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Gezielt eingeladen werden jedoch nur die Auserwählten

Wenig spaßig findet die Bonner Studentenvertretung das Premiumprogramm. Die Honors-Kurse verletzten die Chancengleichheit, kritisiert Asta-Referent Simon Hansen. Zudem seien die Auswahlkriterien fragwürdig. "Das Ganze belohnt doch nur die, die sich sklavisch hinter die Bücher klemmen", sagt Hansen.

Aus Protest klagte der Asta gegen das Programm. Das Verwaltungsgericht Köln gab den Studierenden recht: Exklusivangebote für leistungsstarke Studenten sehe das Hochschulgesetz nicht vor, so die Richter. Der Spruch erinnert an das berüchtigte Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1972. Damals verbot das oberste Gericht den Universitäten, den NC zu verschärfen, um die Betreuung zu verbessern. Begründung: das sei "unzulässige Niveaupflege".

Nun sind die Honors-Kurse für alle offen: Elite für jeden. Gezielt eingeladen werden jedoch nur die Auserwählten. Auch andere Universitäten lassen sich nicht durch den Kölner Entscheid abschrecken. Als Nächstes will die Uni Bochum mit einem Honors-Programm nachziehen.

Das Konzept stammt aus den USA. Hier gehört der Gedanke, Studenten, die mehr können, auch mehr zu anbieten, zum akademischen Grundverständnis. Ob Staatsuniversität, private Eliteeinrichtung oder Provinzcollege: Fast alle Hochschulen kennen Bestenlisten (dean’s list), Frühforschungsprogramme (research opportunity programs) oder Exzellenzkurse (honors classes). Besondere Tradition in den Geisteswissenschaften haben die Great books- Seminare. Hier müssen die Studenten die Klassiker der westlichen Geisteskultur von Aristoteles bis Max Weber lesen: pro Woche ein Buch.

Solche Angebote setzen auf Selbstselektion. Denn nur die wenigsten Studenten schaffen so ein Pensum. Doch es gäbe sie natürlich auch in Deutschland: Studierende, die nicht über den "Lernstress" und den "Notenterror" des Bachelors schimpfen, sondern sich im Gegenteil wegen Unterforderung langweilen; Erstsemester, die sich schon Jahre vor Studienbeginn mit ihrem Fach beschäftigt haben und bereits wissen, dass sie promovieren wollen. "Die Universitäten dürfen sich nicht darauf verlassen, dass die Besten sich schon irgendwie holen, was sie benötigen", sagt Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Damit liefen sie Gefahr, Talente nicht zu erkennen oder sie verkümmern zu lassen – auch das sei ungerecht.

Niemand muss dabei Angst haben, die Hochschulen würden über die Bestenförderung den Rest der Studierenden vergessen. Das zeigt das Beispiel der Technischen Uni München. Als Exzellenzhochschule der ersten Stunde ist die TUM so etwas wie die Streberhochschule Deutschlands. Fragt man hier nach Förderprogrammen für begabte Studenten, erhält man eine Übersicht von über siebzig Seiten. Es gibt Elitestudiengänge, Sommerschulen sowie eine Junge Akademie, in der die Notenbesten mit spezieller Unterstützung der Uni eigene Projektideen in die Tat umsetzen können. Ein schlechtes Gewissen wegen einseitiger Elitenförderung habe man deshalb jedoch nicht, sagt Regine Keller, die im TUM-Präsidium für die Lehre zuständig ist: "Das Geld und die Mühe, die wir auf die Unterstützung leistungsschwächerer Studenten verwenden, sind um ein Vielfaches größer."

© ZEIT Online (Zur Original-Version des Artikels)

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