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Warum junge Hochleistungssportler erkranken

Also muss man, nach dem ersten Erschrecken und der genaueren Betrachtung, erst mal nüchtern festhalten: Extrem wenige Menschen unter 75 erkranken schwer an Covid-19. Bei Krankheiten wie Malaria sieht das anders aus.

Daran stirbt jedes Jahr eine halbe Million Menschen, 90 Prozent von ihnen Afrikaner und Afrikanerinnen weit unter 75 Jahren, vor allem Kinder. Die schwächsten unter ihnen sind diejenigen, die auch Corona am meisten treffen wird, ob direkt oder indirekt.

Unverwundbar ist kein Mensch. Nicht mal die Starken. Das wird manchen von uns im westlichen Wohlstand, der angeblich durch Hochleistungsbereitschaft garantiert werden kann, gerade bewusst. Auch und gerade, wenn wir es nicht wahrhaben wollen.

Unter den ersten Covid-19-Fällen sahen die Mediziner in Norditalien auch Hochleistungssportler. Nicht alle verwunderte das. Denn Extremsportler gehen per Definition gern an und über ihre Grenzen hinweg. Und es kann auch unter Menschen mit einer starken Immunabwehr zu einem unter Intensivmedizinern gefürchteten Phänomen kommen, dem sogenannten Zytokinsturm oder nachfolgendem Inflammatorischen Schock.

Nachfolgend, weil der erste Virenangriff durch das Immunsystem gebannt wurde. Man scheint erholt. Ein starker, gesunder Mensch kann gut kompensieren. Doch plötzlich reagiert das Immunsystem über, Entzündungszellen überfluten den Körper und können ihn zum Kreislaufzusammenbruch treiben. Klinikchefs beschreiben das auch im Zusammenhang mit Corona.

Wendtner spricht vom Zytokinschock, Claudia Spies, Klinikdirektorin der Berliner Charité für Anästhesiologie und Intensivmedizin, sagt: "Ich habe junge Menschen mit einer schweren Sepsis erlebt, die bis kurz vor ihrem kompletten Kreislaufzusammenbruch klinisch nicht auffällig waren."

Weil sie so jung und stark sind, dass sie lange kompensieren können, würden sie oft viel später diagnostiziert und könnten auch versterben, wenn sie nicht umgehend kompetent behandelt werden. Sie sagt: "Es kann zu einer massiven Abwehr kommen, die abhängig ist von der Viruslast, der Abwehrfunktion des Patienten und der Balance, diese Abwehr unter Kontrolle zu halten, um genügend Erreger abzuwehren, ohne sich selbst zu zerstören."

Wenn man mit Ärzten und Ärztinnen über dieses Phänomen spricht, kommen diese allerdings zu unterschiedlichen Einschätzungen. Je nachdem, in welchem Zustand sie Corona-Patienten und -Patientinnen erleben. Ob sie vom Ende oder vom Anfang her arbeiten. Und in welcher Phase der Erforschung, Erkenntnis und Erfahrung dieser neuen Krankheit wir uns alle – Mediziner, Medien, Menschen – weltweit befinden: Sie verändert sich quasi minütlich. Die einen warnen davor, spät ins Krankenhaus zu gehen, andere sagen, dass sich für den Verlauf der Krankheit kaum etwas ändere.

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    In der Tat ein interessanter Artikel. Und sicher ist es nie gut, eine Gefahr zu unterschätzen. Gefahren sollten aber auch nicht überschätzt werden. In Deutschland ist bisher eine Person unter 40 an COVID-19 gestorben [https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.04.11.20061721v1.full.pdf, S. 4]. Das ist ohne Zweifel tragisch. Daraus folgt zwar auf der einen Seite, dass es natürlich möglich ist, auch als junger gesunder Mensch an COVID-19 zu sterben. Aber andererseits folgt daraus auch, dass die Wahrscheinlichkeit sehr sehr gering ist, meines Erachtens vernachlässigbar gering. Um sich selbst brauchen sich junge Menschen also im Allgemeinen keine Sorgen machen.

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