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Das Studium ist die beste Zeit, um die wichtigsten Kontakte für die Karriere zu knüpfen. Nur: Wie stellt man es am besten an?

Der Wert eines guten Netzwerks, meint Stefan Nann, hat mit Größe nichts zu tun: "Wenn ich nur zwei Kontakte habe, aber die heißen Barack Obama und Warren Buffett, dann ist das mehr wert als 1.000 andere", sagt Nann. Nun kennt der 37-Jährige zwar weder den ehemaligen US-Präsidenten noch den amerikanischen Investor – und trotzdem lässt sich sein Weg vom Studenten zum Unternehmer anhand zwei entscheidender Kontakte erzählen: seinem Mitgründer und ihrem ersten Geldgeber.

Nummer eins: Viertes Semester Wirtschaftsinformatik an der Universität Köln, ein Kommilitone macht ihn bekannt mit Jonas Krauß. Die beiden freunden sich an und gehen nach dem Diplom gemeinsam für einen Forschungsaufenthalt ans Massachusetts Institute of Technology (MIT) in die USA, wo sie den Plan fassen, ein Unternehmen zu gründen. Nummer zwei: Knapp ein Jahr später stellt ihnen ein Doktorand an der Uni Köln den Investor Heinz Ackermann vor. Er wird der erste Investor für Stockpulse, ihr Unternehmen, das heute Börsenaufsichten und Hedgefonds mitkursrelevanten Daten aus sozialen Medien versorgt.

Stefan Nanns Lebenslauf mag außergewöhnlich schnell zum Erfolg geführt haben. Ungewöhnlich aber ist dieser Verlauf nicht, wenn man Netzwerkforschern glauben darf. Karriere-Wendepunkte fallen häufig zusammen mit neuen Kontakten an der Hochschule. Und das bedeutet auch: Wer an der Uni kein gutes Netzwerk entwickelt, der hat es auch später schwerer.

Stellen über Kontakte besetzt

Vom sozialen Kapital, das an der Universität angespart wird, zehren Akademiker ein Berufsleben lang. Wie wichtig die daraus erwachsenden Netzwerke sind, zeigt etwa eine neue Befragung der Karriereplattform LinkedIn: Diejenigen Nutzer, die von sich glauben, ein überdurchschnittlich großes Netzwerk zu haben, sehen sich auch in Sachen Gehalt und Karriere ihren Kollegen voraus. Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung wurde 2018 ein Drittel aller offenen Stellen über persönliche Kontakte von Mitarbeitern besetzt.

Den Wert der Kontakte zeigen auch prominente Beispiele aus der Start-up-Szene: Robert Gentz und David Schneider, die Gründer des Versandhändlers Zalando, lernten sich an der privaten Wirtschaftshochschule WHU in Vallendar kennen – ihr heutiger Co-CEO Rubin Ritter absolvierte ebenfalls ein MBA-Studium dort. Auch Peter Thiel und Reid Hoffmann, die PayPal gemeinsam aufbauten, lernten sich im Studium an der Universität Stanford kennen.

Eigentlich ist es kein Wunder. Studierende verbringen viele Stunden zusammen auf dem Campus, in Hörsälen, in der Mensa. Müssen Hausarbeiten gemeinsam schreiben, Präsentationen halten oder für Klausuren lernen. Sie leiden zusammen, leben zusammen. Umgeben sind sie dabei von Professoren und Dozenten, die es als ihre Aufgabe betrachten, den Nachwuchs zu fördern. Es ist der diametrale Gegensatz zur Unternehmenswelt der gegenseitigen Konkurrenz und rein nutzenorientierten Loyalitäten, in die sie danach eintreten.

Wie man das Netzwerken schon an der Uni richtig anstellt, das untersucht Christian Stegbauer seit Jahren. Der Soziologe von der Universität Frankfurt ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Netzwerkforschung. Nicht zu unterschätzen ist seinen Erhebungen nach der Faktor Zufall: "Untereinander befreundete Kommilitonen sagen mir oft, dass sie in der ersten Woche nebeneinander saßen", sagt Stegbauer. "Gerade in dieser Situation am Anfang des Studiums ist man offen für neue Beziehungen, man hat ein Bedürfnis nach sozialen Kontakten."

So lernen Betriebswirtinnen zunächst andere Betriebswirte kennen und Ingenieurinnen andere Ingenieure. Die Ähnlichkeit untereinander ermöglicht es, schnell Vertrauen und Freundschaft aufzubauen. Das wiederum ist hilfreich, wenn man mal ein gutes Nudelrezept oder eine Mitspielerin beim Fußball braucht – oder später einen Mitgründer sucht, mit dem man Tag und Nacht zusammenarbeiten will, wie es Stefan Nann und Jonas Krauß von Stockpulse getan haben. Schon vor ihrer Gründung stellten sie fest, dass sie ähnlich ambitioniert waren: Nach einem Seminar beim MIT-Forscher Peter Gloor lobbyierten die beiden so hartnäckig, dass sie ein Jahr später wirklich an der renommierten Uni in Boston forschen konnten.

Vielfalt statt Einheitsbrei

Das Anbandeln nach dem Zufallsprinzip führt jedoch auch zu sehr homogenen Gruppen. "Wenn ich immer mit einer mir ähnlichen Clique zusammen bin, haben alle das gleiche Wissen", sagt Stegbauer. Wer Ideen oder auch Stellen außerhalb dieser Blase sucht, braucht andere Kontakte – auch wenn diese nicht ganz so eng und vertraut werden. Um die zu finden, empfiehlt Stegbauer, fächerübergreifenden Hochschulgruppen beizutreten. Egal, wie divers ein Netzwerk dadurch wird, eine Gemeinsamkeit bleibt: der Bezug zur Alma Mater.

Diese Verbindung kann erstaunlich belastbar sein, wie Tobias Pusch erlebt hat. Der Jurist ist Gründer der Arbeitsrechtskanzlei Pusch Wahlig Workplace Law. Und er ist Präsident des Harvard Alumni Club Berlin. Die US-Elitehochschule ist bekannt für ein besonders enges Netzwerk unter Studierenden und Absolventen. Nicht ohne Eigennutz: Allein im vergangenen Jahr spendeten die Ehemaligen 1,4 Milliarden Dollar an die Hochschule.

"Alleine wird man nichts"

Tobias Pusch hat im Jahr 2002 für seinen Master of Laws in Harvard studiert. Er fühlt sich der Institution bis heute verbunden – auch wegen der Menschen, die er über sie kennenlernen konnte. Während er von seinem Fahrer durch den Berliner Berufsverkehr gesteuert wird, erklärt er sein Verständnis von Netzwerken: "Ich vergleiche es gerne mit einem Berg Spaghetti auf einem Teller. Wenn man an einem Ende zieht, weiß man zwar nicht, wo sich was bewegt. Aber dass sich etwas bewegen wird, ist sicher."

Für Pusch hat das Prinzip Pasta schon mehrmals zum Ziel geführt. Zum Beispiel als er vor zwei Jahren ein neues Unternehmen, Push Founders, gründete, um jungen Unternehmern gegen Gebühr beim rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Aufbau ihrer Firma behilflich zu sein. Den ersten Mitarbeiter lernte er über einen Kontakt im Harvard Alumni Club kennen, der zweite war ein Harvard-Student auf der Suche nach einem Ferienjob. "Da musste ich gar nicht erst den Lebenslauf lesen", sagt der Anwalt "Unter den Alumni besteht eine Verbundenheit, die garantiert,dass man sich aufeinander verlassen kann."

Dieser Zusammenhalt ist für manche Studierende wichtiger als für andere, sagt Pusch. "Wenn man sowieso schon ein gutes Netzwerk durch seine Familie hat, dann ist das Netzwerken weniger wichtig." Bei allen anderen aber könnten Univerbindungen den entscheidenden Unterschied ausmachen. Das legen auch Forschungsergebnisse einer Gruppe um die Ökonomin Suqin Ge von der Virginia-Tech-Universität nahe: Während es für Männer keinen Unterschied machte, ob sie eine der US-Eliteunis besuchen, verdienten Frauen dadurch 14 Prozent mehr. Ökonomen um den Harvard-Forscher Raj Chetty fanden einen ähnlichen Trend unter Studierenden aus armen Haushalten.

Zögerliche Geisteswissenschaftler

Nicht nur für direkt benachteiligte Gruppen kann das Netzwerken ein mächtiges Instrument sein. Christian Haas, Geschäftsführer von Absolventum, dem Alumninetzwerk der Uni Mannheim, sieht auch für diejenigen gute Chancen, die sich wegen ihrer Fächer bei der Jobsuche schwerer tun, etwa Philosophen, Sozialwissenschaftler oder Germanisten, wie er selbst.

Sie müssten sich nur darauf einlassen. "Netzwerken ist ein Begriff, dem viele zunächst ablehnend gegenüberstehen." Dabei verlaufe gerade für Geisteswissenschaftler der Schritt in die Privatwirtschaft selten reibungslos, weil Personalern nicht immer gleich klar sei, was deren spezielle Fähigkeiten seien. "Über Netzwerke kommt man direkt mit den Verantwortlichen ins Gespräch und so auch an Stellen, die vielleicht noch gar nicht ausgeschrieben sind."

Absolventum, mit 7.600 Mitgliedern Deutschlands größtes Alumninetzwerk, bietet deshalb die unterschiedlichsten Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme: Die Alumni sehen sich bei Fußballspielen, im Theater oder bei Unternehmervorträgen. In Regionalgruppen treffen sich die Ehemaligen auch in anderen Teilen Deutschlands und der Welt. Anstatt organisch zu wachsen, vergrößern die Mitglieder ihr Netzwerk so per Jahresbeitrag – was die Kontakte leichter verfügbar, aber auch oberflächlicher macht.

Üblich ist diese Art der Alumnipflege in Deutschland noch lange nicht. Im Jahr 2011 konnten die Stockpulse-Gründer Stefan Nann und Jonas Krauß an der Uni Köln von solchen Strukturen höchstens träumen. Trotzdem fanden sie zunächst einander und dann die richtigen Leute. Sie mussten dafür nur engagierter und ausdauernder vorgehen. Gelohnt hat sich die Mühe allemal, so Nann, denn: "Alleine wird man nichts." Schon gar nicht erfolgreich.

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