, die du dir im Laufe deines Jurastudiums stellen kannst, ist Folgende: Welchen Herzenswunsch will ich mir mit Hilfe des Jurastudiums erfüllen?

Diese Frage ist so schwer zu beantworten, weil sie einen ehrlichen Blick in dein Inneres erfordert. Nur in den Wünschen, Träumen und Vorstellungen von deiner Zukunft kannst du deine persönliche Antwort auf diese Frage finden.

Aber die Auseinandersetzung mit deinen Gefühlen lohnt sich: Wenn du einen Wunsch gefunden hast, der deine Augen zum Strahlen bringt, brauchst du dich nie wieder zum Lernen zu disziplinieren. Deine Motivation wird von innen kommen und dauerhaft anhalten. Wenn du weißt, wohin du willst, sind die Herausforderungen des Jurastudiums nur noch kleine Hürden, die du mit Leichtigkeit überspringst.

Um dich mit deinen eigenen Zukunftsvorstellungen auseinanderzusetzen, wartest du am besten auf einen Tag, an dem du gut gelaunt bist und etwas freie Zeit hast. Dann kannst du es dir in der Sonne oder mit einem leckeren Getränk gemütlich machen und einfach mal träumen. Für eine Weile kannst du alle "Wenns" und "Abers" ablegen. Es gibt keine Grenzen, alles ist möglich. Stell dir vor: Es sind von heute an zehn Jahre vergangen und du lebst das schönste Leben, das du dir ausmalen kannst.

Hier sind ein paar Fragen, die du dir in diesem Moment stellen könntest, um deine Fantasie anzuregen: Wie würde dieses Leben aussehen und wie würde es sich von meinem jetzigen Leben unterscheiden? Was würde ich nicht mehr tun? Womit würde ich neu anfangen? Wo würde ich leben? Mit welchen Menschen würde ich mein Leben teilen? Wie würde mein typischer Tagesablauf aussehen? Mit welchem Gefühl würde ich morgens aufwachen und abends einschlafen? Womit würde ich meine Zeit verbringen?

Wenn du dich auf diese Fragen einlässt und ein bisschen träumst, wirst du merken, wie schön sich dieses Leben anfühlen würde. Und auch wenn es gerade ganz weit weg erscheinen mag: Es ist nicht unmöglich, dass du eines Tages dieses Leben führen wirst. Ganz im Gegenteil: Das Jurastudium kann dir viele Türen öffnen und möglicherweise ein wichtiger Schritt in Richtung deines Herzenswunsches sein.

Tipp Nr. 2: Lerne mit Freude

Freude an Jura zu haben ist gar nicht so schwer, wie du vielleicht denkst. Um mit Freude lernen zu können ist zunächst wichtig, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie es dir gerade geht. Lerne ich gerade mit Freude? Oder quäle ich mich?

Nur, wenn du darin geübt bist, deine eigenen Gefühle bewusst wahrzunehmen, kannst du sie auch positiv beeinflussen. Du kannst dir das Lernen durch ein paar Tricks leichter gestalten, indem du dich fragst: Was kann ich vor dem Lernen tun, um bestmögliche Grundlagen für einen schönen Lerntag zu schaffen? Was hilft mir während des Lernens dabei, meine Konzentration aufrechtzuerhalten? Und womit könnte ich mich für einen Lerntag belohnen?

Es wird immer Situationen geben,  in denen du dich überfordert fühlst, du frustriert bist oder Angst hast. Um dich dafür zu wappnen, kannst du dir bereits im Voraus eine Liste von Taktiken anlegen, die dich in einer Drucksituation beruhigen und deine Gedanken wieder in eine positivere Richtung lenken. Schreibt auf deine Liste alle Dinge, die dir Spaß machen, und Gedanken, die dir guttun. In schwierigen Momenten kannst du dann auf sie zurückgreifen.

