Partner von:

Cash statt Kredite

Studium Nebenjob Kellnern Café [Quelle: © Square – unsplash.com]

© Square – unsplash.com

Zehntausende Studierende haben infolge der Corona-Pandemie ihre Nebenjobs verloren. Helfen sollen Darlehen. Doch vielen geht das nicht weit genug.

Normalerweise kellnert Paul*, 24, zwei Mal pro Woche in einem Café im Leipziger Stadtteil Plagwitz. Er steht hinter der Kaffeemaschine, bereitet Chai-Lattes und Cappuccino zu und bringt selbst gebackenen Schokokuchen an vollbesetzte Tische. Doch seit knapp vier Wochen hat das Café geschlossen, ebenso wie alle anderen Gastronomiebetriebe, Geschäfte und Freizeiteinrichtungen in Deutschland, die nicht für die Grundversorgung notwendig sind. Paul fehlen jetzt nicht nur 450 Euro pro Monat – Geld, von dem er für gewöhnlich Kino oder Urlaube bezahlt. Er weiß auch nicht, ob er nach dem Lockdown wieder im Café arbeiten kann. Sein Chef hat ihm vorerst gekündigt, da er selbst noch nicht weiß, ob der Betrieb die Krise übersteht. Paul kann seinen Lebensunterhalt nun gerade noch so bestreiten, weil er 744 Euro Bafög erhält. "Ich bin in einer privilegierten Situation. Ein paar meiner Kollegen bekommen kein Bafög und wissen nicht, wie sie die nächste Miete bezahlen sollen."

Paul ist einer von 750.000 Studierenden, die infolge der Corona-Krise ihren Nebenjob verloren haben. Die Zahl geht aus einer repräsentativen Umfrage der Campus-Service GmbH und VariFast GmbH hervor. Der Nebenjob bringt für viele Studierende weit mehr als ein Taschengeld für Klamotten und Freizeit: Laut der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks jobben 68 Prozent der 2,9 Millionen Studierenden in Deutschland. Mehr als die Hälfte ist auf ihre Gehälter angewiesen, weil ihre Eltern sie nicht finanziell unterstützen können oder sie wenig oder kein Bafög erhalten.

Nicht alle Studierenden mit wenig Geld bekommen automatisch Bafög. Nur 20 Prozent aller Studierenden erhalten die Förderung. Wer etwa zu Beginn des Bachelorstudiums älter als 29 Jahre ist oder zu Beginn des Masters älter als 34 Jahre, hat keinen Anspruch – unabhängig davon, wie wenig die Eltern verdienen. Ebenso internationale Studierende, Studierende im Zweitstudium oder Studierende, die Regelstudienzeit überschritten haben.
Sarah Kajewski studiert im sechsten Semester Literaturübersetzen in Düsseldorf und schreibt gerade ihre Masterarbeit. Bafög bekommt sie seit September 2019 nicht mehr.

Um sich ihr Studium zu finanzieren, passt sie Kinder auf und arbeitet auf 450-Euro-Basis in einer Sprachschule. Vor knapp einem Monat sagte ihr ihre Vorgesetzte, dass die Schule wegen des Virus auf unbestimmte Zeit schließen müsse und es für sie solange nichts zu tun gebe. "Als ich nach Feierabend nach Hause kam, habe ich nur noch geweint. Ich hatte Existenzängste", sagt Sarah.

Sarah wohnt mit ihrem Freund in einer Zweizimmerwohnung, sie teilen sich die Miete, jeder zahlt 300 Euro. Allein dafür braucht sie die 450 Euro Gehalt. Hinzu kommen Lebensmittel und Krankenversicherung. Ihre Eltern können sie finanziell nicht unterstützen. "Meine Freunde haben mir angeboten, mir Geld zu leihen, aber ich will ihnen nicht zur Last fallen", sagt Sarah. Ihr einziger Hoffnungsschimmer: Den Kindern, auf die sie sonst aufpasst, gibt sie jetzt per Skype Englisch-Nachhilfe. Das bringt rund 50 Euro pro Woche. Doch leben kann Sarah davon nicht. "Spätestens Ende April habe ich meine Ersparnisse aufgebraucht", sagt Sarah.

 *Paul heißt eigentlich anders. Er möchte nicht, dass wir seinen Namen veröffentlichen. Er befürchtet, einen Nachteil zu erfahren, wenn er sich auf Jobs bewirbt.

nach oben

Du hast eine zündende Idee für einen Artikel auf e-fellows.net? Schreib für uns als Gastautor. Wir freuen uns auf deine Beiträge!

Verwandte Artikel

Tipps fürs Studium und

Infos zu Top-Unis - einmal

monatlich in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren