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Warum wir gendern müssen

Lieber Sebastian,

wie du schreibst, setze ich mich aus guten Gründen für geschlechtergerechte Sprache ein.

Warum gendern?

Du gibst es selbst zu: Sprache lenkt unsere Wahrnehmung der Welt – und nicht nur das: Sie ist konstruiert. Wir passen sie unserer Lebenswelt an und ändern so gleichzeitig unsere Sicht auf die Welt. Wir erfinden deshalb ständig neue Wörter. Die deutsche Sprache ist in einem Punkt bislang aber mangelhaft: Sie wird der Lebensrealität im Hinblick auf die Inklusion aller Geschlechter nie gerecht.

Du führst ja selber Studien auf, die belegen, dass sich Kinder von gendergerechten Berufsbezeichnungen mehr angesprochen fühlen. Das geht übrigens so weit, dass Jungs sich dann stereotyp männliche Berufe eher zutrauen, wenn nicht nur das generische Maskulinum verwendet wird.

Du schreibst, dass bei der männlichen Form im Plural ("Twitter-User") auch Frauen gemeint sind. Psychologische Untersuchungen beweisen, dass das zwar theoretisch gut gemeint ist, aber faktisch nicht stimmt. Beim generischen Maskulinum denkt die Leserschaft immer noch hauptsächlich an Männer

Das generische Maskulinum hilft niemandem. Zumal mehr als zwei Geschlechter existieren. Ohne hier auf den Bereich der Geschlechtsidentität (also Gender im eigentlichen Sinn) einzugehen, gibt es neben körperlich weiblichen Personen mit XX- und körperlich männlichen Personen mit XY-Chromosomenpaar auch noch Menschen mit mehreren weiteren lebensfähigen Chromosomen-Kombinationen (beispielsweise XXX oder XYY).

Intersexualität ist ein reales, wissenschaftlich anerkanntes Phänomen, auch wenn manche Menschen das bestreiten. Mir persönlich ist es wichtig, eine Sprache zu sprechen, in der Personen aller Geschlechter sich angesprochen fühlen und sichtbar werden (daher ist auch das generische Femininum keine Option, da es ähnliche Nachteile wie das Maskulinum mit sich bringt).

Geschlechtergerechte Sprache – aber wie?

Aha, "wir" werden also scheitern, weil wir "euch" vorschreiben, wie ihr zu sprechen, zu schreiben und zu denken habt. Interessanterweise kann ich dir den gleichen Vorwurf nun zurückgeben. Da wissenschaftlich belegt ist, wie das generische Maskulinum das Denken beeinflusst, bedeutet das: Du unterstützt mit dem generischen Maskulinum wissentlich und willentlich alle negativen Effekte der bisherigen Sprache.

Davon abgesehen schreibe ich niemandem etwas vor. Vielleicht gibt es Personen, die allen anderen ihre Version von geschlechtergerechter Sprache aufdrücken wollen. Doch die gibt es auch auf der Seite sprachkonservativer Leute. Da mir die Einbeziehung aller Geschlechter wichtig ist, verwende ich eine derartige Lingo, auch mit dem Ziel, meiner Umwelt zu zeigen, dass so etwas möglich ist.

Bei der gesprochenen Gender-Sprache machst du es dir sehr leicht, indem du einfach behauptest, dass du sie nicht sprechen kannst. Ich persönlich verwende am liebsten die Gendergap (wenn man beispielsweise Lehrer_innen schreibt), weil dadurch symbolisch alle Geschlechter eingeschlossen werden, die nicht klar männlich oder weiblich sind. Und so unaussprechbar ist es nicht. Ich mache beim Sprechen einfach eine kurze Pause (also sage „Lehrer-[Pause]-innen).

Prinzipiell kannst du von allem behaupten, dass es unaussprechbar ist. Wenn du es nicht versuchen willst, wird es natürlich nicht klappen. Außerdem verwenden wir gesprochene und geschriebene Sprache oftmals sehr unterschiedlich. Nur weil eine Idee in die Schriftsprache passt, heißt das nicht zwingend, dass sie auch in die gesprochene Sprache passen muss. Beim Sprechen könnte etwas völlig Neues verwendet werden.