Zum Beispiel könntest du dich daran erinnern, dass du dich freiwillig für das Jurastudium entschieden hast und theoretisch jederzeit aufhören kannst. Oder du machst dir bewusst, dass das Jurastudium eine Chance ist, die du nutzen kannst, aber nicht musst. Du könntest dir in solchen Situationen auch vorstellen, dass du so reich bist, dass du kein Geld verdienen musst und Jura einfach nur studierst, um etwas Spannendes zu tun zu haben.

Tipp Nr. 3: Geh deinen eigenen Weg

Genauso einzigartig wie du bist, ist auch dein Weg durch dein Studium. Es gibt nicht den EINEN richtigen Weg zu einem glücklichen und erfolgreichen Jurastudium. Es gibt nur den Weg, der sich für DICH richtig anfühlt. Hier sind ein paar Fragen, die du dir am besten ganz unabhängig davon beantwortest, wie es deine Freunde und Kommilitonen halten:

Was sind meine Lieblings-Lernorte? Um das Lernen so angenehm wie möglich zu gestalten, kannst du dich jeden Tag aufs Neue fragen, an welchem Ort du gerade am liebsten lernen würdest. Zuhause in bequemer Kleidung? In der Bibliothek? In einem Café? Auf einer Wiese in der Sonne? In der Badewanne? Wenn du an einem Ort lernst, an dem du gerne Zeit verbringst, fühlt sich das Lernen schon ein bisschen weniger nach Arbeit an. Nimm dir Zeit, diesen richtigen Ort für dich jeden Tag neu zu bestimmen.

Was sind meine Lieblings-Lernmaterialien? Die richtigen Lernmaterialien sind solche, die den Stoff einfach und leicht verständlich darstellen, sodass du ihn danach mühelos in eigenen Worten wiedergeben kannst. Es sind Lernmaterialien, die dich in die Lage versetzen, Fälle selbständig zu lösen und schnell einen Blick für die Strukturen und Probleme des Rechtsgebietes zu entwickeln. Das kann sich für jedes Rechtsgebiet und in jedem Stadium deines Wissens unterscheiden. Ein Lehrbuch? Ein Fallbuch? Ein Skript? Eine Online-Plattform? Ein Podcast? Ein Youtube-Video? Eine App?

Was sind meine Lieblings-Lernzeiten? Manchmal sitzt du am Schreibtisch und alles fällt dir leicht und manchmal will einfach nichts in deinen Kopf. Das kann daran liegen, dass es dem Rhythmus deines Körpers in diesem Moment besonders gut oder eben weniger gut entspricht, sich jetzt zu konzentrieren. Wenn du auf deinen Körper hörst und zum Lernen die guten Konzentrationszeiten nutzt, machst du es dir selbst leichter. Den Teil des Tages, an dem du mental und körperlich nicht ganz auf der Höhe bist, kannst du getrost nutzen, um schöne andere Dinge zu tun und deine Freizeit zu genießen. Zu welcher Zeit kann ich mich in der Regel am besten konzentrieren? Zu welcher Zeit kann ich mich in der Regel nicht besonders gut konzentrieren?

Tipp Nr. 4: Mach Jura zu deinem Zuhause

Die rechtliche Prüfung von Sachverhalten kann sich anfühlen wie ein Labyrinth. Wie ein Wald, den man vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. So muss es aber nicht sein. Das Lösen von Fällen kann sich auch anfühlen wie ein Gespräch mit einer Person, die dir sehr nahesteht, oder wie ein Ort, den du sehr gut kennst. Es kann sich anfühlen wie Zuhause-Sein.

