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Wie finde ich einen Beruf, der zu mir passt?

Weg [Quelle: unsplash.com, Caleb Jones]

Quelle: unsplash.com, Caleb Jones

Jannike Stöhr war erst Mitte 20, als sie den Ausstieg aus ihrem bisherigen Berufsleben wagte. Im Interview erzählt sie, was sie an diesen Punkt gebracht hat und wie sie ihr Berufsleben nach einem Experiment in die richtigen Bahnen gelenkt hat.

Der Titel Ihres neuen Buchs lautet "Ich bin so frei – raus aus dem Hamsterrad – rein in den richtigen Job". Ist nicht gerade die große Freiheit bei der Studiums- und Berufswahl Fluch und Segen zugleich?

Ja, man kann durchaus sagen, dass die vielen Auswahlmöglichkeiten es erschweren, den richtigen Beruf zu finden. Weil diese Vielfalt an Optionen auch lähmend sein kann. Allerdings würde ich nicht sagen, dass diese Freiheit dazu führt, dass man zwangsläufig in einem falschen Job landet.

Sie haben schon mit Mitte 20 festgestellt, dass Ihr Job bei einem großen Autohersteller Sie nicht erfüllt – obwohl er anspruchsvoll war und Sie immer wieder gefördert wurden. Wie haben Sie gemerkt, dass Sie nicht auf dem richtigen Weg sind?

Ich habe eigentlich ganze fünf Jahre lang überlegt, was ich in meinem Leben ändern muss, um zufriedener zu werden. Die Unzufriedenheit, die ich in mir trug, habe ich anfangs auf ganz verschiedene Dinge zurückgeführt. Zunächst dachte ich: Ich verdiene zu wenig, ich habe zu wenig spannende Aufgaben, ich habe zu wenig Klamotten. Ich habe also versucht, diese Unzufriedenheit von außen aufzulösen – habe eine Gehaltserhöhung bekommen, einen anspruchsvolleren Job, bin ins Ausland gegangen, habe mir sehr viele Dinge gekauft. Aber den Grund für meine Unzufriedenheit habe ich nicht gefunden, denn trotz aller Änderungen war sie spätestens nach einem halben Jahr wieder da.

Also habe ich weitere Sachen ausprobiert: verschiedene Sportarten, Ehrenämter, Hobbys, Dankbarkeitstagebuch, Berufsberatung. Ich bin auf dem Jakobsweg gepilgert und habe als Gegenprogramm zu meinem früheren Konsumverhalten auf Konsum verzichtet und mir eine medienfreie Zeit gegönnt. Doch je mehr ich probiert habe, desto stärker wurde die Unzufriedenheit. Den wahren Grund dafür habe ich einfach nicht gefunden.

Dazu kam dann eine persönliche Krise: Mein Vater wurde schwer krank und ist gestorben. Das hat mich noch einmal dazu gebracht, anders über Dinge nachzudenken. Er war damals gerade in den Vorruhestand gegangen – und konnte nur noch einen Teil der Dinge machen, die er sich lange vorgenommen hatte. An diesem Punkt habe ich aufgehört, über meine aktuelle Unzufriedenheit nachzudenken, und habe überlegt: Wenn ich mein Leben so weiterlebe wie bisher, wo bin ich dann, wenn ich 60 bin? Was habe ich dann für ein Leben? Diese Vorstellung hat mir nicht gefallen. Das war der Zeitpunkt, an dem ich gesagt habe: Ok, ich steige aus.

Hat Ihr persönliches Umfeld Sie in dieser Entscheidung unterstützt?

Mein persönliches Umfeld hat meine Reise mitbekommen: Freunde und Familie wussten, dass ich unzufrieden bin. Aber verstehen konnten sie es nicht. Ich wurde also gefragt: "Was willst du denn noch?" Das hat mich dazu gebracht, zu denken, dass irgendetwas nicht mit mir stimmt – ein bedrückendes Gefühl. Es kam mir vor, als sei das Leben halt so, und ich hätte nur nicht die Fähigkeit, es wertzuschätzen. Daraufhin hatte ich ja aber das Dankbarkeitstagebuch geführt und gemerkt: Doch, ich kann dankbar sein, aber es stimmt trotzdem etwas nicht. Diesen Prozess hat mein Umfeld mitbekommen, das heißt, es war niemand überrascht, als der Ausstieg konkret wurde. Aber es haben alle gesagt: "Willst du das wirklich machen? Überleg doch nochmal …" Gerade auch, als es um die Unterschrift des Freistellungsauftrags bei meinem Arbeitgeber ging: "Willst du das wirklich unterschreiben?" Diese Aussagen kamen schon immer wieder – aber mein Umfeld wusste auch, wo ich herkam.

Idealerweise kommt man ja gar nicht erst an den Punkt, sich nach dem Studium und dem ersten Job schon neu zu orientieren.  Welche Tipps haben Sie für die Studienwahl?

Wenn ich Berufsberatung mache, dann tatsächlich meistens erst mit Menschen ab 25. Für Bekannte mache ich als Gefallen auch mal eine Ausnahme und berate jüngere Menschen. Ich habe aber festgestellt, dass oft Dinge, die eigentlich zu einem passen würden, abgelehnt werden, weil sie keine klassische Karriere versprechen. Man hat als junger Mensch häufig ein Bild im Kopf, wie die eigene Karriere aussehen soll und wie man erfolgreich sein kann. Die Dinge, die man eigentlich gerne machen würde, schiebt man dann beiseite, weil sie nicht so erfolgversprechend aussehen. Da kann ich als Berufsberaterin dann auch sagen, was ich will – davon abgesehen bin ich auch gar nicht in der Position, irgendwelche Vorschriften zu machen. Die Erfahrung, was wirklich zu einem passt, muss man selbst machen. In dem Zusammenhang habe ich aber gerade in einem Buch von Richard David Precht – "Anna, die Schule und der liebe Gott: Der Verrat des Bildungssystems an unseren Kindern" – etwas Interessantes gelesen: Nur zehn Prozent dessen, was wir an formaler Bildung bekommen, brauchen wir später im Job. Von daher ist es aus meiner Sicht eigentlich auch egal, was wir studieren. Das gilt natürlich nicht für jeden Beruf gleichermaßen, es gibt Ausnahmen: Wenn ich Arzt werden möchte, muss ich natürlich Medizin studieren. Aber grundsätzlich ist die Studienwahl für den späteren Job nicht zentral. Und das ist doch eigentlich eine positive Nachricht.

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