Herbeizwingen kann ich nichts – und will es auch nicht. Ich entscheide auch nicht über die Sprachregeln. Die Instanz, die am ehesten etwas zu melden hat, also der Rechtschreibrat, beobachtet die aktuellen Entwicklungen und entscheidet, ob etwas verbreitet genug ist, um als fester Bestandteil unserer Sprache durchzugehen.

Die Zerstörung der Gender-Sprache

Wie du schreibst, tötet Gender-Sprache Texte. Aber eigentlich verändert sie sie nur, entwickelt sie weiter. Macht sie Texte unlesbar? Das denke ich nicht. Wie jede Veränderung muss man sich erstmal an sie gewöhnen (genauso wie ich mich daran gewöhnen musste, dass "Nicenstein"  eine Zeit lang ein Wort war).  Sprachwandel ist ein Prozess, der alle Sprachen konstant begleitet und nie aufhört. Zu behaupten, dass die Sprache sich irgendwann von alleine schon richtig entwickeln würde, ist nett gedacht, aber spricht uns die Fähigkeit ab, selbst Dinge anzustoßen.

Weißt du, warum "wir" momentan als mögliche Optionen für Gender-Sprache den Gender-Gap, das Sternchen oder anderes vorschlagen wie die Neutralisierung (beispielsweise "die Studierenden" statt "die Studentinnen und Studenten")? Weil es kein "wir" gibt. Aber je mehr Varianten ausprobiert werden, desto eher wird sich vielleicht eine durchsetzen.

Es gibt Menschen, denen das Wohl anderer am Herzen liegt und die es durch eine gerechtere Sprache verbessern wollen. Es existiert keine Verschwörung von bösen "Social Justice Warriors", die Männer hassen und Frauen an die Macht verhelfen wollen. Wie bereits erwähnt, schadet das generische Maskulinum allen Geschlechtern, niemand gewinnt wirklich dabei. 

Sprache und Verantwortung

Alle Menschen, die eine Sprache sprechen und dadurch an ihr teilhaben, verändern diese. Manche unabsichtlich (ich glaube, dass die wenigsten Jugendwörter durch Brainstorming entstanden sind), manche absichtlich (beispielsweise wertende Begriffe wie "Gender-Wahnsinn" oder "Flüchtlings-Tsunami").

Die aktuelle Sprache wirkt exklusiv. Gerade Personen nichtmännlicher Geschlechter werden durch sie benachteiligt, und auch bei Männern entsteht ein Leidensdruck. Das will ich ändern. Deshalb trage ich meinen Teil zur Sprachentwicklung bei und versuche, mich geschlechtergerecht auszudrücken. Natürlich kann ich das ohne dich machen und mich melden, sobald "wir" die perfekte Lösung für die deutsche Sprache gefunden haben. Aber wenn wir alle zusammenarbeiten, kommen wir schneller ans Ziel.

Dein Theo

PS: Wenn du neugierig geworden bist und deine Sprache doch etwas geschlechtergerechter gestalten willst: Diesen Leitfaden finde ich persönlich inhaltlich sehr gut gemacht.

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Kommentare (11)

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  1. Theodor Schneidt

    "Langsam fange ich fast an solche Leute zu hassen (ist natürlich übertrieben). Da hängen Plakate aus "jedes Gender ist eingeladen". Man braucht erst mal ein Wörterbuch, um zu wissen an, wen das gerichtet sein soll und findet heraus das es um das grammatikalische Geschlecht in Sprachen, v.a. Latein geht. Um Personen geht es nicht mehr, das scheint mir alles doch sehr sexistisch." Hi, sag mal, hast du wirklich ein Plakat gesehen auf dem Wortwörtlich stand "Jedes Gender ist eingeladen"?! Gibt es irgendwo online Fotos des Plakats oder so? O_O Weil, das ist wirklich eine seltsame Formulierung. Man kann ja ein (körperliches oder soziales) Geschlecht genauso wenig irgendwohin einladen, wie man das Wetter oder die Demokratie zu einer Party einladen kann. Was genau erscheint dir daran sexistisch, bzw. wie genau würdest du denn Sexismus für dich selbst definieren? Meiner Definition nach ist Sexismus der Prozess, bei dem man Personen aufgrund ihres Geschlechts irgendwelche bestimmten (Charakter-)Eigenschaften zuweist. Das hat für mich persönlich nichts mit der (sehr herbeigezwungenen) Pars-pro-Toto-Formulierung des Plakats zu tun. Wenn auf dem Plakat gestanden hätte "Alle Gender sind eingeladen, wie zum Beispiel das fürsorgliche weibliche und das aggressive männliche Gender, dann wäre das für mich sexistisch, weil da Personen einfach Eigenschaften unterstellt werden. LG Theo

