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Ein Psychologe im Interview

Herr Witte, hatten Sie selbst schon einmal Prüfungsangst?

Prüfungsangst im Sinne einer Störung hatte ich nicht, sondern die normale, angemessene Unruhe oder Spannung, die leistungssteigernd wirkt - ähnlich wie bei einem sportlichen Wettbewerb. Das heißt nicht, dass ich dieses Gefühl besonders angenehm fand. Aber es war auszuhalten und vielleicht sogar notwendig, um mich besser zu konzentrieren.

Aufregung vor einer Prüfung ist normal. Woran erkenne ich, dass meine Aufregung in Prüfungsangst umschlägt?

Pauschal kann man das nicht sagen, da wir alle sehr unterschiedlich belastbar sind. Was für den einen zu viel ist, macht dem anderen noch gar nichts aus. Ich muss für mich individuell entscheiden, wann mein Befinden und meine Leistungsfähigkeit zu stark beeinträchtigt sind. Wenn mir aber schon bei dem Gedanken an die Prüfung die Knie schlottern, wenn meine Prüfungsvorbereitung stark durch die Angst beeinträchtigt wird und wenn ich schon Tage vorher nicht mehr gut schlafe, dann spricht man definitiv von Prüfungsangst.

Neigen eher die guten oder die schlechten Studierenden zu Prüfungsangst?

Prinzipiell steht die Angst nicht mit der Leistung in Zusammenhang. Es leiden sowohl gute als auch schlechte Studierende unter Prüfungsangst. Meine Erfahrung aber ist, dass es häufig eher die leistungsfähigen und ehrgeizigen Studierenden sind, die mit der Angst zu kämpfen haben. Ihr perfektionistischer Anspruch an sich selbst macht ihnen das Leben schwer. Sie haben sich ein regelrechtes "Schwarz-Weiß-Denken" angewöhnt: Wenn ich nicht eine 100-prozentige Leistung bringe, habe ich versagt.

Ist Prüfungsangst unter Studierenden ein Tabuthema?

Ja, ich denke schon. Ich habe früher Gesprächsgruppen zum Thema Prüfungsangst angeboten, die aber schlecht nachgefragt wurden. Stattdessen kommen die Studierenden mit dem Problem in die Einzelberatung. Es ist den Leuten offenbar unangenehm, vor anderen über ihre Ängste zu sprechen. Generell kann man sagen, dass mehr Frauen zur Beratung kommen als Männer. Das bedeutet nicht, dass Männer nicht unter Prüfungsangst leiden. Aber für sie ist es oft noch problematischer, darüber zu sprechen.

Im Zusammenhang mit Prüfungsangst spricht man oft von einem Blackout. Was versteht man darunter?

Ein Blackout bedeutet, dass mir nichts auf die Frage des Prüfers einfällt. Das geschieht, wenn meine Prüfungsangst plötzlich so groß wird, dass für die Leistungsfähigkeit kein Platz mehr bleibt. Meine "kognitive Ordnung" bricht zusammen, und ich bin nicht mehr in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Allerdings halte ich seine Häufigkeit und Bedeutung im Prüfungsgeschehen für überbewertet. Der Begriff beinhaltet sehr viel Dramatik. Es hört sich immer besser an, wenn ich nach einer Prüfung vom "totalen Blackout" spreche, als wenn ich sage, dass meine Leistung wegen meiner Prüfungsangst nicht so gut war.

Wie helfen Sie den Studierenden konkret?

Im Schnitt führe ich vier bis fünf Gespräche mit ihnen. Wir klären gemeinsam, welche Bedeutung die Prüfung für sie und ihre Zukunft hat. Prüfungsängstliche übertreiben häufig die Bedeutung und dramatisieren negative Folgen. Dann geht es um die Prüfungsvorbereitung: Die Studierenden müssen sich gut vorbereiten und dann bewusst realisieren, dass sie tatsächlich gut vorbereitet sind. Das ist die Grundlage für Stärke und Selbstbewusstsein angesichts einer Prüfung. Ganz wichtig ist auch ihr Selbstbild: Muss ich perfekt sein, damit ich mich mag und damit andere mich anerkennen? Häufig sehen die Studierenden hier schon selbst, dass ihre Wahrnehmung und die Realität weit auseinanderklaffen.

Unterstützung vom Studentenwerk Braunschweig

Das Studentenwerk Braunschweig hat in einer Broschüre Infos zum Thema Prüfungsangst zusammengestellt. Du erfährst:

  • wie du deine Prüfungsangst minderst,
  • mit welchen Methoden du dich gezielt auf Leistungsüberprüfungen vorbereitest,
  • und wie du dich in der Prüfungssituation am besten verhältst.
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