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Zurück ins Elternhaus

Haus, Herbst, Heimat, Eltern, Garten [Quelle: unsplash.com, Autor: Scott Webb]

Quelle: unsplash.com, Scott Webb

Der Übergang zwischen Studium und Beruf verläuft nicht immer reibungslos. Wenn erwachsene Kinder arbeitslos werden, sind oft die Eltern gefragt. Aber wollen und können die helfen?

Einmal angenommen, die Tochter oder der Sohn hat das Studium erfolgreich beendet. Nach Wochen oder gar Monaten des Büffelns und Bangens ist dann erst mal Zeit zum Durchatmen angesagt – sowohl für die frischgebackenen Akademiker wie für deren Eltern. Denn schließlich haben viele Eltern nicht nur in der Prüfungsphase mitgezittert, sondern seit Jahren auch kräftig mitbezahlt.

Das Durchatmen betrifft insofern natürlich auch die finanzielle Seite, denn nicht nur ein Studium kostet viel Geld, sondern das gesamte Kind hat bis dato ordentlich Geld aus dem elterlichen Haushalt verschlungen. Und die Kinder haben während ihres Studiums schließlich auch nicht auf der faulen Haut gelegen, sondern mit Nebenjobs zum eigenen Lebensunterhalt beigetragen, in seltenen Fällen haben sie ihn sogar vollständig finanziert oder einen Studienkredit aufgenommen, der später zurückzuzahlen ist.

Es kursieren in den Medien verschiedene Zahlen, wie viel ein Kind angeblich "kostet". Die zuverlässigsten sind wohl die Erhebungen des Statistischen Bundesamtes, denen zufolge ein Kind rund 130.000 Euro kostet. Die amtlichen Berechnungen enden allerdings stets mit Vollendung des 18. Lebensjahres. Die Studienzeit ist darin also noch gar nicht enthalten und muss dazugerechnet werden. Wer eigene Kinder im Studium hat, der weiß: Da kommt noch mal ein dicker Batzen hinzu.

Väter neigen zu Ratschlägen, Mütter bevorzugen eine Beziehung auf Augenhöhe

Daher ist verständlich, dass sich auch die Eltern über die frisch errungene Selbständigkeit ihrer Sprösslinge freuen. Doch nicht immer gelingt der finanzielle Absprung vom Elternhaus nach dem Studium reibungslos. Viele Absolventen müssen nach dem Examen erst noch ein mehrmonatiges Praktikum machen, vielleicht auch zwei oder drei Praktika, bevor ihnen der Einstieg in einen "richtigen" Beruf und damit die endgültige Unabhängigkeit vom Elternhaus gelingt. Mit dem Studienende ist die echte Unabhängigkeit oft noch gar nicht erreicht.

"In dieser Übergangsphase bekommen die jungen Leute aber nicht nur finanziell, sondern auch emotional und inhaltlich ganz viel Unterstützung seitens der Eltern", hat Heike Buhl in ihren Studien festgestellt. Die Entwicklungspsychologin an der Universität Paderborn forscht zu Themenkomplexen wie "Intergenerationale Unterstützung" und "Interdependenz", also gegenseitige Abhängigkeiten und Einflüsse in der Beziehung zwischen Erwachsenen im Alter von 25 bis 50 Jahren und ihren Eltern. Sie untersucht, inwiefern es erwünschte oder unerwünschte Einflussnahmen, Kontakte und Beziehungen zwischen Eltern und erwachsenen Kindern gibt.

"Grundsätzlich ist es so, dass Väter eher zu Ratschlägen neigen und Mütter eine Beziehung auf Augenhöhe leben. Dies wird von den Kindern mehrheitlich auch meist positiv gesehen und nicht als Einmischung empfunden", sagt Buhl. Von den Vätern würden viele erwachsene Kinder sich allerdings oft etwas mehr "emotionale Nähe" wünschen. Vielfach würden deren Tipps sich auf "gute Arbeitgeber" oder ähnliche berufspraktische Hinweise beschränken. Diese Tipps würden allerdings auch gern von den Kindern aufgenommen.

Hohe Mehrbelastung bei Müttern

Eine aktuelle amerikanische Studie, veröffentlicht im "IZA Journal of Labor Economics", macht derweil darauf aufmerksam, dass die Arbeitslosigkeit eines erwachsenen Kindes den Arbeits-, Konsum- und Versicherungsstatus seiner Mutter beeinflusst. So hätten vor allem jüngere Mütter ihre Beiträge zur Rentenversicherung und ihr bewegliches Vermögen reduziert. Untersucht wurden rund 4.500 Mutter-Kind-Verhältnisse, bei denen das erwachsene, zwischen 24 und 33 Jahre alte Kind mit eigenem Haushalt mindestens eine Woche lang arbeitslos war. Die Mutter traf die Situation des arbeitslosen Nachwuchses am häufigsten, wenn sie selbst Ende 50 Jahre alt war.

Die von den Ökonomen beobachtete finanzielle Mehrbelastung des mütterlichen Haushalts falle zwar gering aus. Sie könne sich aber ungünstig auf die Einkommenssituation der Mutter im Alter auswirken und gesellschaftliche Ungleichheit produzieren, weil die Absicherung der jüngeren Generation vom Wohlstand und Wohlwollen der Eltern abhänge, warnen die Studienautoren Kathryn Edwards und Jeffrey Wenger.

Tatsächlich gibt es hierzulande keine gesetzliche Verpflichtung der Eltern, den Nachwuchs jenseits des 25. Lebensjahres finanziell zu unterstützen. Sie sind rechtlich aus der Unterhaltspflicht entlassen, sobald er seinen 25. Geburtstag feiert. Allerdings fühlten doch viele Eltern eine "gesellschaftliche und moralische Verpflichtung", betont Professorin Buhl: "Die meisten Eltern haben doch das Bedürfnis, ihre Kinder lebenslang zu unterstützen und später auch noch die Enkel.

Eltern greifen ihren Kindern gern bei größeren Anschaffungen wie einem Haus, einer Wohnung oder einem Auto unter die Arme, ermöglichen ihnen Reisen oder finanzieren Teile der Ausbildung. Eltern sehen darin meist auch eine gute Möglichkeit, mit ihren Kindern in Beziehung zu bleiben."

Und wie bewertet die Fachfrau es, wenn der erwachsene Sohn oder die fertig studierte Tochter plötzlich wieder zu Hause einziehen will? Ebendeshalb, weil ein Haushalt billiger ist als zwei Haushalte? "Es kommt sehr drauf an", warnt Buhl. "Wichtig ist zu klären, dass es sich nun um eine erwachsene Eltern-Kind-Beziehung handelt. Ist das Kind selbständig und in seiner Entwicklung autonom genug und die Eltern kommen nicht mit ihren ständigen Klein-Klein-Kämpfen wie früher, dann kann es funktionieren."

Ansonsten sei die praktische und psychologische Abhängigkeit in enger räumlicher Umgebung aber oft schwierig. Schon mit Abschluss der Schulzeit fühlten sich die Kinder ja physisch und psychisch erwachsen. Notgedrungen existiere dann aber eine materielle Abhängigkeit bis zum Ausbildungsende und Berufseintritt. Insofern plädiert die Psychologin schon für eine Eigenständigkeit des Nachwuchses auch in räumlicher Hinsicht. Nicht zuletzt deshalb, weil heutige Eltern eine viel längere Lebenserwartung haben als frühere Generationen: "Das sind oft noch 40 gesunde Jahre. Die sollten Kinder und Eltern gemeinsam für die Gestaltung einer Beziehung auf Augenhöhe nutzen."

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