  2. Anonym

    Ich habe Ihnen gar nichts vorgeworfen. Ich habe erklärt, welche Schlüsse ich aus der Art, wie jemand spricht, vorläufig ziehe. Das ist inhaltlich nachvollziehbar und nicht illegitim, ich bilde mir dieses Urteil anhand der einzigen Informationen, die ich bis dahin habe. Sobald ich mehr über jemanden weiß, kann sich das natürlich auch ändern. Aber bis dahin habe ich keinen Grund, irgendjemandem bessere Absichten zu unterstellen, als er erkennen lässt. Sie fühlen sich hier persönlich angegriffen, das ist aber etwas, das Sie in meinen Kommentar hineingelesen haben. Es geht mir nicht um Sie. Ich kann natürlich nachvollziehen, dass Sie ein positives Selbstbild haben und sich wünschen, dass alle Sie für einen guten Menschen halten. Das ist aber nicht mein Problem. Sie signalisieren, wie Sie Ihre Prioritäten setzen ("Ich finde die Versuche, genderspezifische Unterschiede sprachlich darzustellen im Grunde gut und richtig [...] Nur das sprachliche Ergebnis ist meiner Meinung nach Gift für gute und lesbare Texte") und haben keinen Anspruch darauf, dass das keine Konsequenzen hat. Sie können nicht sagen, "ich befürworte eine gesellschaftliche Entwicklung, aber nur solange sich nichts verändert" und dann erwarten, dass man sie trotzdem als Unterstützer der besagten Entwicklung wahrnimmt. Ihr Verweis auf "vernünftige Diskussionen" wirkt fast etwas selbstironisch. Mal ganz abgesehen davon, dass Sie eine vernünftige Diskussion verweigern, weil es Ihnen wichtiger ist, persönlich beleidigt zu sein, meinte ich nicht nur meinen Kommentar, sondern auch den anderen von Ihnen beantworteten. Sie verdrehen ihn inhaltlich komplett. Was die Userin sagte, war: "Liebes E-fellows-Team, findet ihr es nicht bezeichnet, dass ihr ausgerechnet zwei Männer über dieses Thema diskutieren lasst? Klar geht Sprache jede*n etwas an, aber benachteiligt werden doch aktuell die Personen nicht männlichen Geschlechts oder? Sollte an der Weiterentwicklung unserer Sprache nicht gerade alle Personen beteiligt sein, um zu verhindern, dass die Regeln unserer Gesellschaften weiterhin von einer vorwiegend männlich dominierten Gruppen gemacht werden!?" Sie gehen darauf nicht ein. Sie sagen, dass sich jeder an der Diskussion beteiligen darf – die Tatsache an dieser Stelle ist, dass zwei Männer und keine Frau zu Wort kamen. Sie hingegen tun so, als hätte die Userin gesagt, sie wolle Männer von der Diskussion ausgrenzen, verdrehen also ihren Punkt ins Gegenteil und missinterpretieren ihn so extrem wie möglich. Dabei hatte sie sogar ausdrücklich gefragt: "Sollten an der Weiterentwicklung unserer Sprache nicht gerade alle Personen beteiligt sein?". Des Weiteren behaupten Sie: "Bei diesem Thema geht es um unsere Sprache bzw. wie wir sie in Zukunft verwenden wollen" und übergehen damit den von der Userin angeführten und korrekten Punkt: "Benachteiligt werden doch aktuell die Personen nicht männlichen Geschlechts", auf den sie in der Folge also auch nicht eingehen. Schlussendlich fügen Sie dann noch hinzu: "Dass sich an dieser Diskussion nicht nur Männer beteiligen sollten, versteht sich natürlich von selbst." Das ist eine wertlose Aussage. Wenn das selbstverständlich ist, warum haben Sie dann gerade einen Artikel veröffentlicht, in dem sich nur Männer an der Diskussion beteiligen? Sie erklären das nicht. Das war aber der Kritikpunkt, den Sie gerade vermeintlich beantworten wollten. Gegen Ihre Antworten kann man wegen dieser vollständigen Verweigerung einer inhaltlichen Auseinandersetzung nicht argumentieren. Und ganz allgemein hilft es wirklich überhaupt nicht, wenn Sie zwar behaupten, irgendwas richtig zu finden ("genderspezifische Unterschiede sprachlich darzustellen", "dass sich an dieser Diskussion nicht nur Männer beteiligen sollten"), das dann aber nicht umsetzen. Das hilft nicht. Dafür können Sie einfach keinen Applaus erwarten. Ihre Absicht allein hat keinen Wert.