Um das Gefühl von Zuhause-Sein zu erreichen, braucht es Wiederholung. Je öfter du dich mit einem Themengebiet beschäftigt hast, desto besser wirst du es verstehen und desto gewohnter wird es sich für dich anfühlen. Um dich in möglichst vielen Themenbereichen zu Hause zu fühlen, kannst du eine "Zuhause-Liste" anfertigen:

Dazu erstellst du für das Zivilrecht, das öffentliche Recht und das Strafrecht jeweils eine Liste. Diese Listen unterteilst du nach Rechtsgebieten. Im Zivilrecht sind das zum Beispiel BGB AT, Schuldrecht AT, vertragliche Schuldverhältnisse, gesetzliche Schuldverhältnisse, Mobiliarsachenrecht, Immobiliarsachenrecht, Familienrecht, Erbrecht, Handelsrecht, Gesellschaftsrecht, Arbeitsrecht, Zivilprozessrecht I (Erkenntnisverfahren), Zivilprozessrecht II (Zwangsvollstreckung) und das internationale Privatrecht.

In einem nächsten Schritt schnappst du dir zu jedem Rechtsgebiet ein Lehrbuch und trägst mit Hilfe des Inhaltsverzeichnisses die jeweiligen Themen ein. Im BGB AT wären das zum Beispiel die Voraussetzungen für das Bestehen eines Anspruchs, rechtshindernde Einwendungen, rechtsvernichtende Einwendungen, rechtshemmende Einreden, Reihenfolge der Prüfung bei mehreren Anspruchsgrundlagen und so weiter.

Wenn du auf diese Weise den gesamten Examensstoff kleinschrittig aufgelistet hast, kannst du dich bei jedem Thema regelmäßig fragen: Ist mir das Thema zumindest bekannt? Ist es mir vertraut? Oder fühle ich mich im Umgang damit zu Hause? Je öfter du ein Thema wiederholst und es praktisch anwendest, desto wohler wirst du dich im Umgang damit fühlen.

Falls dir das Erstellen deiner Zuhause-Liste zu lange dauert, findest du eine fast 300 Seiten lange Zuhause-Liste im Journal "Insichgespräch", die du individuell ergänzen oder anpassen kannst.

Tipp Nr. 5: Übernimm Verantwortung

Diese Aufgabe ist erstmal unangenehm und kostet Überwindung. Aber sie kann für ein großartiges Gefühl und eine enorme Verbesserung deiner Klausurergebnisse sorgen:

Fertige dir eine Liste mit den Themen an, mit denen du noch nie richtig warm geworden ist. Mit Begriffen, die du noch nie richtig verstanden hast. Mit Fragen, die am besten nicht in der nächsten Klausur drankommen sollten. Mit sogenannten Angst-Themen.

Prüfung eines Verstoßes gegen die Warenverkehrsfreiheit? Prüfung eines fahrlässigen unechten Unterlassungsdelikts? Rechtsfragen bei Zahlung auf die Hypothek bzw. auf die Grundschuld? Und, was bedeutet nochmal "gestörte Gesamtschuld"?

In einem nächsten Schritt holst du erst mal tief Luft und legst die Liste beiseite. Wenn du genug Mut gesammelt hast, machst du mit dir selbst einen Termin aus, an dem du dich einem Angst-Thema stellst. An diesem Tag wirst du es mit ausreichend Schlaf, frischer Kraft und deinen Lieblingssüßigkeiten bezwingen.

Du wirst sehen: Es wird sich großartig anfühlen, wenn du deine Angst bezwungen hast und aus deinem Angst-Thema mit der Zeit ein Zuhause-Thema wird!

Tipp Nr. 6: Feiere deine Erfolge

Um im Jurastudium langfristig motiviert zu bleiben, kann es helfen, wenn du dir deine Erfolge aufschreibst: jeden guten Gedanken, jede gute Wortmeldung in der Vorlesung, jeden guten Diskussionsbeitrag in der Lerngruppe und jede gute Klausur.

Auf diese Weise richtest du deinen Fokus aktiv auf das Positive und wirst bald eine lange Liste vor dir sehen, auf der es schwarz auf weiß steht: Du kannst Jura!

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