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Mit Stift und Block neben all den MacBooks

Zu Anfang meines Studiums saß ich im Hörsaal immer mit Block und Stift neben meinen Kommilitonen und ihren MacBooks. Am Ende des Tages taten mir die Finger vom vielen Schreiben weh, aber das fühlt sich dann immer an wie: Heute hast du echt was gearbeitet. Im dritten Semester hatte ich schließlich genug Geld gespart, um mir einen eigenen kleinen Laptop zu kaufen, Lenovo, 280 Euro, das ging finanziell. Als Corona kam, war ich super froh um den Laptop, sonst hätte ich echt ein Problem gehabt.

Ich bekomme 450 Euro Bafög, davon gebe ich 150 Euro zu Hause für die Miete ab. Neben dem Studium gebe ich noch Nachhilfe in einem Verein hier in Berlin. Da kommen Grundschüler und auch ältere. Bisher haben wir die Nachhilfe einfach online gemacht, seit den Lockerungen geht es wieder analog. Ich bin froh, dass ich diesen Job nicht verloren habe, ich brauche das Geld.

Wenn ich Fristen bei den Papieren meiner Eltern vergesse, dann hängen da nicht nur Credit Points dran. Sondern manchmal unser ganzes Leben."

Lara Mohamad

Allerdings ist es gar nicht so leicht, alles unter einen Hut zu bekommen: Nachhilfe, die Abgaben für die Uni einhalten, meiner Familie gerecht werden und ja keine Frist von irgendetwas Bürokratischem verpassen. Das ist viel Verantwortung. Wenn ich Fristen bei den Papieren meiner Eltern vergesse, dann hängen da nicht nur Credit Points dran. Sondern manchmal unser ganzes Leben.

Ich weiß noch, als ich vor ein paar Jahren im Urlaub im Libanon war, schickte mein Vater mir auf WhatsApp ein Bild von einem Brief, der in Deutschland bei uns angekommen war. Da stand, wir müssten binnen zehn Tagen unsere Wohnung räumen. Mein Herz hat fast ausgesetzt. Aus dem Libanon habe ich dann bei den Behörden angerufen und herausgefunden, dass wir kleinere Beträge bei der Mietüberweisung vergessen hatten. Ich habe meinem Vater die Adresse der Behörde rausgesucht und ihn sofort hingeschickt, um die Diskrepanz zu bezahlen. Wir kamen rechtzeitig und durften in der Wohnung bleiben.

Diese Sache verfolgt mich bis heute, ich habe oft Angst etwas zu übersehen, was dann meiner ganzen Familie und unserem Leben schadet. Und weil mein Vater seinen Job in einem Restaurant durch Corona verloren hat, kommt gerade noch mehr Papierkram als sonst auch mich zu. Und auch mehr Unsicherheit und Verantwortung.

Ich weiß, dass viele meiner Kommilitonen sich gerade nicht um solche Dinge kümmern müssen. Die meisten leben allein in einer tollen Wohnung oder in einer WG, beschäftigten sich hauptsächlich mit sich und mit ihrer Zukunft. Während dem Lockdown sind einige zurück zu ihren Eltern gezogen und lassen sich dort umsorgen. Ich gönne ihnen das total. Mir ist nur wichtig, dass Menschen verstehen: Nicht jeder hat diese Privilegien.

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