  3. Anonym

    Langsam fange ich fast an solche Leute zu hassen (ist natürlich übertrieben). Da hängen Plakate aus "jedes Gender ist eingeladen". Man braucht erst mal ein Wörterbuch, um zu wissen an, wen das gerichtet sein soll und findet heraus das es um das grammatikalische Geschlecht in Sprachen, v.a. Latein geht. Um Personen geht es nicht mehr, das scheint mir alles doch sehr sexistisch. Egal welches Wort ihr verwendet, der Grundschullehrer und der Kindergärtner wird für mich immer eine Frau sein, ganz einfach da ich nur Frauen in diesem Bereich kennengelernt habe. Genauso wie ich bei der Müllfrau an den Mann denke der meine Mülltonnen entleert... Und letztendlich, wenn juckt es schon, ob eine Person die etwas vollbracht hat männlich oder weiblich war? Das Ergebnis zählt und nicht das Feynman ein man und Noether eine Frau war. Alles andere ist reine Ideologie, die wir uns guten Gewissens sparen können.

  4. Anonym

    Liebe Kommentator*in, als eingeloggter Mitarbeiter sehe ich automatisch die Namen der Kommentatoren. Ob der Kommentator oder die Kommentatorin sie anonym gestellt hat, sehe ich nicht. Die Ansprache der betreffenden Nutzerin habe ich auf deinen Kommentar hin geändert. Dafür entschuldige ich mich bei der Kommentatorin. Sorry! Wenn du, liebe V, mir vorwirfst, nicht auf inhaltliche Aspekte nicht einzugehen, möchte ich dich nochmals daran erinnern, dass du in mir in deinen vorherigen Kommentaren Ablehnung von Menschen anderer Sexualität und Unterstützung von Chauvinismus vorwirfst. Ein klassisches "Argumentum ad Hominem", das vernünftige Diskussionen erschwert. Liebe Grüße Sebastian

  5. Anonym

    Finde es sehr lustig, wie Sebastian hier auf Kommentare "antwortet", ohne auch nur im geringsten auf inhaltliche Aspekte einzugehen. Und auf anonyme Kommentare mit dem Vornamen der Nutzerin zu antworten, ist natürlich auch ein Geniestreich. Ich bekomme in meinem E-Mail-Benachrichtigungen über neue Kommentare übrigens direkt die vollständigen Namen der anonymen Nutzer*innen angezeigt, auch das ohne Frage sehr sinnvoll.

  6. Sebastian Blum

    "Liebes E-fellows-Team, findet ihr es nicht bezeichnet, dass ihr ausgerechnet zwei Männer über dieses Thema diskutieren lasst? Klar geht Sprache jede*n etwas an, aber benachteiligt werden doch aktuell die Personen nicht männlichen Geschlechts oder?" Liebe Userin, bei diesem Thema geht es um unsere Sprache bzw. wie wir sie in Zukunft verwenden wollen. Deswegen darf sich auch jeder an der Diskussion beteiligen. Ich halte nichts davon, andere bei einem für die ganze Gesellschaft relevanten Thema auszugrenzen. Dass sich an dieser Diskussion nicht nur Männer beteiligen sollten, versteht sich natürlich von selbst.

