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Die Orientierungslosen

Studienwahl, Studienbeginn, Verzweiflung, Corona [Quelle: pexels.com, Autor: Andrea Piacquadio]

Quelle: pexels.com, Andrea Piacquadio

Auf FSJ und Auslandsreisen müssen Abiturienten jetzt verzichten. Ein Studium ist der sicherste Weg. Doch selbst die Unis wissen nicht, was auf die Erstsemester zukommt.

Danielas Abi-Fahrt: abgesagt, Abi-Feier: mit Maske, Abi-Motto: "CoronAbi – mit Abstand die Besten". Der Corona-Frühling war für Daniela Messerschmidt ziemlich chaotisch. Die 19-Jährige hat an einem Gymnasium in der Nähe von München Abitur gemacht. Mit ihrem 1,9er Abitur war sie zufrieden. Nach dem Abi wollte sie erst mal Praktika machen und verreisen, bevor sie sich für einen Weg entscheidet. Doch stattdessen wird sie jetzt ein Studium beginnen.

Direkt an die Hochschule zu gehen, ist für viele Abiturienten in diesem Jahr die sicherste Entscheidung. Am 20. August, einen Monat später als in den Jahren zuvor, endet die Bewerbungsfrist für alle Studiengänge mit Numerus Clausus. Dazu zählen Fächer wie Medizin, Psychologie, Pharmazie oder Tiermedizin. Die Fristen für örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge variieren, doch auch hier enden die meisten erst in den kommenden Wochen. Durch Corona werden sich weniger Studierende aus dem Ausland bewerben, die Chancen auf einen Studienplatz stehen also gut. 

Doch die Frage bleibt: Was soll ich studieren? Corona hat vielen Abiturientinnen und Abiturienten ihren Plan A zerstört. Und sie stehen nun vor der Herausforderung, eine High-Speed-Entscheidung für ihre Zukunft treffen zu müssen. Es gibt mehr als 18.000 Studiengänge an über 400 Hochschulen in Deutschland. Daniela sagt: "Im Juli wusste ich noch nicht mal, welche Studiengänge es überhaupt alles gibt." Vier Wochen später schickte sie ihre Bewerbungen ab. So geht es vielen. 

Im Juli wusste ich nicht mal, welche Studiengänge es überhaupt gibt. 

Daniela Messingschlager, Abiturientin

Als Daniela klar war, dass sie sich nun doch bewerben wird, hat sie angefangen, Online-Tests zu machen und Portale zu durchforsten. Doch Fragebögen brachten sie nicht weiter. "Dass ich mehr sozial als technisch begabt bin, wusste ich schon vorher", erzählt sie. Sport war ihr Lieblingsfach im Abitur. Als die Basketball- und Tennisplätze geschlossen waren, hat sie sich mit Videos der YouTuberin Pamela Reif im Wohnzimmer für die praktischen Prüfungen fit gehalten. Gibt man "Sport" in eine Studiengangssuchmaschine ein, bekommt man über 400 Ergebnisse: Von High Performance Sport in Saarbrücken bis International Sport Development and Politics in Köln. Stück für Stück hat sie die Auswahl für sich eingegrenzt. 

Dann hat sie sich für drei Fächer mit Sportbezug in Bayreuth, Kempten und Regensburg beworben. Doch wie genau ein Sportstudium im Herbst mit Mannschaftssport, Turnhallen und engen Umkleidekabinen funktionieren soll, wenn man sich wegen Corona eigentlich nicht treffen kann, ist ihr unklar.

Barbara Michalk ist Referatsleiterin bei der Hochschulrektorenkonferenz und sagt: "Wir wollen so viel Präsenz wie möglich, doch 500 Personen in einem Hörsaal, zum Beispiel bei der Einführung in BWL, wird es im Herbst wohl nicht geben. Da gehen die gesundheitlichen Belange vor." Die Hochschulen erarbeiten derzeit gemeinsam neue Lösungen zur Hochschule in Zeiten von Corona, und auch wenn die Regelungen variieren werden: Im Herbst wird es überall ein Hybridkonzept geben, eine Mischung aus Digital- und Präsenzlehre. 

Schnitzeljagt statt Kneipentour

Besonders Studiengänge, die auf praktische Lehr- und Lernformate angewiesen seien, sollen in Bezug auf Präsenz bevorzugt werden, erklärt Michalk. Die Arbeit in Laboren für Chemiestudenten, auf dem Sportplatz für Sportwissenschaftlerinnen, in Übezellen für Musiker und in Werkstätten für Künstlerinnen, soll in Kleingruppen möglich sein. Außerdem wollen die Universitäten besondere Rücksicht auf die Erstsemester nehmen. "Wir müssen Lösungen finden, wie wir für Erstsemester nicht nur einen fachlichen, sondern auch einen sozialen Neuanfang gestalten können", sagt Michalk. Die große Herausforderung für die Hochschulen sei nicht die Onlinelehre, sondern das Soziale. Ob sich die neuen Studierenden wohlfühlen, wird wohl auch davon abhängen, wie engagiert die Studierendenvertretungen sind: Die Ersti-Party kann ein Picknick im Park auf Abstand sein, die Kneipentour eine Schnitzeljagd am Fluss.

Das Schlimmste wäre ein Lockdown im Herbst, meine Hoffnungen auf ein Auslandsjahr werden dann immer kleiner. 

Annika Krass, Abiturientin

Aus diesem Grund kommt für Annika Krass ein Studium an ihrer Traumuni in Oldenburg nicht infrage. Sie kann sich einfach nicht vorstellen, in eine neue Stadt zu ziehen, nur um dann zu Hause vor ihrem Rechner Vorlesungen anzuhören. Annika ist 18 Jahre alt, hat in der Nähe von Mainz Abi gemacht und wollte eigentlich als Freiwillige für ein Jahr nach Costa Rica gehen. Jetzt hängt sie in der Luft. Das FSJ ist nicht abgesagt, sondern nur verschoben. Aber wann sie ins Ausland gehen kann, ist noch nicht klar. "Das Schlimmste wäre, wenn im Herbst wieder der komplette Lockdown käme, dann werden die Hoffnungen auf mein Auslandsjahr immer kleiner", sagt Annika. 

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