  7. Sebastian Blum

    *mit mangelndem Bewusstsein für Sprache -ich wollte natürlich schreiben: „mit mangelndem Bewusstsein für Diskriminierung“

  8. Sebastian Blum

    Ich finde die Versuche, genderspezifische Unterschiede sprachlich darzustellen im Grunde gut und richtig - das schreibe ich auch in meinem Kommentar. Nur das sprachliche Ergebnis ist meiner Meinung nach Gift für gute und lesbare Texte - mal abgesehen davon, dass die Gendersprache auch beim Sprechen bislang keinen Sinn macht. Was meine Ablehnung mit sexueller Orientierung zu tun hat oder mit mangelndem Bewusstsein für Sprache erschließt sich mir bei bestem Willen nicht. Das eine ist Sexualität oder Diskriminierung, das andere ungelenke Sprachversuche, die nicht alltagstauglich sind. Diese beiden unterschiedlichen Dinge zu verbinden, geht an der Diskussion um geschlechtergerechte Sprache vorbei.

  9. Anonym

    Liebes E-fellows-Team, findet ihr es nicht bezeichnet, dass ihr ausgerechnet zwei Männer über dieses Thema diskutieren lasst? Klar geht Sprache jede*n etwas an, aber benachteiligt werden doch aktuell die Personen nicht männlichen Geschlechts oder? Sollte an der Weiterentwicklung unserer Sprache nicht gerade alle Personen beteiligt sein, um zu verhindern, dass die Regeln unserer Gesellschaften weiterhin von einer vorwiegend männlich dominierten Gruppen gemacht werden!?

  10. Anonym

    Generell stimme ich Sebastian zu, das ständige gendern nervt einfach. Außerdem: warum muss man für mich als Frau ein anderes Wort verwenden als für einen Mann? Es ist doch egal, ob der Student ein Mann oder eine Frau ist, beide haben die Möglichkeit zu studieren und sind deshalb Studenten. Zugegebener Maßen ist es in bestimmten Kontexten sinnvoll gendergerecht zu schreiben, zB bei Stellenausschreibungen.

  11. Anonym

    Ich finde es genau richtig, dass Leute, die gendern wollen, gendern und dass diejenigen, die das ablehnen, das generische Maskulinum verwenden. Sprache ist ein soziolinguistischer Marker, die Art, wie ich spreche, signalisiert auch bestimmte Dinge. Zum Beispiel sprechen CSU-Politiker*innen mit bayerischem Dialekt, um zu markieren, dass sie aus Bayern kommen. Akademiker*innen aus dem Ruhrgebiet hingegen bemühen sich vielleicht eher, dialektfreies Hochdeutsch zu sprechen, um gebildeter zu wirken. Wenn Theo also gendert, signalisiert mir das, dass ihm Geschlechtergerechtigkeit am Herzen liegt und er sich über dieses Thema schon einzwei Gedanken gemacht hat; dass er nicht-binäre Menschen nicht diskriminieren würde; dass ich mich, wenn ich von einem anderen Mann belästigt werde, an ihn wenden könnte, weil er vermutlich für bestimmte Probleme sensibilisiert ist usw. Gleichzeitig weiß ich durch Sebastians Verwendung des generischen Maskulinums, dass ich ihm gegenüber aufpassen sollte, was ich sage; dass ich mich ihm gegenüber lieber nicht als bisexuell outen würde; dass ich bei Problemen mit anderen Männern nicht auf seine Unterstützung hoffen darf, usw. Wenn Unternehmen in Stellenanzeigen gendern, weiß ich, dass dort Wert auf ein diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld gelegt wird. Wenn ein Unternehmen in einer Stellenanzeige das generische Maskulinum verwendet, kann ich mir schon ausrechnen, ob ich dort als Frau überhaupt angenommen werde, wie viel weniger Geld ich dann im Vergleich zu männlichen Kollegen verdienen werde, wie das Unternehmen wohl mit meiner Familienplanung umgehen wird und wie klein meine Aufstiegschancen dort sind. Insofern finde ich den Status Quo eigentlich sehr hilfreich.